Reagans wahre Revolution, erster Teil
unserem Korrespondenten Bill Bonner in Investors Daily
vom 15. März 2005 18:00 Uhr
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Eine lange Schlange derer, die schon eine ganze Weile unter diesem Newsletter leiden, bildet sich aus. Alle scheinen sagen zu wollen, "Hab ich es Ihnen nicht gesagt?" Viele hoffen auf eine Entschuldigung. Einige hoffen auf eine Offenbarung. Eine Hand voll würde einen
Strick bevorzugen.
Sie werden sagen, dass ich in vielen Dingen falsch lag. Fünf Jahre nach dem ersten Schock ist die amerikanische Wirtschaft immer noch intakt. Es stimmt, es scheint ihr recht gut zu gehen. Innerhalb dieser fünf Jahre dachte ich mehr als einmal, dass sie auseinander fallen würde. Ich habe jeden Tag gedacht, dass sie das tun sollte. Viele Leser müssen jetzt denken, dass ich im Unrecht war und dass ich das zugeben sollte. "Es ist nichts falsch an der amerikanischen Wirtschaft", sagen sie jetzt. Alan Greenspan hat versprochen, die Folgen zu lindern, wenn es dazu kommt und auch hoffentlich den Übergang zur nächsten Expansion zu erleichtern. Noch bevor es zu irgendwelchen Ausfällen kommen wird. Seine Linderung war so katastrophal schnell, kaum etwas hatte Zeit zu fallen, ohne dass es von ihm aufgehoben und in noch größere Höhen katapultiert worden wäre. Und sollte sie wirklich einmal ausfallen, dann werden er und seine Mitarbeiter einfach noch mehr lindern.
Warum sollte man sich also Sorgen machen?
Man wird auch sagen, dass ich hinsichtlich der Außenpolitik schief gelegen habe. Heute behandeln die Zeitungen alles plump-vertraulich. Anfang vergangener Woche sprach Präsident Bush vor der National Defense University. Er erzählte seinen Zuhörern, dass die Verfassung im Irak "ohne Einfluss von außen eingerichtet werden muss." Das klingt seltsam aus dem Mund eines Mannes, der 100.000 Truppen in diesem Land hat. Dann folgte eine Zeile, die so klang, als hätte er die von den berühmten Weltverbesserern der letzten Generationen übernommen. Er fügte hinzu: "Egal, wie lang es dauert, egal wir schwierig die Aufgabe sein wird, wir werden den Feind besiegen und den Schatten der Angst heben und eine freie Nation in den Sieg führen." Überall auf der Welt fragen sich die Leute, ob George Bush, alles in allem, nicht doch Recht behalten hat. Stehen nicht überall im Mittleren Osten "Reformen" und Demokratie vor dem Ausbruch? War das Versprechen dieser Reformen, alles in allem, nicht die Toten wert? Ist George Bush doch der wahre Erbe von Ronald W. Reagan?
Die Welt könnte verbessert werden, das bestreite ich nicht. Aber die einzigen Verbesserungen die die Welt wirklich zu einem besseren Ort machen, sind die, welche die Schandflecken und Ausflüchte der vorhergehenden Verbesserer entfernen.
Ronald Reagans herausragende Eigenschaft war seine Erkenntnis, dass hohe Steuern und Regulierungen die Welt nicht verbessern, sondern verschlechtern. Milton Friedmans Formel für eine bessere Regierung in drei Schritten: Steuern kürzen, Steuern kürzen, Steuern kürzen. Das schien eine angemessene Lösung zu bieten.
Reagan hatte den richtigen Riecher. "Werden sie die fetten Regierungen los" war so etwas wie die Hymne seiner Kampagne. Und wenn er die Gelegenheit dazu hatte, dann hat er oft das Richtige getan. Einem Streik der Fluglotsen gegenübergestellt (der einzigen Gewerkschaft, die hinter seiner Kampagne stand), feuerte er 10.000 von ihnen. Das heißt, wenn er eine Verbesserung sah, die von seinen Vorgängern geschaffen wurde, leitete sein Instinkt ihn normalerweise dahingehend, dass er sie loswurde.
Das Problem war, dass der Schauspieler, nachdem er einmal in Washington angekommen war, immer noch seinen Text kannte, aber den Plot aus den Augen verloren hatte. Fast noch ehe er aus seinen Cowboystiefeln raus war, machte er eigene Verbesserungen.
