Rally
Henrik Voigt in DAX Daily
vom 31. März 2011, 08:30 Uhr
ENL5454
die Lage um den havarierten Atom-Meiler in Japan ist weiter außer Kontrolle. Lässt man die üblichen Beschwichtigungen der japanischen Regierung und es Betreibers beiseite, dann haben wir folgende Fakten: eine Kernschmelze läuft seit 11. März mit der Gefahr atomarer Explosionen und einer dauerhaften Verstrahlung weiter Teile des Gebietes, das Meer und die unmittelbare Umgebung des Reaktors sind verseucht, selbst die schlafmützige japanische Atom-Behörde erwägt nunmehr die Ausweitung der Evakuierungszone (die Regierung weiterhin nicht), der Betreiber Tepco will in Fukushima 1 weiter Strom erzeugen (mir bleibt das Lachen im Halse stecken), gestern ein weiterer Störfall in Fukushima 2, eine radioaktive Wolke zieht nach Tokio, unverseuchtes Trinkwasser und Lebensmittel dürften bald knapp werden. Das klingt jedenfalls nicht nach Entspannung.
Jetzt aber die Börsen dazu: Sie steigen kräftig seit den Paniktiefs vor 2 Wochen. Und zwar weit kräftiger, als ich das zuletzt noch erwartet hätte (und da geht es nicht nur mir so). Der Dow Jones Industrials erreichte gestern sogar sein altes Jahreshoch von Mitte Februar. Die 50-Tage-Linie (als Zeichen für den Bullenmodus) wurde deutlich zurückerobert. Ein positiver Tag noch und er befindet sich bereits wieder im Rallyzustand. Offenbar wird die Situation eher als innerjapanisches Problem angesehen, die japanische Wirtschaft bereits abgeschrieben und man rechnet sich Chancen aus, deren Platz einzunehmen. Nur ist mir dann die deutliche Erholung beim Nikkei unverständlich, auch wenn dort noch lange keine neuen Jahreshochs erreicht wurden. Mit der unmittelbaren Aussicht auf einen Einbruch der japanischen Industrieproduktion um 10 Prozent und der Ungewissheit, was von den zerstörten Gebieten überhaupt wieder aufgebaut werden kann (wenn es nicht verseucht und unbewohnbar bleibt) dürften die Kurse eigentlich eher fallen. Vielleicht spielt dort die Liquiditätszufuhr der japanischen Notenbank eine Rolle, so dass wir die Indikatorfunktion der Börsen für den Zustand einer Wirtschaft vergessen können. Einfach Geld drucken und alles sieht wieder ganz schön aus - wie im Märchen.
Fakt ist jedenfalls: schlechte Nachrichten werden beständig gekauft. Ungewöhnlich viele Aktien haben in den letzten Tagen bullische Ausbrüche nach oben vollzogen oder stehen kurz davor. Mit einem solchen Setup ist es fast undenkbar, dass der Markt in Kürze wieder abstürzt. In einer solchen Situation lasse ich Emotionen und Nachrichten beiseite und kaufe Titel, die charttechnisch gut aussehen, weil weitere Anschlussgewinne fast sicher sind. Ich kann die Situation nicht logisch nachvollziehen, aber Börse ist leider selten wirklich logisch. Ich weiß nur eines: die Charts haben so gut wie immer Recht. Und wenn der Markt weiter steigt, dann werden wir auch weiter kaufen und nicht skeptisch an der Seitenlinie abwarten, bis die besten Chancen verstrichen sind. Wenn Sie mit dabei sein wollen (neue Trades in den nächsten Tagen):
ähnliche Beiträge:
Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Werner Bläser (31.03. 2011 09:37 Uhr):
Börse ist a-moralisch, ebenso wie Politik. Die Akteure schauen auf ihr Interesse, nicht auf anderes. Und Fakt ist in dieser Sicht, dass Japan auf vielen Gebieten ein Konkurrent ist. Der wird jetzt geschwächt, und das ist für andere gut - so einfach wird das gesehen. - Warum der Nikkei steigt? Zwei Erklärungsversuche: Langfristig wird sich Japan irgendwie berappeln, Fondsmanager wie Prof. Max Otte raten deshalb zum Einstieg. Und neulich nachts machte der Nikkei in seiner Panik plötzlich einige abrupte und sehr umsatzstarke Moves nach oben - da griff offenbar ein einzelner, extrem starker Marktteilnehmer ein; die BoJ?
Antworten