Pyramidisieren
Tom Firley in Investors Daily
vom 11. November 2009, 18:00 Uhr
ENL5454
eines ist klar: Engagements in unsicheren Märkten bzw. unsicheren Zeiten sind immer schwierig. Zum Vergleich: In den Jahren 2004 bis 2007 konnten Sie Ihrem Nachbarn oder Börsendienstschreiber ihren Lesern so gut wie alles empfehlen - es stieg einfach und Sie (oder der Redakteur) waren der Held.
Ab Ende 2007 bis März 2008 konnten Sie empfehlen, was Sie wollten... wenn es nicht gerade Put-Spekulationen (Gewinne mit fallenden Kursen) waren, sind Sie Ihrem Nachbarn besser aus dem Weg gegangen...
Strategie ist alles
Wer sich in solchen Märkten keine Strategie zurecht legt, sollte ihnen lieber fern bleiben, denn: Börse ist kein Spielzeug.
Natürlich, im Nachhinein wäre es eine tolle Sache gewesen, im März mit voller Breitseite in den Markt einzusteigen. Wenn es dafür eine logische Begründung gegeben hätte, würde ich dies nur allzu gerne unterschreiben. Alleine, mir fehlte zunächst diese logische Begründung. Freilich konnte es nicht ewig bergab gehen. Aber nach einem gnadenlosen Crash-Jahr 2008 war noch lange nicht sicher, dass im März 2009 die Abwärtsbewegung vorerst ein Ende gefunden haben sollte.
Pyramidisieren: Zwei Szenarien
Angenommen Sie wollen nicht allzu viel Zeit in die Börsenbebachtung stecken, haben aber den Drang, etwas aus Ihrem Geld (bzw. aus einem Teil davon) zu machen. Wenn Sie jetzt einen bestimmten Betrag zur Verfügung hätten und meinen, dass jetzt ein guter Einstiegs-Zeitpunkt wäre, dann legen Sie ein Viertel davon an. Danach gibt es zwei Szenarien:
Szenario 1: Wenn ihre Aktie (oder ihr Index-Zertifikat etc.) nach Ihrem Einstieg unter ihr letztes wichtiges Tief fällt, können sich zu überlegen, ob Sie dann bei möglicherweise wieder steigenden Kursen ein zweites Viertel einsetzen wollen.
Sollte die Aktie nicht wieder steigen (sondern weiter fallen), steigen Sie bei Erreichen Ihres Stopps wieder aus. Ihre anfängliche Grundüberlegung hat sich einfach nicht bestätigt. Verluste realisieren gehört nun einmal zum Börsengeschäft. Aber immerhin haben Sie nur ein Viertel Ihres geplanten Investments eingesetzt und haben somit nur einen Bruchteil verloren (also z.B. etwa 10% von einem Viertel; dies entspricht 2,5% des geplanten Gesamt-Engagements).
Steigt die Aktie aber wieder über ihren Einstiegskurs, warten Sie die Dynamik und den weiteren Kursverlauf ab und setzen Sie dann die zweite Hälfte ein und berechnen dann (das ist wichtig) den Stopp für die Gesamtsumme.
Szenario 2: Wenn die Börsen weiter steigen sollten, sichern Sie ihr erstes Engagement erst einmal zum Einstiegskurs wieder ab. Sobald Sie etwa 10% vorne liegen, legen Sie das zweite Viertel nach. Der zweite Einstieg hängt dann natürlich auch vom Kursverlauf und den charttechnischen sowie fundamentalen Gegebenheiten ab. Die zweite Hälfte legen Sie dann an, wenn Sie kurstechnisch ausschließen können, dass Sie in eine Bullenfalle laufen.
Das Ganze nennt sich „Pyramidisieren".
Übrigens: Diesen Text habe ich Ihnen in ähnlicher Form am 8. April diesen Jahres gesandt, damals unter dem Titel Trading und Investition. In der damaligen Ausgabe habe ich Ihnen als Beispiel ein Dax-Zertifikat genannt. Ein Blick auf den Chart zeigt, dass die Idee nicht schlecht war:
Chart Dax
Am 8. April stand der Dax bei etwa 4.400 Punkten (schwarzer Kreis und spekulativer Einstieg mit dem ersten Viertel). Der Einsatz des zweiten Viertels hätte sich dann „10% später" bei 4.900 oder besser - das ist Geschmackssache - bei Überschreiten der 5.000er Marke angeboten (schwarzer Kreis). Der Mittelkurs der beiden Einstiege wäre dann bei 4.700 Punkten gelegen (4.400 plus 5.000 geteilt durch 2).
Ein sehr wichtiges Zeichen war dann das Überschreiten des 256-Tage-GD am 17. Juli (etwas unterhalb von 5.000 Punkten). Hier hätten Sie entweder ein weiteres Viertel oder sogar komplett die zweite fehlende Hälfte riskieren können; zumal sich die vorangegangene Abwärtsbewegung im Juni/Juli als Bärenfalle entpuppte.
Ich möchte nicht behaupten, dass Sie mit dieser Methode via Dax-Zertifikaten einen Mörder-Gewinn gemacht hätten (er liegt aktuell bei etwa 14 Prozent), mit Einzel-Aktien war da wesentlich mehr drin. Aber Sie hätten so - jederzeit abgesichert - den Trend „reiten" können.
Und darauf kommt es an.
Viel Erfolg an der Börse
Ihr
Tom Firley
Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Helmut Klotz (11.11. 2009 20:44 Uhr):
Herr Düvel sagt sinngemäß, daß die Ver- änderungen in den Wechelkursen von der Veränderung der Leitzinsdifferenz ausge- löst wird. Nun sind aber seit vielen, vielen Monaten die Leitzinsen unverändert. Was ist jetzt der Auslöser? Und nehmen Sie zB. den Forint. Ungarn war vor einigen Monaten zahlungsunfähig. Die Verschuldung bezogen auf den Bip liegt bei 14 Prozent. Die Wirtschaft liegt danieder. Trotzdem klettert der Kurs des Forint seit Wochen nach oben. Worauf ist dies zurückzuführen?
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