"Quantitative Easing" - auf europäische Art
Martin Weiss in Kapitalschutz Akte zum Thema Aktien & Aktienhandel
vom 23. Januar 2012, 07:30 Uhr
ENL5462
In der vergangenen Handelswoche wurde die Herabstufung von neun Ländern der Euro-Zone an den Aktienmärkten ignoriert. Im Gegenteil, auch in der dritten Woche im Neuen Jahr 2012 ging es nach oben.
Der deutsche Leitindex stieg um gut vier Prozent. Der Endstand lag bei 6404 Zählern. Top-Wochengewinner waren die Aktien der Commerzbank. Im Wochenvergleich ging es bei der Aktie der zweitgrößten deutschen Bank um gut ein Fünftel nach oben. Top-Verlierer bei den deutschen Standardwerten war die Aktie des Energieversorgers RWE. Hier ging es fast zwei Prozent nach unten.
Commerzbank wohl ohne Staatshilfe
Hintergrund des starken Kursauftriebs bei der Commerzbank war die Ankündigung der Bank, ohne jegliche neue Staatshilfe die von der europäischen Bankaufsicht ermittelte Kapitallücke in Höhe von 5,3 Milliarden Euro zu schließen. Bank-Chef Blessing legte in der vergangenen Woche gar ein Konzept vor, wonach die Kapitalanforderungen aus eigener Kraft deutlich übererfüllt würden. Kein Wunder also, dass sich die die verbliebenen treuen Commerzbank-Anteilseigner darüber freuten und den Kurs bis auf 1,72 Euro nach oben katapultierten. Innerhalb von zehn Handelstagen ging es bei dem Papier um gut 40 Prozent nach oben. Sicherlich wenig tröstlich für all jene, die in den Vorjahren die Aktien jenseits der 30 Euro erworben hatten.
Hausse bei Europas Bankaktien
Aber nicht nur bei der Commerzbank-Aktie ging es in jüngster Vergangenheit steil nach oben. Die vergangene Handelswoche war die Woche der Bankaktien der Eurozone. Top-Gewinner war die Aktie der französischen Großbank Societe Generale, deren Aktie um gut 30 Prozent nach oben schnellte. Die Investoren ignorierten die Abstufung Frankreichs komplett. In Italien konnte sich das Papier der Unicredit merklich erholen. Und auch die niederländische ING-Aktie legte prozentual zweistellig zu. Der Index der Bankaktien der Euro-Zone gewann acht Prozent.
Was steckt dahinter?
Nun stellt sich also die Frage, was hinter der eher seltsamen Rallye am Aktienmarkt und auch an den Anleihemärkten steckt, die im übrigen nicht gerade von hohen Volumina unterstützt wird. Es drängt sich mehr denn je zwangsläufig der Verdacht auf, dass Quantitative Easing" auf europäische Art dahinter steckt. Erinnern Sie sich? Ende 2011, kurz vor Weihnachten stellte EZB-Chef den Banken der Euro-Zone per Mengentender sage und schreibe 489 Milliarden Euro zum Niedrigstzins zur Verfügung. Und im Neuen Jahr nehmen die Banken diese Einladung" wohl an und zeichnen fleißig die Anleihen der Krisenstaaten der Euro-Zone.
Daraus erklären sich auch die Verbesserungstendenzen an den Staatsanleihemärkten. Anders formuliert, die Banken mutieren zu einer Art Außenstelle der EZB, die die Schuldenstaaten finanzieren. Und mit diesem nahezu risikolosen Carry Trade" (die aufgekauften Anleihen werden ja wieder als Sicherheit bei der EZB hinterlegt) können sich die Banken prächtig" sanieren.
Vorerst.
Ja, das scheint eben der feine Unterschied zwischen dem QE der US-Notenbank und der EZB zu sein!
Zum zweiten Teil von: Abnehmender Grenznutzen von Öl
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Laufer (23.01. 2012 11:08 Uhr):
Wer hat denn da die Führung der EZB übernommen? Eben! Da müssen ja ganze Kompanien an Tüftlern tätig sein, um ständig neue Papiergelder und Tricks zu erfinden, um die betroffenen Steuerzahler täuschenzu können.
