Private Equity
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 28. Dezember 2006 07:30 Uhr
ENL5454
Die heißeste neue Geschichte im Kapitalismus ist der Aufstieg der „Private Equity“ (außerbörsliche Unternehmensbeteiligungen). Gruppen reicher Investoren sammeln ihr Geld in einem Pool, leihen sich dazu noch mehr Geld und kaufen Unternehmen. Vor zehn Jahren haben diese Gruppen zusammen nur ungefähr 10 Milliarden ausgemacht, heute liegt die Zahl bei mehr als 300 Milliarden.
Michael Lewis kommentiert:
„Selbst diese gewaltigen Zahlen werden diesem besonderen Ereignis in der Finanzwelt noch nicht gerecht. Private Equity werden nicht ohne einen gewaltigen Berg an Schulden auf den Tisch gebracht – das übliche Verhältnis von Schulden zu Firmenkapital eines Unternehmens, nachdem es von einer Private Equity Firma gekauft wurde, liegt bei zwei zu eins – und damit ist die tatsächliche Kaufkraft in den Händen der Fondsmanager ungefähr dreimal so hoch, wie der Wert dessen, was sie auf ihren Bankkonten haben. Es ist fast so, als habe sich ein gewaltiger und außerordentlich erfolgreicher Aktienmarkt parallel zum alten Aktienmarkt entwickelt.“
Unser Korrespondent aus Australien, Dan Denning, hat folgendes hinzuzufügen:
„Die Technologieblase könnte sich heute als die Kostümprobe einer noch größeren Spekulationsblase und Bedrohung herausstellen.“
„Und das ist der Unterschied zwischen heute und 2000. Sieben Billionen Dollar wurden ausgelöscht, als die Technologieblase platzte, und das bewies, dass es sich größtenteils um fiktiven Wohlstand handelte. Die wirkliche Wirtschaft hat deswegen nicht einen Moment gestockt ... denn das Geld, das die Leute verloren haben, war nicht das Geld, das die Leute wirklich besaßen.“
„Es waren Papiergewinne, die nie wirklich eingelöst wurden und jetzt endgültig verloren waren. Für dieses Geld galt weitestgehend: Wie gewonnen, so zerronnen.“
„Heute ist das ganz anders. Die Leute haben mehr aufs Spiel gesetzt (das Dach über ihren Köpfen), und weniger Spielraum für mögliche Fehler (weniger wahre Vermögenswerte auf ihren Bilanzbögen, mehr Verpflichtungen) und es gibt eine Verbindung zwischen dem Kapitalismus der Private Equity und den Geldbewegungen und dem Immobilienmarkt ... und diese Verbindung ist Verschuldung. Eben diese Schulden sind es, die diese Blase so anders sein lassen und so viel schlimmer als die letzte Blase.“
„Alles das spielt sich auf dem Haushaltsniveau ab. Wenn der Boom der Private Equities anhält (und ich glaube, dass er das tun wird), dann wird er auch einen Berg von Schulden zurücklassen, wenn die Blasen auf Unternehmensebene platzen. Es ist natürlich seltsam, dass etwas so vergängliches wie eine Blase echte Schulden hinterlassen kann. Doch weil die Typen von den Private Equities 40 Cent für die zukünftige Gewinne von 1,20 Dollar bezahlen (und die Differenz mit geliehenem Geld bestreiten), sind die eben privatisierten Unternehmen heute mit Schulden beladen, die sie andernfalls nicht aufgenommen hätten. Das ist, wie aus dem Artikel hervorgeht, keine wirkliche Investition in neue Produktionsgüter. Es sind Schulden, die einfach nur den Transfer der Vermögenswerte eines Unternehmens an einen neuen Besitzer erleichtern.“
„Und wenn all diese schlauen, gut bezahlten und noch besser gekleideten und frisierten Geldmischer es nicht richtig hinbekommen – wenn die Synergieeffekte nicht realisiert werden, die Gewinne nicht optimiert, der Wert nicht entnommen wird – dann hat man es hinterher mit einem Unternehmen zu tun, das schlechtere Leistungen bringt als zuvor, mit gleichzeitig beträchtlichen Verbindlichkeiten und ohne Zugriff auf zusätzliche Kapitalquellen.“
„Und das wird vermutlich der Zeitpunkt sein, zu dem die Typen von den Private Equities versuchen, ihre Unternehmen wieder der leichtgläubigen Öffentlichkeit zufließen zu lassen (wenn sie nicht vorher noch gefeuert werden oder hinter Gittern landen). Aber wer wird die eben erst durcheinander gebrachten, von Schulden geplagten Unternehmen, die dann erst an die Börse gehen, kaufen wollen? Es ist so, als würden die Leute erwarten, dass ein neugeborenes winziges Baby aus dem Mutterleib kommt ... und dann erblicken sie stattdessen Frankensteins Monster ... eine nicht ganz totgeborene Abscheulichkeit unternehmerischer Einzelteile, grob zusammengebaut nachdem man sie zerlegt hatte, die aber dennoch als neues Leben verkauft wird.“
„Einige der Mistkerle werden zahlen. Es gibt immer einen Idioten. Aber etwas an dieser Blase ist anders, und es ist ernst und gefährlich. Zudem erinnert es mich daran, dass Mary Shelly bei Frankenstein eine kluge Feststellung macht: Die Wissenschaft vergisst in ihrer Selbstüberschätzung manchmal, dass es viel gibt, von dem sie nichts weiß. Sie mischt sich in die Gesetze der Natur ein und die Ergebnisse sind ausnahmslos schlecht. Finanzielle Neuerungen haben vielleicht den Punkt erreicht, an dem sie die Institutionen des Kapitalismus so gründlich entstellt haben, dass sie sehr bald eher einem Monster gleichen werden.“
„Wir haben uns daran gewöhnt, dass sich Finanzkrisen ereignen und dass sie mit noch mehr Liquidität gelindert werden können. Die Krise des Peso, die Zahlungsunfähigkeit Russlands, Amaranth ... nichts davon hat das Haus einstürzen lassen. Wir sind mittlerweile unempfindlich oder zu blasiert, wenn es um die wahre Gefahr geht. Die meisten von uns halten es für am gefährlichsten, im Auto zu fahren oder die Straße zu überqueren. Wir werden nicht hungern oder von einem benachbarten Stamm ermordet werden (es sei denn, man ist im Irak) oder zu Opfern der Cholera werden.“
„Wir sind aber natürlich nicht immun gegen die Auswirkungen einer echten finanziellen Pandemie. Und dieser letzte Anfall von Grippe befällt die privaten und öffentlichen Bilanzbögen mit gewaltigen Verbindlichkeiten bei gleichzeitig fallenden Vermögenswerten.“
Es ist die Sorte von Trade, die nur sehr dumme oder unmoralische Menschen machen können. Dummerweise gibt es auf Erden momentan von beiden Sorten sehr viele. Und die meisten davon leben in den besten Wohnungen in Mayfair, Manhattan und Manley Beach ... zumindest noch.“
„Bis heute habe ich nicht wirklich gedacht, dass ich lange genug leben würde, um etwas so unverfrorenes und zerstörerisches wie John Laws Banque Royale und die Mississippispekulation oder die Südseeblase noch zu erleben. Aber ich habe das Gefühl, dass sich genau das gerade vor unseren Augen abspielt: Die größte Blase aller Zeiten“