Psychologische Folgen sind das größte Risiko
Profit Radar
vom 27. November 2009, 19:00 Uhr
ENL5454
Wohlgemerkt: Aufgrund der Dubai-Panik war das Handelsvolumen damit sogar ungewöhnlich hoch. Am Vortag lag das Handelsvolumen (mit Amerikanern) nur bei 2,57 Mrd. Euro. Das ist in den internationalen Kapitalmärkten eine ganz kleine Nummer. Und damit ist auch klar: Selbst wenn die arabischen Staatsfonds nur kleine bis mittlere Positionen verkaufen, wird das den deutschen Aktienmarkt unter Druck bringen.
Denn der deutsche Markt ist zu klein, um derartige Verkaufsgrößen aufzunehmen. Aber selbst das wird nur eine kurzfristige Belastung sein. In den USA gibt es heute zwar einen Handel, aber aufgrund des Thanksgiving-Wochenendes wird er sehr dünn und nicht repräsentativ ausfallen.
Erst am Montag und Dienstag werden wir sehen, wie die USA wirklich reagieren. Und ich bin der Meinung, dass diese Story auf der anderen Seite des Ozeans kein großes Thema sein wird. Immerhin sind dann seit der Schockmeldung 4 Tage vergangen und damit ist die Nachricht kalter Kaffee.
Bis auf einige US-Banken sind die arabischen Staatsfonds in den USA wesentlich weniger investiert als in Deutschland. Was passieren kann: Diese Nachricht sorgt dafür, dass Sorgen wieder aufflammen, dass die Finanzkrise eben noch nicht ausgestanden ist (was ich hier ja immer wieder geschrieben habe).
Das hat aber mit der Dubai-Krise an sich nichts zu tun. Denn dabei handelt es sich um ein psychologisches Phänomen, das sowieso wieder aufgetaucht wäre. Dann wäre es eben zu einem späteren Zeitpunkt und mit einem anderen Aufhänger (z.B. einer erneuten Schieflage einer bedeutenden internationalen Finanzinstitution oder erneute hohe Abschreibungen) wieder aufgekommen.
Das diese Sorgen wiederkommen würden, war völlig klar. Denn die Krise ist noch nicht vorbei. Die Frage war nur: Wann und mit welchem Auslöser? Aber das hat nichts mit einem möglichen Dominoeffekt von Dubai oder ähnlichen Panikmachen zu tun. Deshalb sehe ich die Entwicklung in Dubai nicht als besonders besorgniserregend an.
In diesen unsicheren Zeiten wird die Staatengemeinschaft kein Land in den Staatsbankrott schliddern lassen. Daran hat in dieser labilen Lage niemand ein Interesse. Dubai ist zwar im internationalen Wirtschaftsgeflecht eher ein kleines Rad, aber es hat einen großen Namen und großes Prestige. Damit wäre die psychologische Schockwelle definitiv hoch.
Und das will niemand. Ich gehe davon aus, dass der IWF oder die Weltbank mit Krediten einspringen werden, wenn sich Dubai nicht selbst mit den Schuldnern einigen kann. Für den deutschen Markt kann diese Krise noch belastend werden. Vor allem für die Sektoren Bau, Automobil und Banken.
Aber eine Pleite von Dubai halte ich für extrem unwahrscheinlich. Was wir durchaus erleben könnten, sind Verkäufe in kleineren Emerging Markets und risikoreichen Aktien, um eine höhere Risikoprämie einzupreisen. Aber das ist, wie gesagt, eine Entwicklung, die sowieso irgendwann gekommen wäre. Denn nach der Rallye ist eine Korrekturphase überfällig.
Mein Fazit: Es gibt keinen Grund zur Panik, aber das Ereignis zeigt eindrucksvoll, was ich seit Monaten schreibe: Wir sind noch nicht über den Berg. Unsere Taipan-Positionen aus den Emerging Markets könnten kurzfristig in Sippenschaft gezogen werden, aber direkt betroffen sind wir nicht. Denn kleine Schwellenländer oder Emerging Markets-Werte könnten kurzfristig unter Druck kommen.
Aber fundamental ändert diese Entwicklung nichts an den Rahmenbedingungen dieser Unternehmen. Bleiben Sie ruhig und lassen Sie sich von der Panikmache der Medien nicht anstecken. Dies ist ein landespezifisches Problem von Dubai, wo der Immobilienboom außer Kontrolle geraten ist - und nun zahlt das Land dafür die Quittung.
Wirkliche Probleme könnten nur internationale mittelständische Unternehmen bekommen, die aktiv an dem Bauboom in Dubai mitgearbeitet oder diesen besonders stark finanziert haben und nun auf offenen Rechnungen sitzen. Davon haben wir jedoch keine Werte im Depot. Jetzt gilt das Gleiche, was ich Ihnen schon zu Hochzeiten der Finanzkrise 2008/09 schrieb: Die Welt wird nicht untergehen. Bleiben Sie ruhig und gelassen.
Have a good Day
Daniel Wilhelmi
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