Prudential zur Zahlung von 250 Millionen Dollar verurteilt
unserem Korrespondenten Eric Fry an der Wall Street in Investors Daily
vom 21. Oktober 2002 18:00 Uhr
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Der Markt verhält sich wie ein schlechter Ehepartner – er hat die Investoren sehr lange sehr harsch behandelt. Jetzt, plötzlich und unerwartet, schmiegt er sich an. Bitte vergeben Sie mir meinen Zynismus, aber ich fürchte, dass er nichts Gutes vorhat. Vielleicht versucht der Markt durch seine Freundlichkeit, neue Investoren anzuziehen und alte zu halten, um sie danach umso härter zu treffen.
Wie auch immer – er kann charmant sein, wenn er will. Hinter jedem klagenden Rechtsanwalt steht eine Person mit symbolischen Bauchschmerzen – vielleicht legitimen, vielleicht nicht. Eine immer größere Zahl von enttäuschten Investoren steht hinter klagenden Rechtsanwälten ... und nicht alle von ihnen haben legitime Bauchschmerzen. Ist das ein Wunder? Die meisten Klagenden haben jede Menge Geld verloren, und irgendjemand sollte es ihnen besser zurückgeben. Sogar wenn sie kein Geld verloren haben, hätten sie mehr verdienen sollen. Und auch das Geld sollte ihnen besser jemand geben.
Diese Argumentation ist für manche Geschworenen im Land der Klagen (USA) einleuchtend. Wie sonst könnte man erklären, dass die Geschworenen eines Gerichts in Ohio letzte Woche Kunden von Prudential Bache 250 Millionen Dollar zugesprochen haben? "Das ist der höchste Betrag, den jemals individuelle Investoren von einem Brokerhaus eingeklagt haben", so die Financial Times. "Viele sehen dies als Zeichen dafür, dass die Mittelschicht eine Feindschaft gegenüber der Wall Street entwickelt hat, angesichts fallender Aktienkurse und Bilanzskandale."
Welches schändliche Verbrechen gegen die Menschlichkeit hat Prudential Bache eigentlich begangen? Nur das: Einer der Broker der Gesellschaft hat für seine Kunden Aktien verkauft und das freiwerdende Kapital in konservativere Investments wie Geldmarktfonds transferiert. Mit anderen Worten, die Klagenden in diesem Fall verlangten Schadensersatz für Geld, was sie HÄTTEN verdienen sollen.
Es geht um Vorgänge des Herbstes 1998. Als die Aktien zu diesem Zeitpunkt fielen, verkaufte ein Prudential Broker mit Namen Jeffrey Picket für 40 Millionen Dollar Aktien und Aktienfondsanteile seiner Kunden ohne Autorisierung durch diese. Unglücklicherweise stieg der Aktienmarkt unmittelbar nach den Verkäufen wieder an. Mit anderen Worten, die Verkäufe enthielten den Kunden potenzielle Gewinne vor, aber sie verursachten keine Verluste. Sie erhielten nur nicht das, was sie verdient HÄTTEN.
Das Problem mit dem aktuellen Urteilsspruch ist, dass die eventuellen Verluste, die diese Leute HÄTTEN haben können, dadurch ignoriert werden. Schließlich ging es zumindest ab März 2000 fast nur noch bergab.
Die Jury befand stattdessen, dass Prudential "böswillig" gehandelt hatte, als die unautorisierten Trades durchgeführt wurden. Böswillig? Wirklich? Hat Böswilligkeit Picket dazu veranlasst, sichere Investments für seine Kunden zu finden? Es sieht meiner Meinung nach eher danach aus, dass die Klagenden böswillig gehandelt haben.
Wenn irgendeiner der Kläger in den Geldmarktfonds investiert geblieben wäre, die Picket für sie gekauft hatte, dann wären sie sehr viel besser dran, als wenn sie in Aktien investiert geblieben wären. Der S&P 500 steht derzeit 5 % unter dem niedrigsten Niveau vom Herbst 1998. Die Geldmarktfonds jedoch konnten seitdem akkumuliert eine Rendite im zweistelligen Prozentbereich abwerfen.
Während der Spekulationsblase kümmerten sich wenige Investoren um ein vernünftiges Risikomanagement. Die meisten sahen nur die Chancen. Das Ergebnis war, dass Legionen von gierigen Investoren das bekamen, was sie verdienten – große Verluste. Die Kläger von Ohio, die einen Broker verklagen, weil er ihr Vermögen in sichere Anlageformen umschichtete, sind typisch für die meisten Investoren. Sie gingen davon aus, dass man niemals Aktien verkaufen sollte, weil sie langfristig immer steigen würden. Sie wussten auch, dass Aktien, sogar teure Aktien, nicht riskant sind – denn sie sind langfristig die beste Anlageform.
Der letzte und wichtigste Punkt, den sie wussten, war, dass jeder, der an ihren optimistischen Vorhersagen zweifelte, Unrecht hatte. Und er war nicht nur im Unrecht – er verdiente mindestens Verachtung, vielleicht sogar eine Klage. Jeder, der gegen "buy and hold" überbewerteter Aktien argumentierte, verdiente, dass er zumindest gefeuert wurde. Gehängt werden war zu gut für eine solche Person. Verklagen war genau das Richtige.
Mit anderen Worten, eine Nation von Bullen-Investoren schuf sich die Analysten, die zu ihrem eigenen Bild passten. Niemand wagte es, sich gegen die Meinung der Masse zu stellen, außer er wünschte, demnächst nur noch bei McDonald's arbeiten zu können.
Sicherlich verloren auch viele Unschuldige Geld im Markt, obwohl sie ihr Bestes gaben, um vernünftig zu investieren. Aber viel mehr verloren ihr Geld, weil sie ihr Gehirn abschalteten. Um den zu finden, der sie betrogen hat oder auf den falschen Weg gebracht hat, bräuchten sie nur in den Spiegel zu sehen. Nach dem Platzen der Spekulationsblase haben einige Investoren ihre Fehler eingesehen und die Lehren daraus gezogen. Die meisten jedoch bevorzugen es, jemanden rachsüchtig zu verklagen.