Realer Dollarverfall
Jochen Steffens in Investors Daily
vom 07. November 2007 18:00 Uhr
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Es wird eng – für den Dollar. Heute stieg der Euro/Dollar mit 1,4730 Dollar auf ein neues Rekordhoch. Besonders amüsant fand ich folgende Headline: „Euro ist jetzt härter als die D-Mark.“ Eine Überschrift zum Nachdenken. Tatsache ist aber, dass nicht der Euro so stark, sondern der Dollar so schwach ist.
Harter Euro
Es geht dabei um folgendes:
Quelle: www.prorealtime.com
Der Euro hat nun seine alten Hochs (der Chart ist in Euro zurückgerechnet) überwinden können. Aus charttechnischer Sicht ist ein weiterer Anstieg, also ein anhaltender Verfall des Dollars, zu erwarten. Dieser könnte unter Umständen auch dramatisch ausfallen.
Ein Grund für diesen Bruch der doch wichtigen Widerstandslinie war die Nachricht, dass hochrangige chinesische Politiker sich dafür ausgesprochen haben, die Währungsreserven Chinas in Zukunft stärker in Euro anzulegen. Aber auch die morgige EZB-Sitzung wirft ihre Schatten voraus.
Silber bricht aus Seitwärtsbewegung aus
Ich bin sehr gespannt, wie sich der Dollar weiter entwickelt. Es ist durchaus vorstellbar, dass es zunächst noch zu einem Kampf um diese wichtige Linie kommen wird. Ich wäre zurzeit nicht mehr so bullish für den Euro. Das trifft auch für den Goldpreis und den Silberpreis zu. Auch hier ist mir die Stimmung eindeutig zu bullish.
Obwohl Silber heute im Zuge des Dollarverfalls sogar sein Hoch von 2006 überwinden konnte und damit eindeutig aus der alten Seitwärtsbewegung nach oben ausgebrochen ist. Zwar ist der Kurs anschließend wieder auf die 15,45 Dollar zurückgefallen, doch der Ausbruch ist insoweit erst einmal ziemlich beeindruckend vollzogen worden.
Silber ist ein zweischneidiges Schwert. Dieser Anstieg ist zunächst einmal auf den schwachen Dollar zurückzuführen. Da Silber ein Industriemetall ist, wird der Preis auch von der weiteren Entwicklung der Weltwirtschaft abhängen. Somit ist Silber kein wirklich geeigneter Inflationsschutz!
Nasdaq100-Rallye in Euro
Zu der Auswirkung des Dollarverfalls noch ein anderes Beispiel:
Quelle: www.market-maker.de
Das ist die Entwicklung des Nasdaq100 in Dollar (blau) und in Euro umgerechnet (rot). Sie sehen, dass ein großer Teil des Aufwärtstrends dem Dollarverfall geschuldet ist (mit anderen Worten, Sie hätten kaum davon profitiert, wenn Sie als Europäer auf den Nasdaq ohne Währungsabsicherung gesetzt hätten.)
Realer Kaufkraftverlust im S&P500 und Dow Jones
Da der Dow Jones und S&P500 tendenziell eher seitwärts gelaufen sind, kam es hier sogar zu einem realen Wertverfall (der Dollar ist schließlich nicht nur zum Euro, sondern nahezu zu allen anderen Währungen gefallen). Das bedeutet, ein Amerikaner hat bei einer Positionierung auf den S&P500 real an Kaufkraft verloren:
Quelle: www.market-maker.de
Analysiert man den S&P500 in Euro, stehen wir übrigens an einer höchst wichtigen Widerstandslinie. Wenn diese nach unten brechen sollte, wird ein weiterer dynamischer Kursverfall folgen.
Ölpreis steigt auch in Euro
Etwas weniger eindrucksvoll ist der Unterschied bei der Entwicklung des Ölpreises. Hier erkennt man, dass der Ölpreisanstieg tatsächlich nicht nur mit dem Dollarverfall zu tun hat. Es ist auch in Euro zu einem dramatischen Anstieg gekommen:
Quelle: www.market-maker.de
Ärgern Sie sich also nicht über die Tankstellenbesitzer. Ärgern Sie sich darüber, dass die Automobilindustrie mit der Entwicklung der 1 Liter Autos so zurückhaltend ist. Denn ob Sie um 100 km zu fahren 10 Liter zu 50 Cent oder einen Liter zu 5 Euro erwerben müssen kommt unter dem Strich auf das gleiche heraus. Letzteres ist allerdings noch etwas umweltfreundlicher und schont die Ressourcen.
Sie sehen, welche Auswirkungen der Dollarverfall auf die Charts hat. Man sollte sich nicht täuschen lassen, wenn die US-Indizes bei fallendem Dollar zulegen, also diesen Währungseffekt immer wieder mit in seine Überlegungen einbeziehen.
Eine gute Freundin erzählte mir übrigens Anfang des Jahres, dass man in Afrika im tiefsten Hinterland mittlerweile besser mit Euro als mit Dollar zurecht kommt – auch das sollte zu denken geben...
Viele Grüße
Jochen Steffens
P.S. Mein Dank geht übrigens an meinen Kollegen Torsten Ewert, der sich heute die Mühe gemacht hat, die entsprechenden Vergleichscharts anzufertigen.




