Ratingagenturen

Spannend: Möglicher Hintergrund der Drohung von S&P!

in Traders Daily zum Thema Ratingagenturen
vom


*** Zunächst zur Drohung der US-Rating-Agentur S&P, das Best-Rating von Deutschland und anderen EU-Staaten innerhalb von 90 Tagen herabzustufen.

Diese US-Rating-Agenturen würde ich am liebsten völlig ignorieren können. Mit Hypotheken verbrieften Papieren gaben sie bis zuletzt Bestnoten und lagen damit völlig daneben. Andererseits bedeutet das nicht, dass sie sachlich hier falsch liegen. Natürlich würde auch ich einem Land wie Deutschland nicht die Bestnote geben. Bei einem Schuldenstand von deutlich über 80% des BIP kann man doch nicht von Bestnote sprechen.


Darum geht es mir jetzt aber gar nicht. Ich möchte stattdessen einen Aspekt ansprechen, welchen ich in diesem Zusammenhang in der breiten Finanzpresse nicht gefunden habe.

Und zwar die mögliche Verbindung zum jüngsten Vorgehen der EU-Kommission gegen S&P. Hier im Trader´s Daily hatte ich am 28. November berichtet, dass sich die EU-Kommission gerichtlich gegen S&P durchgesetzt hatte. Es ging um die Nutzung amerikanischer ISINs (Wertpapierkenn-Nummern). Auf die hat S&P ein Monopol, und ließ sich die "Nutzung" dieser Zahlen fürstlich bezahlen.

Machen wir nicht mit, sagte die EU-Kommission, und setzte sich mit dieser Einstellung weitgehend durch. Bedeutet spürbare Einnahmenverluste für S&P. Im Falle der Zuwiderhandlung kann die EU Strafgelder in Höhe von bis zu 10% der Gesamteinnahmen von S&P fordern.

War daraufhin jemand bei S&P sauer? Und ist diese "Drohung" mit der Herabstufung des Ratings von EU-Staaten sozusagen die Retourkutsche?

Könnte ich mir durchaus vorstellen, um es mal so auszudrücken.

Vielleicht haben wir hier den "missing link" zwischen Höhlenmenschen und der Trader´s Daily-Gemeinde - und zwar Testosteron gesteuerte Männer, welche als Entscheidungsträger bei Institutionen wie S&P ihre Machtspielchen spielen können.

Gar nicht ernst nehmen, so mein Rat.

*** In Bukarest.

Durch die Straßen von Bukarest wanderte Ihr Autor, im schönen Nieselregen. Gestern war er auf einer dortigen Investoren-Konferenz zum Thema Investieren in Emerging Markets.

Gerade durch die "zunehmende Risiko-Aversion" wurden in den letzten Monaten verstärkt Papiere aus den Emerging Markets verkauft, inklusive deren Währungen. Es könnte deshalb sein, dass wir derzeit eine "psychologische Übertreibung nach unten" sehen.

Sprich: Manche Aktien aus den Emerging Markets sind derzeit für weniger zu haben, als sie "an sich" wert sind. Bietet natürlich schöne Chancen.

So sehe ich den rumänischen Aktien-Index derzeit auf einem durchaus attraktiven Niveau. Von seinem Höchststand im Jahr 2008 bei rund 10.000 Punkten ist er auf aktuell rund 4.000 Zähler zurückgekommen.

Ich recherchiere dazu weiter!

*** Noch ein Hinweis: Am morgigen Donnerstag bin ich den ganzen Tag bei Verlagsveranstaltungen - meinen nächsten Beitrag gibt es deshalb am Freitag.

Mit herzlichem Gruß aus Bukarest!

Ihr

Michael Vaupel

Diplom-Volkswirt / M.A.

Chefredakteur Trader´s Daily


von
Michael Vaupel
Michael Vaupel

Michael Vaupel ist einer der führenden Rohstoff- und Derivate-Experten. Bereits während seiner Studienzeit hat er als Finanzjournalist und Analyst gearbeitet.


ähnliche Beiträge:
Artikel bewerten
Durschnittliche Wertung:
0 Sterne
Wertungen:
0 insgesamt
Artikel weiterempfehlen
Kommentar abgeben

* = Pflichtfeld, bitte unbedingt ausfüllen

Kommentare Kommentar abgeben

Kommentar von Martin Caflisch

Aus wikipedia unter ISIN gefunden: "Für alle Wertpapiere, die in den USA und Kanada emittiert werden, vergibt die CSB eine ISIN. Die CSB steht unter der Leitung der Ratingagentur Standard & Poor's und verlangt Lizenzgebühren von jedem, der solch eine ISIN verwendet, da sie Urheberrechte an einem Teil der ISINs besitzt. Hierfür fallen typischerweise Gebühren von 10.000 US-Dollar pro Jahr für die Nutzung von 500 bis 2.500 ISINs an. Mit freundlichen Grüssen m caflisch

Antworten