Q-Cells: Refinanzierungskonzept schmeckt Börsenakteuren nicht wirklich
Cindy Bach in Insider Daily
vom 28. September 2010, 14:30 Uhr
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Kapitalerhöhungen werden an der Börse meist eher skeptisch aufgenommen, bedeuten sie doch, dass ein Unternehmen frischen Geld braucht, etwas finanzieren will, was es aus eigener Tasche nicht bezahlen kann. So ist es auch bei Q-Cells. Der angeschlagene Solarzellen-Hersteller aus Bitterfeld hat gestern in den späten Abendstunden eine eben solche Kapitalerhöhung beschlossen.
Die Reaktion der Börsianer war wie üblich erst einmal negativ. Der TecDAX-Wert starte gestern bei 5,10 Euro und verlor bis heute im Tief bis auf 4,60 Euro. Doch im Falle von Q-Cells halte ich die Kapitalerhöhung für absolut nachvollziehbar. Denn damit schwinden die schon lange schwelenden Unsicherheiten über die Refinanzierung von zwei Wandelanleihen, von welcher eine bereits in 2012 ausläuft. Diese soll mit dem frischen Kapital den Gläubigern nun sogar vorfristig zurückgezahlt werden, vielleicht sogar noch in diesem Jahr. Q-Cells will sich damit finanziell Luft machen.
Aber schauen wir mal der Reihe nach. Die Details der beschlossenen Kapitalerhöhung wurden von Q-Cells wie folgt benannt: Das Grundkapital solle um 58,8 Mio. Euro auf 176,3 Mio. erhöht werden, teilte das Unternehmen mit. Dabei baut Q-Cells ganz stark auf seine Altaktionäre. Denn von den fast 59 Mio. neuen Stammaktien, sollen 80% den Altaktionären im Bezugsverhältnis von zwei alten zu einer neuen Aktie angeboten werden. Der Vorstand werde heute oder am Mittwoch den Bezugspreis festsetzen. Einem Händler zufolge liegt die Spanne für die neu auszugebenden Aktien zwischen 3,50 und 3,75 Euro. Bei einem Bezugspreis am oberen Ende der Spanne würden dem Unternehmen aus dieser Kapitalerhöhung also rund 221 Mio. Euro zufließen.
Zusätzliche Mittel will sich Q-Cells zudem über die Ausgabe einer neuen Wandelschuldverschreibung beschaffen. Das Emissionsvolumen werde hier bei 130 bis 140 Mio. Euro liegen. Das neue Refinanzierungspaket würde dem angeschlagenen Unternehmen somit im besten Falle eine Summe von 361 Mio. Euro in die Kasse bringen.
Erlöse sind bereits verplant
Doch natürlich ist der überwiegende Teil dieses Geld schon verplant. Der Nettoemissionserlös soll vor allem für die Rückzahlung der bestehenden Wandelschuldverschreibung verwendet werden. Und mögliche verbleibende Beträge werden wohl zur Stärkung der Bilanzstruktur und der Liquidität der Gesellschaft verwendet. Die Experten von BÖRSE ONLINE bewerten dies wie folgt: "Sollte Q-Cells das geplante Refinanzierungspaket glücken und die Altaktionäre bei der Kapitalerhöhung wie geplant mitziehen, könnte es - angesichts der etwas solideren Aussichten für das Unternehmen - vielleicht auch mit dem Aktienkurs wieder bergauf gehen."
Doch zunächst wird abzuwarten sein, welchen Bezugspreis die Konzernführung heute oder morgen bekannt gibt. Sollten es tatsächlich weniger als 4 Euro sein, dann könnten es sich einige Altaktionäre durchaus überlegen, zuzugreifen. Q-Cells wird hier also geschickt taktieren müssen, denn nicht alle Altaktionäre werden mit ihrem Investment in Q-Cells derzeit wirklich glücklich sein. Was aber für Hoffnung sorgt ist der Ausblick. Denn auch dazu äußerte sich die Führung im Rahmen der Verkündung des Refinanzierungspakets.
Ausblick noch mal aufgehübscht
Die Geschäfte liefen gut, ließ man verlauten. Die Preise seien stabil und die Nachfrage positiv. So rechne man für das zu Ende gehende dritte Quartal mit einem Umsatz über dem des Vorquartals von 333,5 Mio. Euro. Der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) werde auf dem Niveau des zweiten Quartals liegen, damals verdiente Q-Cells operativ 27 Mio. Euro. Für das Geschäftsjahr 2010 geht das Management von einem Umsatz von 1,2 bis 1,3 Mrd. Euro aus - Anfang August hatte Firmenchef Nedim Cen die Prognose bereits auf 1,1 bis 1,3 Mrd. Euro erhöht. Auch das Ebit werde positiv ausfallen.
Ich wünsche Ihnen einen guten Börsentag.
Ihre
Cindy Bach