QE3 als hervorrangende Kaufchance?

Franz-Josef Buskamp (Chefredakteur "Value Investor") in Nebenwerte Daily zum Thema Weitere Börsenthemen
vom


 

Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

Der Euro-Austritt Griechenlands bleibt in diesem Jahr weiterhin eine Option, zumal sich innerhalb der Eurozone auf politischer Seite allmählich so etwas wie eine Kapitulationsstimmung abzeichnet. Bemerkenswert vor dem Hintergrund der jüngsten griechischen Wahlen sind die vielen Fehlinterpretationen, die sich EU-Politiker noch vor wenigen Monaten geleistet haben. Wie sehr das griechische Volk hinter dem Sparkurs der noch amtierenden Regierung steht, haben die jüngsten Wahlen gezeigt. Athen ist vor diesem Hintergrund nicht mehr regierungsfähig. Selbst mögliche Neuwahlen in rund zwei Monaten dürften zu keinem wesentlich anderen Ergebnis führen, sodass mit der Variante einer „Expertenregierung“ möglicherweise die italienische Lösung herangezogen wird.


Zudem kann Kanzlerin Angela Merkel ihren erst noch Ende 2011 durchgesetzten Fiskalpakt, den sie als neuen Euro-Stabilitätspakt präsentierte, ad acta legen. Der designierte französische Präsident Francois Hollande und seine sozialistische Partei werden sich auf einen Wachstumskurs mit größerer Staatsschuldendynamik verständigen, was innerhalb der Eurozone vor allem von Seiten der wirtschaftlich schwachen Staaten forciert wird, die sich mit Blick auf die Konjunkturentwicklung bald in der Mehrheit befinden werden. Spar-Strategien wurden bereits in den frühen 1930er-Jahren versucht – letztlich verschlimmerten sie die wirtschaftliche Depression.

 

Nun zu den Märkten...

In den vergangenen Monaten wurden konjunkturelle Realitäten weitgehend ignoriert – nunmehr werden die Märkte eben von diesen Realitäten eingeholt. Der längerfristige DAX-Trend ist trotz der imposanten Erholung im ersten Quartal unverändert negativ. Widersprüchlich bleiben die US-Konjunkturdaten. Die wesentliche Trendbeeinflussung resultiert nach wie vor aus der Dollarentwicklung, wenngleich dieser – bezogen auf den Dollar-Index – lediglich seitwärts notiert, solange der Dollar-Index die Marke von 82 Punkte nicht überwindet.

Die aktuelle Lage ist so gesehen mit Blick auf den Euro, die Aktien- und Anleihenmärkte sowie Edelmetallmärkte auch nicht als dramatisch einzustufen. So hätte der Euro mit seinem Durchbruch unter die charttechnische Unterstützung bei 1,2950/1,30 US$ noch wesentlich stärker unter Druck kommen können. Da aber vor allem institutionelle und private Anleger eine hohe Shortposition gegen den Euro halten, erklärt dies den verhältnismäßig moderaten Abgabedruck in Richtung 1,2750 US$. Erst bei einem Überschreiten der 82er-Marke des Dollar-Index kann von der Einleitung eines neuen mittelfristigen Abwärtsschubs beim Euro ausgegangen werden.

 

Gold: Viele Akteure warten auf einen Rückgang bis 1.500 US$

Bei Gold hat sich der Marktrhythmus gegenüber den Abwärtsschüben im September und Dezember 2011 geändert. Hier warten inzwischen immer mehr Akteure auf einen Test der Marke von 1.500 US$. Das Tempo des aktuellen Abwärtsschubs verläuft moderater als bei den Ausverkäufen im vergangenen Jahr und wird im Wesentlichen von der Entwicklung des Dollar-Index beeinflusst. Dramatisch würde die Lage am Goldmarkt erst, wenn der Dollar-Index über 82 Punkte steigt und sich oberhalb dieser Marke manifestiert. Ob die Obama-Administration dies vor dem Hintergrund der US-Konjunkturentwicklung zulassen wird, ist eine andere Frage, sodass eine nochmalige kurzfristige Korrektur und somit zunächst ein Verbleib in der Fluktuationszone von 78 bis 82 Punkte denkbar sind.

Gold-Bugs-Index: Test der Unterstützungszone 350 bis 380 Punkte

Der Gold-Bugs-Index (HUI) ist gestern mit seinem Fall unter 390 Punkte auf ein neues 12-Monats-Tief gefallen. Der HUI ist überverkauft, eine Gegenbewegung nach oben überfällig. Diese Gegenbewegung kann jederzeit über eine Goldpreis-Erholung eingeleitet werden. Was danach geschieht ist derzeit noch völlig offen. Entweder testet der HUI sein 12-Monats-Tief ab Ende Juni bis zum August erneut oder fällt noch deutlich tiefer.


Stimmung im Edelmetallaktiensektor deutlich abgekühlt

Die Stimmung im Edelmetallaktiensektor hat sich inzwischen deutlich abgekühlt und überall ist Frustration zu spüren. Das sind bereits gute Voraussetzungen für einen längerfristigen Tiefpunkt. Aber aktuell weisen viele Analysten auf eben diesen Faktor hin und leiten daraus Kaufsignale ab. Bezogen auf wesentliche Markttiefs seit 2001 wurden diese erst erreicht, wenn der HUI beziehungsweise die Entwicklung im Minensektor so gut wie vollständig aus der Berichterstattung einschlägiger Internetseiten verschwand. Dies ist jetzt noch nicht zu beobachten.


So oder so: Alles wird von QE3 abhängen

Wahrscheinlich ist vor diesem Hintergrund, dass mit Blick auf die kommenden Wochen an den Märkten Gegenbewegungen nach oben einsetzen – vor allem mit Blick auf das FOMC-Meeting im Juni und den damit verbundenen QE3-Hoffnungen. Wird aber im Rahmen des Juni-Meetings kein QE3 oder ein ähnliches Liquiditätsprogramm beschlossen, droht den Märkten mit Blick auf Juli und August ein Vakuum, das zu nachhaltigen Verwerfungen führen könnte. Möglicherweise wird die US-Notenbank erst aktiv, wenn die Märkte sich in Ausverkaufsstadien befinden. Dies wiederum betrifft neben den Aktienmärkten auch die Edelmetallsektoren.

 

QE3-Verzögerung wurde hervorragende Kaufchancen eröffnen

Solange die US-Notenbank kein neues Liquiditätsprogramm beschließt, bleibt die Lage an den Märkten grundsätzlich kritisch. Dementsprechend vorsichtig sollten Sie kurzfristig agieren, da sich mit Blick auf den Sommer hervorragende Kaufchancen eröffnen, wenn Bernanke ein neues QE3 erst im August oder September ankündigen sollte.

 

Herzlich Ihr

Franz-Josef Buskamp

 

Anmerkung der Redaktion:

Franz-Josef Buskamp ist Chefredakteur des Börsendienstes "Value Investor", der sich auf unterbewertete Substanzaktien spezialisiert hat. Herrn Buskamps komplette Analyse und welche Werte er aktuell zum dringenden Kauf empfiehlt, können Sie zu einem spannenden Kennenlernpreis hier testen...

 


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