"Rally der Trottel"
unserem Korrespondenten Bill Bonner in Paris in Investors Daily
vom 13. November 2003 18:00 Uhr
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*** Es gibt wieder Neuemissionen, so das Wall Street Journal. Und Daytrading ist auch wieder angesagt. Die durchschnittliche Aktie an der Nasdaq hat ein KGV von über 40 – und viele Unternehmen erzielen überhaupt keine Gewinne. Die amerikanischen Konsumenten geben mehr Geld als je zuvor aus. Wir sind wieder da, wo wir 1999 waren.
Juppieh!
Als Philosoph bin ich verzweifelt. Aber als Investor bin ich erfreut; denn nichts wärmt das Herz eines Investors so stark, als so viele Leute so viele dumme Dinge tun zu sehen.
Jeremy Grantham spricht von einer "Rally der Trottel" an der Wall Street. Warren Buffett sagt, dass er nicht eine Aktie finden kann, die kaufenswert wäre; das erste Mal seit 72 Jahren kauft Buffett ausländische Währungen. Soros warnt, dass das ganze Ding in die Luft fliegen könnte. John Templeton rät, aus dem Aktienmarkt raus zu gehen. Und Richard Russell warnte letzte Woche auf der Investmentkonferenz in New Orleans, an der ich teilnahm: "Wenn es jemals eine Krise gab, die die Weltwirtschaft erschüttern könnte – dann diese!" Und mein Freund Jim Rogers will sogar, dass seine kleine Tochter Chinesisch lernt!
Aber der durchschnittliche Kleinanleger denkt, dass er intelligenter sei als Buffett, Soros, Templeton, Rogers und Russell. Und dankt Gott für die Kleinanleger! Ohne die Kleinanleger wüssten die Profis ja nicht, an wen sie verkaufen sollten, oder?
*** Ich bin früher als erwartet nach Europa zurückgekehrt. Ich hatte eigentlich eine Woche in New York verbringen wollen, aber das Projekt dort wurde verschoben. Ich wollte dort eine Vortragsreihe im Rahmen der Präsentation meines neuen Buchs geben.
"Wissen Sie", erklärte mir der Verleger, "da der Aktienmarkt und die Wirtschaft gerade so gut laufen ... wollen die großen Medien nicht mit ihnen sprechen. Niemand will jetzt negative Meinungen hören. Aber keine Sorge; ihr Buch wird sich gut verkaufen."
*** Ich wollte unser lokales Orakel ... einen Betrunkenen, der auf der Straße vor unserem Pariser Büro rumhängt ... fragen, was er von der amerikanischen "Wirtschaftserholung" hält. Aber ich fand einen Hinweis an der Tür der Kirche St. Maria, der mich darüber informierte, dass der Landstreicher gestorben war. Ich stellte mir vor, wie er einfach auf den Stufen der Kirche einschlief, wie er das immer getan hatte, und einfach nicht mehr aufgewacht war. Er war wahrscheinlich von den Müllmännern gefunden worden, als die ihre Runde machten. Diese ganze Sache ist so traurig; denn ob Sie es glauben oder nicht: Ich habe mich wirklich mit ihm über wirtschaftliche Dinge unterhalten, und seine Investmentprognosen waren so gut wie die von Profis, aber deutlich billiger. Was kann ich sagen? Die Guten sterben jung. Ruhe in Frieden.
*** News aus meiner Familie ...
Die Klasse von meinem Sohn Henry fährt nach Rom, um da den Papst zu treffen. Meine Frau macht sich deshalb Sorgen – deshalb hat sie ein Treffen mit dem Schulpriester von Henry vereinbart.
"Was ist das Problem?" fragte ich meine Frau.
"Nun, Henry ist doch gar nicht katholisch", erklärte sie mir.
"Hm? Er geht aber auf eine katholische Schule. Er geht in die Messe. Er ist sogar Messdiener. Man kann nicht katholischer sein."
"Ja, aber er wurde als Anglikaner getauft."
"Ja und?"
"Ich weiß nicht ... aber was ist, wenn der Vatikan das herausfindet?"
"Die haben sicher Wichtigeres zu tun ..."
*** "Maria", so begann meine Frage an meine Tochter, "wie war gestern Dein Termin bei der Royal Academy (einer Schauspielschule in London)?"
"Nun, ich habe geweint, als ich herauskam. Aber die Frau, die das Programm veranstaltet, hat uns gesagt, dass wir uns keine Sorgen machen sollen. Sie erklärte uns, dass man als Schauspielerin doppelt so hart wie jeder andere sein muss. Denn man muss immer um Jobs kämpfen ... und man bekommt nicht viele."
"Ich denke, dass ich mich besser auch bei anderen Schauspielschulen bewerben sollte ... nur für alle Fälle ..."