Protektionismus ist keine Lösung
Miriam Kraus in Rohstoff Daily zum Thema Rohstoffe
vom 31. Juli 2008, 20:00 Uhr
ENL5462
Da jammern sie über die Rückkehr zur Abschottungspolitik und tun so, als sei das Problem bei den Schwellenländern ansässig, die sich angeblich gegen den freien Handel stemmen.
Doch das Gegenteil ist der Fall! Gerade die Schwellenländer, ganz heiß auf WTO-Beitritte und freien Handel, haben ihre Märkte in den vergangenen Jahren wesentlich stärker geöffnet. In den Industrienationen dagegen ist - wohl aus Angst vor der gelben Gefahr" - eher eine gegenläufige Tendenz zu beobachten.
Ein nettes Beispiel: da wurden Sonderzölle diskutiert, damit die EU nicht mit Importen von chinesischen Schuhen überschwemmt würde. Himmel, wenn die Massenproduktion von Schuhen in Europa nicht funktioniert, dann muss sie eben zur teuren Nischenproduktion werden. Mal abgesehen davon, dass die europäische Massenschuhproduktion sowieso in Asien herstellt. Schlussendlich kann Abschottung nie funktionieren, am Ende wird man sonst immer von den Altlasten der Vergangenheit eingeholt. Der einzig richtige Weg kann hier nur Innovation und Zukunftsdenken heißen.
Aber lassen wir das...zurück zum Thema...zurück zu den bilateralen Verträgen.
Interessant finde ich, dass die westlichen Industrienationen offensichtlich glauben ihre Position bei Verhandlungen über bilaterale Verträge sei allemal besser, als bei den WTO-Verhandlungen. Ich möchte es mal so sagen: Doha hat gezeigt, dass die großen Schwellenländer sich keineswegs in einer schwachen Position befinden und dem Diktat der Industriestaaten gehorchen müssten. Indien und China haben Doha gekippt! Warum sollten sie bei bilateralen Verhandlungen weniger Zähne zeigen?! Bei den hohen Binnen-Wachstumsraten dieser Länder sind sie nicht zwangsläufig auf schlechte Deals mit den Westlern angewiesen. Bessere Deals können sie auch untereinander abmachen. Die USA und auch Europa sollten in der Zukunft womöglich mehr über ihre eigene Position nachdenken.
Aber wer profitiert nun eigentlich vom Scheitern der Doha-Runde?
Nun, zunächst einmal die von Subventionen begünstigten Vertreter der westlichen Agrarwirtschaft. Verstehen Sie mich nicht falsch, ich finde Subventionen nicht grundsätzlich verkehrt. Nur an die richtige Stelle müssen sie fließen.
Wenn aber die US-Ethanolindustrie subventioniert werden muss und schon ein Krieg zwischen jener und den Viehzüchtern über das teure Lebensmittel Mais entsteht, dann frage ich mich weshalb die bei ihren Klimazielen nicht einfach die Schutzzölle für den eigentlich günstigeren und obendrein energieeffizienteren Zucker /Zuckerethanol senken. Na ja, geht mich ja nix an!
Noch ein paar Worte zu den Afrikanern, die auch bei der Doha wieder einmal nicht zu Wort kamen
Zugegebenermaßen etwas belustigt las ich heute in einigen Publikationen, die sich selbst als zum linken politischen Spektrum zugehörig bezeichnen, von großen Jubelschreien ob des unrühmlichen Endes der Doha-Runde. Dort hatte man schon befürchtet, die bösen Kapitalisten der WTO forcierten nur deshalb die Liberalisierung der Märkte um wieder einmal die armen Afrikaner zu benachteiligen.
Ganz im Gegenteil dazu äußerten sich allerdings die Handelsminister von Kenia und Burkina Faso, die extra angereist waren um über ihre Baumwoll- und Bananenexporte zu sprechen und endlich einen stinknormalen, freien und fairen Handel einzufordern. Leider war die Runde beendet, bevor die Minister überhaupt zu Wort gekommen waren. Dementsprechend zeigten sie sich verständlicherweise not amused". Denn gerade die durch die Minister vertretenen Staaten hatten sich viel von der WTO versprochen und davon endlich als richtige Handelspartner wahrgenommen zu werden.
Ich halte es für wesentlich sinnvoller, anstelle von einer verträumten Ideologie, lieber den Menschen Gehör zu schenken für deren Rechte man sich ja offiziell interessiert.
So long liebe Leser...aus diesem Grund fordere ich den Worten des kenianischen Handelsministers Uhuru Kenyatta Gehör zu schenken...ich zitiere Herrn Kenyatta: Afrika muss seine Entwicklung selbst verwirklichen, um sich selbst aus der Armut zu befreien und zwar durch die Einrichtung eines fairen Handels, nicht durch Entwicklungshilfe."
Ihre Miriam Kraus
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