Radioaktives Papier
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 22. November 2007 07:30 Uhr
ENL5454
“Radioaktives Papier”, wird es von Forbes genannt.
Forbes bezieht sich damit auf die unterschiedlichen Formen der verbrieften Kredite, von denen die minderwertigen CDOs vermutlich die meiste Aufmerksamkeit erhalten haben.
Sie werden sich vielleicht erinnern, wie wir in diesen Schlammassel hineingeraten sind. Die ganze Sache ist auf diesen Seiten verfolgt worden. Dank einer Mischung aus Glück und schlechtem Management, waren die Vereinigten Staaten in der Lage, die gesamte Weltwirtschaft anzuheizen. Doch heute sind sie selbst in einer heißen Lage. Die Amerikaner stecken bis zu den Ohren in kochenden Schulden, während die Schatzkammern der Wall Street mit der Art von Schulden gefüllt sind, die die Geigerzähler ausschlagen lassen.
Die Warnungen begannen schon früher in diesem Jahr. Aber erst in diesem Sommer haben die Indikatoren das Signal „Kernschmelze“ gezeigt. Seither melden die Zeitungen einen Schicksalsschlag nach dem anderen. Ich werde die Details hier überspringen und mich gleich dem großen Gesamtbild widmen...
Das große Bild ist:
Die USA haben eine Verbraucherwirtschaft… 70% des Bruttoinlandsprodukt stammen aus den Verbraucherausgaben.
20% der Ausgaben weltweit werden von Amerikanern getätigt.
Die Amerikaner haben sich auf die Preisanstiege bei ihren Häusern verlassen… nicht nur für die aktuellen Ausgaben, sondern auch bei den Ausgaben der Zukunft; Sie haben erwartet, dass sie mit ihren Häusern in den Ruhestand gehen.
Doch jetzt steigen die Preise nicht mehr… und irgendetwas wird passieren.
Eine Pause: Hier ist der Mythos Nr. 13 über die Rente aus der jüngsten Ausgabe des Money Magazins mit dem Titel „Reicher Ruhestand.“
“Das eigene Haus als letztgültige Rentenversicherung zu betrachten, ist eine Falle, in die man leicht hineingerät. Selbst bei einem Hausmarkt, der in der Flaute steckt, hat der fünfjährige Bullenmarkt bei Immobilien vermutlich dazu geführt, dass Sie sich Haus-reich fühlen. Laut einer Studie des National Economic Bureau aus dem Jahr 2004 haben die Boomer im Alter zwischen 51 und 56 mit höheren Einkommen ein Drittel ihres Gesamtvermögens in ihren ersten Wohnsitz investiert.“
“Noch im Mai fand eine Untersuchung der reichen Boomer durch den Finanzberater Bell Investment Advisors heraus, dass sich fast 70% auf ihre Häuser als Ruhestandsanlage verlassen. Die Frage ist, ob diese Strategie funktionieren wird. Die Antwort lautet: Nicht so gut.“
“Warum? Weil es schwer ist, mit dem Vermögen, dass im Haus steckt, essen zu gehen. Man muss irgendwo leben. Um das Vermögen in Bargeld zu verwandeln, kann man es verkaufen und dann selbst mieten, oder in eine günstigere Gegend ziehen oder ein kleineres Haus kaufen. Die meisten Rentner ziehen es vor, vor Ort und Stelle zu bleiben. Ja, man kann auch tun, was eine steigende Zahl von Rentnern tut: Sie erhalten eine umgekehrte Hypothek auf den Wert des Hauses, die nicht zurückgezahlt werden muss. (Wenn man stirbt oder auszieht, dann wird der Kredit mit dem Verkauf des Hauses beglichen, und das heißt, dass man vielleicht nicht in der Lage ist, das Haus an die Kinder weiter zu geben.)
„Doch diese Kredite geben einem deutlich weniger als den Wert des Hauses. Hausbesitzer im Alter von 62 bis 69 Jahren können von den Kreditgebern normalerweise nur 49% des Wertes leihen, sagt der Finanzminister Nicholas Souleles von Wharton.“
“Man betrachtet das eigene Haus besser als einen Ort, an dem man lebt und nicht als Rentenkonto. In den Jahren vor dem Ruhestand, sollte man nicht zu viel in das Haus investieren, weil man sich vorstellt, dass man das Geld später wieder herausbekommt. Halten Sie die Ausgaben für die Hypothek und die anderen Ausgaben für das Haus bei unter 28% des Einkommens und zahlen sie die Hypotheken nicht zu früh zurück, anstatt für die Rente zu sparen.“
Zurück zu unserer Diskussion.
All das fand ich schon seit langem offensichtlich. Doch bis zu diesem Sommer ist nichts passiert. Die Verbraucherausgaben sind auch weiterhin gestiegen.
