Prometheus oder: Wenn dem Gold Flügel wachsen
unserem Korrespondenten Bill Bonner in Investors Daily
vom 23. September 2005 18:00 Uhr
ENL5462
Gold scheint ein neues und noch aufregenderes Stadium in seinem Bullenmarkt erreicht zu haben.
Sie werden sich vielleicht erinnern; ich habe schon vor sechs Jahren angefangen, die Leser zum Kauf von Gold zu drängen. Damals lag der Preis noch bei unter 300 Dollar pro Unze. Seitdem ist Gold Schritt für Schritt gestiegen, als ginge es eine Treppe hinauf. Ich bin dem Gold gefolgt und habe mein Kaufziel in 25-Dollar-Schritten erhöht. Mein letztes Kaufsziel lag bei 425 Dollar. Aber der Goldpreis, die Dezember Kontrakte, sind am Montag um weitere sieben Dollar gestiegen. Auf über 470 Dollar. Heute habe ich mein Kaufsziel auf 450 Dollar erhöht und hoffe, dass das Metall noch einmal unter dieses Niveau fallen wird, so dass ich mehr kaufen kann.
Warum steigt der Goldpreis? Nun, das große Bild legt nahe, dass das Imperium der Angelsachsen, angeführt von den Briten bis 1917 und seitdem von den Amerikanern, seine besten Zeiten vielleicht hinter sich hat. Es ist heute ein Imperium, das auf Schulden aufgebaut ist. Alle Imperien setzen sich selbst ihre Grenzen. Ein Imperium, das auf Schulden basiert, endet, wenn die Rechnungen fällig werden.
Ich stelle das in eine weiter gefasste Perspektive: 1913 wurde die Zentralbank eingerichtet und gab der zentralen Regierung die Kontrolle über das amerikanische Geld. 1917 führte Woodrow Wilson die Vereinigten Staaten in einen Krieg. Deutschland hatte Großbritannien herausgefordert und zielte darauf ab, die führende Imperialmacht in Europa zu werden. Amerika stellte sich auf die Seite der Briten und übernahm in diesem Prozess die imperiale Vormacht. 1951 führte Harry Truman die amerikanischen Mächte in einen gewaltigen Krieg, in Korea, ohne dass der Kongress den Krieg erklärt hätte. Von da an konnte der imperiale Präsident, wann immer und wo immer er wollte, einen Krieg anfangen. 1971 wurde die letzte Verbindung, die zwischen Gold und der amerikanischen Währung noch bestand, von Richard Nixon getrennt; von da an konnten die Vereinigten Staaten so viele Papierdollar drucken und in Umlauf bringen wie sie wollten, ohne dass sie deswegen etwas zu befürchten gehabt hätten.
Dieses Jahr 1971, ist auch noch in einer weiteren Hinsicht von Bedeutung ... In diesem Jahr nahm das Space Shuttle-Programm seinen Anfang. Seitdem sind 150 Milliarden Dollar im Weltraum verloren gegangen. Die Leser werden nun sagen, dass wertvolle Erfindungen durch dieses Programm entstanden sind. So hat z.B. die NASA Hunderte von Tausenden Dollars für eine dieser Erfindungen ausgegeben, den "Space Pen". Es ist ein erstaunlicher Stift, mit dem man in der Schwerelosigkeit schreiben kann. Er schreibt auf jeder Oberfläche, egal aus welcher Position. Die Russen haben ganz einfach nur Bleistifte benutzt.
Die Zeitungen berichteten Anfang der Woche von einem weiteren Forschungsprogramm. 104 Milliarden Dollar für die weitere Erkundung des Mondes.
"Durch diese Entwicklungen werden uns neue Welten eröffnet, und es wird weitreichende Konsequenzen haben, wenn es darum geht, in der alten Welt aufzuräumen und diese zu bereichern. Es wird nicht nur revolutionär sein, es wird prometheisch", schreibt Rod Martin, nachdem das Programm bekannt gegeben wurde.
Daran habe ich nicht den geringsten Zweifel. Ich erinnere mich dunkel, dass der arme Prometheus auf dem Olymp an einen Felsen gekettet war, wo die Krähen jeden Tag bis in alle Ewigkeit seine Leber aßen.
Präsident Bush verkündete, dass nichts die Ausgaben für New Orleans verhindern könne. Wir werden ausgeben, was immer "nötig ist", sagte er. Nein, wir werden, um das zu bezahlen, die Steuern nicht anheben, fügte er hinzu. Aber woher soll das Geld dann kommen? Oh dummer, dummer Leser! Das müssen Sie noch fragen? Die Nationale Verschuldung liegt bei fast acht Billionen Dollar. Sie ist im vergangenen Jahr mit jedem Tag um weitere 1,54 Milliarden Dollar gestiegen.
Jeden Tag wird in Amerika – sowohl im öffentlichen als auch im privaten Bereich – Geld ausgegeben, immer weiter und weiter und weiter. Gold bietet einen Schutz gegen Eitelkeit, Dummheit, Absurdität und seltsame Ambitionen. Es widersteht Revolutionen, Inflationen und Verschuldungen.
Kriege ... Raumfahrtprogramme ... Sozialversicherungen und Gesundheitsversicherungen ... Fassadenerneuerungen ... der Wiederaufbau von Städten – all das kostet Geld. In der Folge all dieser Programme sind wir Amerikaner an einen Felsen der Schulden gekettet. Zusätzlich zu der nationalen Verschuldung gibt es weitere 35 – 40 Billionen Dollar, die verschiedenen Bundesprogrammen versprochen sind. Und damit sind die privaten Schulden von 25 Billionen Dollar noch nicht erfasst. Und mit jedem Tag, der vergeht, wird das Granit härter, die Amerikaner addieren weitere Schulden hinzu, und weitere Hypothekenschulden, mehr Schulden auf die Kreditkarten und mehr Schulden durch die Aufräumarbeiten nach dem Hurrikan, durch Kriege im Ausland und durch Raumfahrtprogramme.
Ich warte eigentlich nur noch auf die Krähen. Und dann werden dem Gold wirklich Flügel wachsen.
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