Profitieren wir von der Schuldenkrise?
Klaus Buhl in Nebenwerte Daily
vom 6. Februar 2012, 17:00 Uhr
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das war ja mal ein richtiges Winterwochenende – hoffentlich haben Sie sich die Zeit genommen und sich bei einem ausgedehnten Spaziergang erfrischt. Eigentlich sind ja auch die internationalen Börsen schon längst überfällig für eine Abkühlung, wollen diesen Gefallen aber nicht denjenigen Investoren tun, die bisher noch gar nicht oder nur unterinvestiert sind. Dies beschreibt das gegenwärtige Börsenumfeld gut, denn in den vergangenen Tagen wurde jede kleine Kursdelle, die von zittrigen Händen ausgelöst wurde, sofort von den Unterinvestierten gierig gekauft und jede größere Konsolidierung dadurch verhindert. Die schlechten Nachrichten der vergangenen Woche, wie z.B. die mehrheitlich verfehlten Quartalsergebnisse und der unveränderte Kapitaldurst Griechenlands bei gleichzeitigem Stillstand der Verhandlungen bezüglich des Kapitalschnitts, wurden vollkommen ignoriert. Damit hat sich die Stimmung der Börsianer total gewendet, denn noch vor nur wenigen Wochen war es genau umgekehrt. Damals interessierten die positiven und mindestens besser als befürchteten Daten niemanden. Die Masse der Anleger konzentrierte sich fast ausnahmslos auf die schlechten Nachrichten und die von den Medien verkaufte miese Stimmung, während höchstens ein paar ganz hartgesottene institutionelle Investoren versuchten, möglichst weit unten ein paar Sonderangebote einzusammeln. Aber so ist sie nun einmal, die launische Diva namens Börse. In jeder Krise sieht man sich als Anleger veranlasst zu glauben, dass es diesmal ganz bestimmt anders als sonst ist, und das in diesem Börsenzyklus eine rasche Erholung aus bestimmten Gründen völlig undenkbar ist. Diesmal musste natürlich die Schuldenkrise als Hemmschuh für eine Erholung herhalten. Aber nur wenige Woche nach dem mehrfachen Test der Unterstützung von 5.000 Punkten im DAX müssen die Pessimisten erkennen, dass auch heute der Spruch „diesmal ist alles anders“ nach wie vor zu den teuersten Börsenregeln zählt. Dabei hat sich bisher nur erwiesen, dass Börsen regelmäßig zwischen überkauften und überverkauften Zuständen pendeln, was früher ebenso wie heute zutraf. Und dass die Investoren einmal risikofreudiger sind und dann kurze Zeit später wieder jedes kleinstes Risiko scheuen. In der Hdgefonds-Szene wird dieses Verhalten übrigens simpel und treffend als „Risk On and Risk Off“ bezeichnet.
US-Arbeitslosigkeit sinkt
Aber natürlich gab es auch sehr positive Überraschungen wie den US-Arbeitsmarkt, der wie ein Turbo auf die internationalen Indizes wirkte. In den USA ging die Arbeitslosigkeit erneut zurück und die Quote sank überraschend auf 8,3 Prozent. Dies ist der niedrigste Stand seit fast drei Jahren und könnte der Administration von Präsident Obama im Wahlkampf etwas Rückenwind verschaffen. Im Vormonat lag die Quote übrigens noch bei 8,5 Prozent. Insgesamt wurden in diesem Jahr bisher knapp 250.000 neue Jobs geschaffen.
Profitiert Deutschland von der Schuldenkrise ?
Eigentlich vergeht mir ja langsam die Lust, über dieses Thema zu schreiben. Und ich denke, auch bei den meisten Lesern ist der Sättigungsgrad längst erreicht. Auch fühlt es so an, als ob Griechenland sogar längst unser Fernsehprogramm bestimmt. Obwohl gestern Abend Herr Jauch angenehmerweise über ein anderes Thema debattieren ließ. Vielen Dank dafür übrigens von meiner Seite.
Aber diese Meldung ließ mich aufhorchen: angeblich soll nach einer Untersuchung des Kölner Wirtschaftsforschungsinstituts Deutschland von der Schuldenkrise profitieren. Denn selten war es für den Bund so günstig, neue Schulden zu machen. Entsprechend der Berechnungen der Kölner hat der Bund wegen des extrem geringen Zinsniveaus in den vergangenen drei Jahren etwa 45 Milliarden Euro gespart. Während Investoren für die Staatsanleihen der europäischen Wackelkandidaten immer höhere Risikoprämien fordern, gilt Deutschland als sehr sicher und daher beliebt bei den Anlegern. Folglich drückt die hohe Nachfrage nach deutschen Schulden die Zinsen immer weiter nach unten. Bis es sogar vor wenigen Wochen zu dem vielzitierten Novum kam, dass die Bundesrepublik Schulden zu negativen Zinsen ausgab und die Anleger dennoch zugriffen.
Zehnjährige Bundesanleihen notieren heute bei knapp drei Prozent. Müsste der Bund aber die heute emittierten Schulden zu ähnlichen Bedingungen wie vor Ausbruch der Krise verzinsen, würden Mehrkosten von etwa 45 Milliarden auf den Bund zukommen.