Doch jetzt heißt es in den jüngsten Nachrichten, dass die Verbraucher nun doch nachgeben. Die Verkaufszahlen für Neuwagen sind beispielsweise zurückgegangen.
Als erstes fielen natürlich die Ausgaben für Häuser selbst aus. Die Bauunternehmer saßen in der Klemme. Und dann die Leute, die die Bauunternehmer finanziert haben... und die, die die Hypotheken an die Kreditgeber vergeben haben, die sie nicht zurückzahlen konnten. Aber niemanden schien das zu interessieren... bis das radioaktive Papier – Derivate, die auf Hypothekenschulden basieren – anfingen zu schmelzen. Ganz plötzlich fand man die „Kreditkrise“ in den Nachrichten... und die Wall Street sprach über Telefon mit den Zentralbankern.
Zuerst wusste kaum jemand, was eine Kreditkrise ist. Die Leute dachten, „Credit Crunch“ sei eine neue Sorte Frühstücksflocken. Die Nachrichten hatten mit dieser Geschichte von Anfang an ihre Schwierigkeiten. Sie wussten nicht, ob sie die Geschichte im Finanzteil bringen sollten... oder im Polizeibericht. Die Ausstellung von Krediten an kreditunwürdige Kunden hätte auch eine Kriminalgeschichte sein können... oder ein Finanzunfall – sie wussten es nicht.
Dann fingen die Banken an, Verluste zu melden… und die Zahlen wuchsen. 100 Milliarden hier... 100 Milliarden da... und schon bald sprach man von richtigem Geld.
Die letzte Schätzung stammt von Goldman Sachs. Goldman sagt, die Verluste aus dem minderwertigen Kreditbereich würden bis zu 400 Milliarden Dollar ausmachen. Aber die goldenen Jungs sagen auch heute noch, dass die Verluste für die Wirtschaft auf bis u 2 Billionen Dollar steigen werden.
Ach ja, liebe Leser. So funktioniert eine Kreditkrise. Wenn die Kredite expandieren, dann wird ein relativ kleiner Geldbetrag über Fremdfinanzierungen zu einem großen Geldbetrag. Die Kreditnehmer nehmen vielleicht eine Anzahlung von 100 Millionen Dollar, und verankern daran einen Kredit von einer Milliarde Dollar. Aber wenn die Kredite knapper werden, dann funktioniert das mit der Fremdverschuldung andersherum. 100 Millionen Dollar Kapital verschwinden und dann wird auch der Kredit von einer Milliarde zurückgezogen. Insgesamt rechnet Goldman damit, dass 2 Billionen Dollar in Bargeld und Krediten spurlos verschwinden werden.
Das sind schlechte Nachrichten für die amerikanischen Verbraucher… und für all die, die Produkte an sie verkaufen. Schon heute wächst „die Beunruhigung über die zunehmenden Zahlungsunfähigkeit bei amerikanischen Autokrediten“, schreibt die Financial Times. Und die Benzinpreise sind in den Vereinigten Staaten in den vergangenen beiden Wochen um 13 Cent gestiegen.
Und vergessen Sie nicht… die Verbraucher müssen auch essen. Lebensmittelpreise sind fünfmal schneller gestiegen, als im Verbraucherpreisindex berichtet.
Man gebe ihnen genug Zeit, und sogar die Wirtschaftswissenschaftler werden in der Lage sein, zwei und zwei zusammen zu zählen. Heute prognostizieren immer mehr von ihnen eine Rezession. Und alle haben ihre Augen auf den Verkaufszahlen zu den Feiertagen.
Aber… und das ist ein ziemlich großes aber… ein aber in der Größe von Texas... der Aktienmarkt gibt nach... ist aber noch nicht zusammengebrochen. Meine Flagge, die vor einem Zusammenbruch warnt, weht immer noch. Und wir haben einige sehr aufregende Rückgänge von mehr als 300 Punkten erleben können. Erst Anfang der Woche ist der Dow um mehr als 200 Punkte zurückgegangen. Aber kein Zusammenbruch.
Man sollte doch davon ausgehen, dass die Investoren aussteigen wollen. Man sollte davon ausgehen, dass sie zumindest verfolgen wollen, was am Rande in den vergangenen Wochen passiert ist. Aber bislang haben wir lediglich einen stetigen Rückgang erlebt... keine Panik. Kein Zusammenbruch.
Die alten Hasen am Markt fragen sich... was der Markt sieht. Wie kommt es, dass er nicht im großen Stile korrigiert? Denken die Investoren wirklich, dass der fallende Dollar sie retten wird...? Erwarten sie eine weitere große Senkung der Zinssätze durch die Zentralbank (Bloomberg sagt, es käme eine weitere Senkung um einen ¾ Punkt...). Denken sie alle, es wird vorüberziehen... anstatt alles in die Luft zu jagen?
Bald mehr davon... und noch mehr... und noch mehr...