QE2-Spekulationen
Henrik Voigt in DAX Daily
vom 28. Oktober 2010, 08:30 Uhr
ENL5454
gestern kamen am Markt Spekulationen auf, dass die US-Notenbank auf ihrer nächsten Sitzung nächsten Dienstag und Mittwoch die Geldschleusen möglicherweise doch nicht so weit öffnen könnte wie erhofft (und in den Kursen bereits eingepreist ist). Die jüngsten US-Konjunkturdaten zeigten sich stabil (siehe mein gestriger Bericht). Das renommierte „Wall Street Journal" veröffentlichte einen Bericht, wonach sich die Ausweitung der Geldmenge durch die US-Notenbank auf mehrere hundert Mrd. USD beschränken könnte. Analysten erwarten jedoch eine Liquiditätsschwemme von bis zu 2 Billionen Dollar (!) und damit noch einmal soviel wie während der Finanzkrise zur Stützung der Aktienkurse in die Märkte gepumpt wurde. Ob da was dran ist, weiß vermutlich die Notenbank noch nicht einmal selbst, da die Meinungen der Fed-Mitglieder über neue Liquiditätsspritzen weit auseinandergehen.
Immerhin zeigt sich immer deutlicher, wie sehr die erste Geldspritze die Kurse inzwischen aufblähen konnte. Beim spekulativen Nasdaq-Index zeigen einzelne Aktien bereits Kursverläufe und Bewertungen, die ich sonst nur in Zeiten der Internet-Bubble 2000 gesehen habe. Ein Internetwert wie Netflix hat ein stolzes Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 67 vorzuweisen, Baidu kommt gar auf 93. Das muss nicht heißen, dass morgen alles abstürzt. Aber es zeigt doch, dass sich bereits neue Blasen bilden. Und zwar ohne, dass sich die amerikanische Wirtschaft insgesamt nachhaltig stabilisiert hätte. Etwas mehr Kreativität und Lernvermögen bei den dortigen Notenbankern wäre bestimmt nicht verkehrt, wird aber Wunschdenken bleiben.
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