Antworten - Kommentar von Albert Karl (23.01. 2012 11:26 Uhr):
......und wenn es kracht im Gehäuse, dann finanzieren wir europäische Steuerzahler mit Schwerpunkt Deutschland die EZB! Das Vorgehen ein Trauerspiel. Haben insbesondere die kleineren mittelständischen Unternehmen, Möglichkeiten mit immer mehr Fremdgeld aus der Verlustzone zu kommen? Nein - wenn sie den break-even wieder erreichen wollen, ist harte Sanierungsarbeit gefordert. Und wenn das aus marktrelevanten Gründen nicht gehen sollte, ist Insolvenz angesagt. Nochmals: Ein Versagen der Kontrolle von Regierungen, Banken und Institutionen, was wir hier erleben. Und die Finanzspritzen sowohl Fed wie der EZB sind nichts als Nebelkerzen, da sie wegen der Systemfehler zum Scheitern verurteilt sind (bekanntlich sind auch die Ratings von Staatsanleihen und Aktiengesellschaften etwa Micron Technologies, AMD, Eastman Kodak, Citigroup und andere extrem gefährlich weil: Interessenkonflikte, Schmiergelder, Bestechung und Betrug nur der Anfang sind....). Fazit ist doch, dass Politiker, Finanzhasardeure und sonstige Entscheider jahrelang gepfuscht, Vertrauen missbraucht und sich vor unangenehmen Entscheidungen gedrückt haben. Inzwischen geht es doch nur noch darum, wer die massiven Staatsverschuldungen in Europa und den USA tragen wird. Der kleine Mann, seine Kinder und Enkelkinder müssen bitter dafür bezahlen. Denn das Geld, das für Schuldentilgung und Zinsen draufgeht, fehlt jetzt anderweitig in den Staatshaushalten, Renten und Geldanlagen. Alles was bisher gemacht wurde, hat im Prinzip die Krise nur verschlimmert und herausgezögert. Marktgesetze lassen sich nun mal nicht ausser Kraft setzen.
Antworten - Kommentar von Dr Heinemann (23.01. 2012 14:14 Uhr):
Sehr geehrter Herr Dr. Weiss, ich kann es kaum glauben, was Sie heute schreiben. Es wird doch wohl so sein, dass alle Euro-Schuldnerstaaten nicht einen blanken Heller an Schulden in den nächsten 100 Jahren zurückzahlen werden. Wie soll denn das auch gehen? Wirtschaftswachstum wird doch gemeinhin mit NEUEN Schulden finanziert. Es wird ja erwartet, zukünftig Gewinn zu machen. Beispiel: Im Vertrieb lernt jeder Neueinsteiger die Provision nicht vor Erhalt auszugeben. Das Geschäft könnte sich möglicherweise zerschlagen. Aber bei EZB, Finanz- und Wirtschaftsministern sowie Euro-Staatslenkern des Euroraumes ist diese Binsenweisheit noch nicht bekannt. (Sie und ich könnten die Herrschaften schulen.) Damit dürfte sich dann auch der aufgeblasenene Aktienkurs, der ein Pennystock von der Commerzbank ist, im Nebel auflösen. Societe Generale, PNB Paribas und anderen, natürlich auch der EZB wird es gleichermaßen gehen. Diese Banken werden verdampft. Und überhaupt, was bedeutet ein Kursanstieg auf € 1,72 bei der Commerzbank? Kursgewinne konnte man mitnehmen, dennoch ist die Bank nicht mehr zu retten! Mein Tipp: Bankenpapiere verkaufen. Wünsche allen noch einen schönen Tag. Ihr Dr. H.
Antworten - Kommentar von Franz Steinbauer (23.01. 2012 16:36 Uhr):
Die Bankster gegen den Rest der Welt lautet das ungleiche Duell! Was in den USA mit der Fed und ihren "primary dealers" abgeht ist in Europa die EZB-Goldmanratte und ihr bankrotter EURO-Banksterfreundeskreis. Wie man sieht ist Liquidität (fast) alles. Man kann allerdings wie bei allen Junkies darauf wetten, dass die Wirkung der Injektion nicht lange anhalten wird.
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