Rallye wegen saisonaler Faktoren?

unserem Korrespondenten Eric Fry an der Wall Street in Investors Daily
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von unserem Korrespondenten Eric Fry an der Wall Street

Nichts scheint derzeit zu klappen. Die dritte Woche in Folge hat der Dow Jones Verluste hinnehmen müssen. Letzte Woche gab er 114 Punkte ab, der Nasdaq-Composite hielt sich da mit minus 4 Punkten deutlich besser. Es scheint sich zu bewahrheiten, dass der September einer der schlechtesten Monate am Aktienmarkt ist. Bis jetzt hat der S&P 500 in diesem Monat 2,9 % verloren, womit sich die gesamten Verluste in diesem Jahr auf über 22 % summieren.


Die Investoren haben genug Gründe, weiter Aktien zu verkaufen. Eine unmittelbar bevorstehende Invasion des Irak hängt wie ein Damoklesschwert über dem Aktienmarkt. Aber auch ohne den drohenden militärischen Konflikt überzeugen die US-Aktien derzeit keinen Anleger zum Einstieg. Die Bewertungen sind schließlich immer noch hoch, und die Gewinndynamik bleibt niedrig.

Letzten Mittwoch präsentierte die Fed ja das "Beige Book", die Einschätzung der aktuellen konjunkturellen Lage: "Die Indikatoren zeigen, dass sich das Wirtschaftswachstum in den letzten Wochen verlangsamt hat. Die meisten Indikatoren zeigen ein langsames und unstetiges Wachstum ... die Zahl der Beschäftigten stagnierte im Juli und im August bzw. legte nur minimal zu.

Die Wirtschaft liegt im Koma. Und Doug Cliggott, ehemaliger J.P. Morgan-Stratege, glaubt nicht, dass sie bald aufwachen wird. "Wir gehen davon aus, dass die Wirtschaft und die Gewinne auch nächstes Jahr nicht deutlich besser als dieses Jahr abschneiden werden. Für mich sieht es so aus, dass die Aktienkurse im besten Fall ihr jetziges Niveau halten können, also einen S&P 500 von rund 900 Punkten. Wir könnten aber auch sehr leicht eine "6" als erste Zahl bei diesem Index sehen."

Cliggott ist kein neuer Bär. In scharfem Kontrast zu seinen Bullen-Kollegen hat er bereits in der zweiten Hälfte 2001 einen S&P 500 von 950 Punkten vorausgesagt, und einen Rückgang des Dow Jones auf 8.500 Zähler. Seine Vorsicht begründet er teilweise mit seinen Voraussagen über die Gewinnentwicklung der Unternehmen.

Im Gegensatz zu Analysten wie z.B. Abby Joseph Cohen – die davon ausgeht, dass der S&P 500 mit einem operativen Gewinn von rund 47 Dollar im Jahr 2003 bewertet ist – sagt er einen Gewinn von rund 40 Dollar voraus. Ein faires Kursziel (Kurs-Gewinn-Verhältnis von 16) für den S&P 500 wären deshalb 640 Punkte. Das sind 28 % WENIGER als der aktuelle Indexstand.

Bill Gross, Chef von PIMCO, sieht die Lage ähnlich. "Denken Sie dran", schreibt Gross, "der Markt muss mit rund 3,5 % Gewinnrendite bewertet sein, bevor man von einer fairen Bewertung sprechen kann. Das entspricht einem Dow Jones von 5.000 Punkten." Aber noch ist nicht alle Hoffnung verloren. Diverse technische Analysten und andere Experten gehen von einer baldigen saisonalen, zyklischen, technischen Erholung aus.

Beispiel Barron's-Magazin: "Zu dieser Jahreszeit, und an diesem speziellen Punkt in der 4jährigen Legislatur-Periode, kommt uns die Geschichte zu Hilfe. Die historischen Daten zeigen uns, dass die mit Aktien zu erzielende Rendite im nächsten Jahr – einem Vor-Wahl-Jahr – im zweistelligen Prozentbereich sein könnte. Diese Daten sind konsistent," schreibt die Autorin Sandra Ward. "Seit der Nachkriegszeit hat der Dow Jones in Jahren, die vor einer Präsidentschaftswahl liegen, durchschnittlich 18 % gewonnen."

"Vertrauen Sie nicht unbedingt darauf ... aber vieles spricht dafür." Frau Ward fährt mit der Aussage fort, dass es seit 1956 am besten war, wenn man Aktien während des Sommers eines Nicht-Wahl-Jahres gekauft hätte.

James Stack von Investech Research hat beobachtet, dass es profitabler ist, in den 6 Monaten vom 1. November bis zum 30. April zu kaufen – als in den anderen 6 Monaten. Wie viel profitabler? Stack hat errechnet, dass ein Investor, der jedes Jahr seit 1960 am 1. Mai gekauft und am 30. Oktober verkauft hätte, sein Vermögen von 10.000 auf 18.000 Dollar vermehrt hätte. Wenn der selbe Investor immer am 1. November gekauft und am 30. April verkauft hätte, dann wären aus seinen 10.000 Dollar satte 271.603 Dollar geworden.

Es ist witzig, solche saisonalen Faktoren auszuwerten. Aber, wie Ward sagt, "vertrauen Sie ihnen nicht allzu sehr."


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