Ratingagenturen

Neue Regeln für den Ratingmarkt 1/3
Von Thomas Kallwaß | 24. Januar 2012 | Artikelbewertungen
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Kaum hat das Jahr 2012 begonnen, bewahrheiten sich die Prognosen aus dem vergangenen Jahr. Die Eurokrise verschärft sich weiter. Dieses Mal trifft die Ratingagentur Standard and Poor's (S&P) ins Mark der Euroverfechter. Insgesamt neun Länder mussten die Herabstufung der Kreditwürdigkeit verkraften. Die Generalabrechnung hat auch die beiden AAA-Staaten Frankreich und Österreich nicht verschont. Beiden Ländern wurde die Bestnote durch S&P entzogen und damit die Diskussion um die Marktstellung der Ratingagenturen wieder angeheizt.


Sparpläne lassen europäische Regierungen verzweifeln

Grund zur Kritik gibt es auch zur Genüge. Denn mal sind es die Sparpläne von Regierungen, die den Bonitätswächtern nicht ehrgeizig genug sind. Dann wieder sollen die Auswirkungen der Rotstift-Maßnahmen in der Beurteilung der Ratingagenturen so dramatisch sein, dass sie alle Aussichten auf eine wirtschaftliche Erholung zu Nichte machen. Da fragt sich so mancher Regierungschef, was denn nun von ihnen erwartet wird, wenn Sparpläne direkt oder indirekt ständig als Begründung zur Herabstufung der Bonität angeführt werden.

Ratingagenturen beurteilen nur die Zukunftsaussichten

Was dabei häufig vergessen wird, ist, dass die Aufgabe der Ratingagenturen nicht darin besteht, Empfehlungen über die Wirtschaftspolitik abzugeben. Ihre Dienstleistung besteht einzig und allein in der Beurteilung der aktuellen und zukünftigen Ausfallwahrscheinlichkeiten von Schuldnern.

Die Ausfallwahrscheinlichkeit kann unabhängig von Sparplänen steigen

Und ab einem bestimmten Punkt spielt es für die Ausfallwahrscheinlichkeit keine Rolle mehr, ob gespart wird oder nicht. Ist die Schuldenlast zu groß, kann sie auch durch die ehrgeizigsten Sparpläne nicht mehr abgebaut werden. Nicht zu sparen heißt in diesem Fall, dass die Insolvenz nahe rückt. Zu sparen bedeutet, dass die Insolvenz nur verschoben wird, aber nicht verhindert werden kann. Dafür sinkt durch die Sparmaßnahmen das Bruttoinlandsprodukt und damit die Steuereinnahmen.

Griechenland kann sich nicht mehr selbst entschulden

An diesem Punkt angelangt ist jetzt Griechenland. Die Schulden sind in Relation zur wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit des Landes so hoch, dass sie niemals abgetragen werden können. Die Versuche, die Schulden weg zu sparen, endeten in einem Desaster. Die Neuverschuldung des Landes gerechnet in Prozent vom Bruttoinlandsprodukt ist jetzt höher als vor den Sparmaßnahmen. Denn das Zusammenstreichen praktisch sämtliche Ausgaben stürzte das Land in eine völlig unkontrollierte Rezession.

Die Ratingagenturen haben am Beispiel Griechenlands erfahren, was zu rigide Sparmaßnahmen bedeuten. Es ist daher nur folgerichtig, wenn ähnliche Sparpakete in anderen Ländern kritisch betrachtet werden.


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Kommentar von Albert Karl

Vielen Dank für Ihr sachlich objektives Aufzeigen dieses Sachverhalts. Gruß A.K

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