Rechtfertigung für die Fed?

Dr. Kurt Richebächer in Investors Daily
vom


von Dr. Kurt Richebächer

Offensichtlich gibt es einen allgemein überwältigenden Optimismus, was die US-Wirtschaft betrifft. Die positiven Argumente klingen so:


13 Zinssenkungen und das niedrigste Zinsniveau seit Jahrzehnten; eine Politik des leichten Geldes; starke fiskalische Stimulierung; lange und starke Rally am Aktienmarkt; nachhaltige, massive Schaffung von Reichtum, dank den steigenden Immobilien- und Aktienpreisen; ein bevorstehender, kraftvoller Boom beim Output, wegen der weit verbreiteten Notwendigkeit, die niedrigen Lagerbestände aufzustocken; und die starke Stimulierung der Exporte durch die Dollarschwäche.

Sicherlich – eine beeindruckendere Liste von wachstumsfördernden Einflüssen kann man sich kaum vorstellen. Und immer mehr wirtschaftliche News, die über den Erwartungen liegen, scheinen viele Leute hinweg getragen zu haben.

Ich bin nicht hinweg getragen worden. Viel von dem, was ich heute lese und höre, erinnert mich an ein Buch von Paul Krugman, das 1990 herausgegeben worden war: "Das Zeitalter der verringerten Erwartungen". Das Hauptthema dieses Buches war die Beobachtung, dass "relativ zu dem, was jeder vor 20 Jahren erwartete, unsere Wirtschaft sich fürchterlich entwickelt hat." Krugman drückt sein Erstaunen darüber aus, "wie bereitwillig die Amerikaner ihre Erwartungen der Performance angepasst haben, und zwar in einem solchen Ausmaß, dass das Management unserer Wirtschaft aus politischer Sicht wie ein großer Erfolg aussieht."

Es scheint mir, dass besonders die Politik von US-Regierung und Fed allgemein als großer Erfolg gesehen werden.

Ich möchte an dieser Stelle einfach einmal sowohl die nominale als auch die reale (unter Abzug der Inflationsrate) Wachstumsrate des Bruttoinlandsproduktes (BIP) zwischen den USA und der Eurozone vergleichen, und zwar für den Zeitraum von Ende 2000 bis zum dritten Quartal 2003. Gemessen am realen BIP wuchs die US-Wirtschaft in diesem Zeitraum insgesamt um 6,9 %, verglichen mit 4,5 % Plus für die Eurozone. Aber wenn man sich das nominale BIP-Wachstum ansieht, dann wird der Unterschied bedeutend kleiner: Einem US-Wachstum von 13,1 % steht eins von 12,2 % für die Eurozone gegenüber.

Wie ich wiederholt betont habe, ist das überlegene Wirtschaftswachstum der USA zu einem großen Teil – wenn auch nicht alleine – den gesunkenen Inflationsraten zu verdanken. Die Preise (Preis-Deflator des BIP) sind in den USA von Ende 2000 bis zum dritten Quartal 2003 um 5,8 % gestiegen, während die Preissteigerung der Eurozone bei 7,5 % lag.

Wenn man sich die parabolischen Kreditexzesse der US-Wirtschaft ansieht, dann sollte die Relation zwischen Inflation und Zinsen genau andersrum aussehen. Aber da die amerikanischen staatlichen Statistiker von den Politikern und besonders von Alan Greenspan dazu gedrängt werden, möglichst niedrige Inflationsraten zu produzieren, haben diese Statistiker hart gearbeitet, um sich diesem Druck beugen zu können. Besonders dadurch, dass sie Qualitätsverbesserungen als Preisreduzierungen werten.

Und wenn man die Inflationsrate so untertreibt, dann übertreibt man die reale Wirtschaftswachstumsrate. Wenn man die Preise akkurater messen würde, dann würde das Wirtschaftswachstum ganz bestimmt besser mit der schlechten Performance am US-Arbeitsmarkt korrelieren.

Meiner Ansicht nach braucht die allgemeine Wahrnehmung, dass die US-Wirtschaft sich weiterhin außerordentlich besser als die der Eurozone entwickelt, eine drastische Korrektur.


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