Das war besonders auffällig im Bereich der Außenpolitik. Wie schon zuvor bemerkt, hatten die Republikaner im Vietnamkrieg ihre Lektion gelernt. In der Regel reichte es ihnen aus, ihre eigenen Angelegenheiten in Übersee zu regeln, mit dem einzigen Ziel, den Kommunismus zurückzuhalten, den sie als eine Bedrohung wahrnahmen. Aber Reagan befiel der Fluch der Proto-Neukonservativen in Washington. Nicht zufrieden damit, die Dinge einfach ruhen zu lassen, glaubte er, die Welt verbessern zu können, indem er aktiv gegen den Kommunismus vorging.
Sicher wird das als ein großer und wichtiger Sieg gefeiert. In ihrer Rede zu Reagans Tod sagte Maggie Thatcher, er würde von "Millionen von Männern und Frauen beweint, die heute wegen seiner Politik in Freiheit leben."
Das mag wahr sein, oder vielleicht auch nicht. Es ist unmöglich zu wissen, was passiert wäre, wenn Reagan die Dinge in Ruhe gelassen hätte. Es ist höchst wahrscheinlich, dass auch dann der Kommunismus zusammengebrochen wäre, vielleicht sogar früher.
Wenn die Investitionen eines Mannes in die Höhe gehen, dann wird er als Genie gefeiert, diejenigen, die versäumt haben zu investieren, sind die Dummen. Wenn die Investitionen in den Keller gehen, dann wird das in der Regel damit begründet, dass es unmöglich war, die Ereignisse vorauszusehen. Ebenso in öffentlichen Angelegenheiten, die Verbindung zwischen Aktion und Konsequenz ist auf irgendeine Weise immer dahingehend verfälscht, dass die Aktivisten besser weg kommen. Wenn sich eine Sache als einigermaßen gelungen herausstellt, dann deshalb, weil der Weltverbesserer eingeschritten ist. Wenn eine Sache sich als schlecht herausstellt, dann deshalb, weil jemand versäumt hat einzuschreiten, als er es hätte tun müssen. Es sind immer die Aktivisten, denen die Denkmäler gewidmet werden. Es gilt als Abraham Lincolns Verdienst, dass die Sklaverei aufgehoben wurde – um den Preis von 618.000 Amerikanern, 2 % der gesamten Bevölkerung. (Eine äquivalente Todesrate heute würde 5 Millionen Amerikaner austilgen). Überall sonst auf der Welt wurde die Sklaverei aufgehoben – zu ungefähr der gleichen Zeit – und fast ohne Leichen. Der große Befreier gehört verflucht und nicht gefeiert.
Ich weiß nicht, ob die Menschen heute wegen Mr. Reagan freier sind oder nicht. Ich weiß auch nicht, ob sich die Einmischungen von Bush auszahlen werden oder nicht. Was mich aber stört, ist die Unbescheidenheit des ganzen.
"Reagan hat auch zu einem riesigen Aufwallen des amerikanischen Patriotismus beigetragen", schreibt Ross MacKenzie. "Die Carter Jahre waren eine Phase des amerikanischen Selbstzweifels bezüglich der Wirtschaft und der amerikanischen Macht (und der Erinnerung an Vietnam, die viele Politiker noch quälte). Mr. Reagan nahm eine Überwindung dessen in Angriff. Er erhöhte die Militärausgaben zwischen 1981 und 1985 um ein Viertel. Er sprach zu den Menschen in Amerika nicht von einem Unbehagen (so wie Carter es getan hatte), sondern von einem "Morgen in Amerika". Gegen Ende seiner zweiten Präsidentschaftszeit waren die Reden über einen Untergang Amerikas aus der Mode gekommen. Das Land betrachtete sich nicht nur wieder als größte Supermacht der Welt, sondern auch als das Land mit der dynamischsten Wirtschaft der Welt.
Wenn ich mich umsehe, sehe ich nicht die geringste Spur von Selbstzweifeln. Stattdessen sind wir zum selbstbewusstesten Haufen von Dummköpfen der Welt geworden. Das allein wäre noch kein Grund, in Ungnade zu fallen, aber wir kommen auch noch mit höchst unbescheidenen Plänen zur Verbesserung der Welt daher. Und dem größten Liquiditätsrausch, den der Wasserplanet je erlebt hat.