Private Equity = Wertsteigerung?
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 02. Juli 2007 07:30 Uhr
ENL5454
Ich habe hier - ohne wirkliche Beweise - die Meinung vertreten, dass Private Equity Schwindel ist. D.h. dass die Private-Equity-Unternehmen nicht wirklich „Werte steigern“. Sie kaufen, sie verkaufen ... sie nehmen hohe Gebühren.
Die schmeichelhafte Theorie, die die Private-Equity-Kapitalisten antreibt, besagt, dass sie klüger sind als die meisten Leute. Sie überlisten den öffentlichen Markt, indem sie zu gering bewertete Anlagewerte direkt vor der Nase der Öffentlichkeit kaufen. Und dann tun sie so, als würden sie die Unternehmen völlig neu strukturieren – ganz im Sinne einer inspirierten Vision, die selbst den firmeneigenen Managern völlig fremd ist. Dieser Theorie zufolge ist es eine ganze Menge Geld wert, die Fehler von Mr. Market und Ms. Management auszubügeln – und das ist das Geld, das die Private-Equity-Unternehmen für ihre Mühen bekommen.
Als ich zum ersten Mal davon gehört habe, bin ich davon ausgegangen, dass die beiden Grundannahmen von Private Equity eher auf Eitelkeit als auf der Wirklichkeit aufbauen. In Wirklichkeit haben sie der investierenden Öffentlichkeit ein Schnippchen geschlagen (Was, allem Anschein nach, nicht so schwer zu sein scheint.) Um es kurz zu machen, die Private-Equity-Manager haben von den Dummköpfen gekauft ... und dann wieder an die gleiche Gruppe verkauft (nachdem sie die Vermögenswerte demontiert haben und riesige Schulden haben anlaufen lassen.)
Aber was weiß ich denn schon?
Nun, hier kommen die Beweise.
Der International Herald Tribune hat über die Ergebnisse einer Gruppe mit den größten Geschäften im Bereich von Übernahmen und Aufkäufen während der letzten Jahre berichtet. Nur drei von sieben hatten positive Auswirkungen auf die Firmen, die davon betroffen waren. Unicredit hat Capitalia in diesem Jahr für 30 Milliarden Dollar gekauft. Bislang sind die Aktienkurse um 10% gefallen. AstraZeneca hat Medimmune für 15 Milliarden gekauft, mit dem Erfolg eines Verlustes von 9%.
Wenn man weiter zurück blickt, dann war es ein sehr großes Geschäft, als Daimler 1998 Chrysler für 36 Milliarden Dollar kaufte. Es hat die Firma seither insgesamt 12,6 Milliarden Dollar Marktkapitalisierung gekostet. Und nachdem Glaxo Wellcome SmithKline Beecham 2000 gekauft hat, haben die Aktionäre Verluste von 25% eingesteckt. Und wie sieht es damit aus: Dank der Geschäftemacher hat die Allianz 2001 die Dresdner Bank gekauft. Man musste schon sehr dämlich sein, wenn man in den vergangenen sechs Jahren – während der größten Finanzblase in der Weltgeschichte – kein Geld gemacht hat, doch nachdem diese Zauberer ihre Wunder auf den Zusammenschluss der Firmen hatten wirken lassen, hatten diese 40% ihres Wertes verloren.
In den ersten fünf Monaten des Jahres 2007 haben die Geldmischer 25 Milliarden Dollar verdient, indem sie Geschäfte dieser Art machten. Doch als die Boston Consulting Group die Ergebnisse ähnlicher Transaktionen unter die Lupe nahm – insgesamt 3.200 davon – da stellte sie fest, dass in fast 60% der Fälle die Erträge für die Aktionäre gesunken waren.
Aktivitäten im Bereich der Übernahmen haben sich in der ersten Hälfte dieses Jahres im Vergleich zum gleichen Zeitraum im Vorjahr verdoppelt. Atemberaubende 2,5 Billionen Dollar haben seither die Hände gewechselt. Wie viel davon sind wirklich „Wertzuwächse“? Nicht viel.