Rallye oder nicht?
Jochen Steffens in Investors Daily
vom 14. Oktober 2002 18:00 Uhr
ENL5454
Eigentlich sollte die Rallye Mitte Oktober starten, sie erinnern sich, und wahrscheinlich wird sie das auch. Aber unter diesen Voraussetzungen, könnte es auch anders kommen. Wir sind noch immer in einer Baisse, noch sind die alten primären Downtrends mit Beginn März 2000 intakt(das sind die großen, übergeordneten Trends, die in dieser Baisse seit dem Hoch im März 2000 gelten und anzeigen, dass wir uns in einer Abwärtsbewegung befinden. Das erkennt man daran, dass immer neue Tiefs aber keine neuen Hochs gebildet werden. Werden nun neue Hochs gebildet und neue tiefere Tiefs bleiben aus, hat ein sogenannter Trendwechsel statt gefunden). Bis dahin gilt jede Aufwärtsbewegung als sogenannte Bearmarktrallye. Bearmarktrallyes sind gekennzeichnet durch heftige Anstiege mit zum Teil starken Tagesgewinnen, die allerdings schnell wieder in sich zusammen brechen.
Und nicht zum ersten Mal zeichnet sich der Versuch ab, diesen Bearmarkt endlich zu verlassen. Gäbe es nicht diese nicht einzuschätzende Gefahr möglicher Anschläge, ich wäre sehr viel zuversichtlicher und würde zum investieren raten, zumindest mittelfristig.
Auch der heutige Tag im Dax mit seinen bis zu 3 % Verlust würde daran nichts ändern. Diese Rücksetzer sind noch als eine Erholung nach den Gewinnen der letzen Woche zu betrachten. Gewinnmitnahmen.
Das Problem ist, einige politische Verknüpfungen und fundamentale Entwicklungen einzelner Firmen zeichnen sich im Vorfeld ab, sind somit häufiger vorhersehbar und einschätzbar. Anschläge passieren nach einem anderen Muster und sind natürlich völlig unvorhersehbar. Ein nicht bequemes Umfeld für die Börsen.
Diese Woche kommen viele Quartalszahlen, allein ein Drittel aller im S&P 500 gelisteten Firmen legen ihre Ergebnisse für das dritte Quartal vor. Darunter viele bekannte und wichtige Firmen. Am Dienstag meldet unter anderem Intel, Citigroup, General Motors, Motorola und Philips. Am Mittwoch dann IBM, Apple, Bank of America, Coca Cola, Ford, JP Morgan und IDS Sheer. Am Donnerstag SAP (!), Nokia, Philip Morris, IBM und Microsoft. Diese Woche wird sich, wenn man mal die politische Situation weglässt, zeigen, ob diese noch kleine Rallye die Unterstützung erhält, zu einer ausgewachsenen zu werden.
Im Dow naht nun ein wichtiger Widerstand, der liegt bei 8030 Pkt. Sollte diese Marke auf Schlusskursbasis nach oben brechen, sind Kurse bis 9000 Pkt möglich.
Um 17 Uhr stand der Dow bei 7804,58 Pkt, 0,58 %, der Nasdaq 100 bei 883,78 Pkt, 0,77 % und der Dax bei 2824,32 Pkt, –3,63 %.