Preisziele in P&F Charts: "Horizontal Count"
Alexander Hahn in Investoren Wissen
vom 16. September 2009, 16:00 Uhr
ENL5454
wie Sie sich sicherlich erinnern, ging ich hier bei Investoren Wissen am 27.08.09 auf die Preisziele bei Point& Figure Charts ein. Dieses Thema setze ich heute mit einem Artikel über den sog. „Horizontal Count" weiter fort.
Ein Chart gibt aus P&F-Sicht (P&F = Abkürzung für Point&Figure) immer ein klares Kauf- oder Verkaufssignal für den entsprechenden Basiswert (z.B. eine Aktie, ein Rohstoff, ein Währungspaar, usw...). Dieses können wir in Kombination mit anderen Faktoren zur Berechnung eines groben Preisziels für den weiteren Kursverlauf nutzen.
Hierbei unterscheiden wir zwischen der Berechnungsmethode „Vertical Count" [etwa: vertikales Abzählen] und dem sog. „Horizontal Count" [etwa: horizontales Abzählen]. In der Ausgabe vom 27.08.09 ging ich detailliert auf den Vertical Count und auf dessen Berechnung ein.
Zur Wiederholung:
Während uns der Vertical Count ein Preisziel (beispielweise für eine aus ihrer Konsolidierung ausbrechenden Aktie) nennt, zeigt uns der Horizontal Count wie stark die „Kraft" hinter dem Ausbruch ist. Als Beispiel hatte ich hier auf den Abschuss einer Pistolenkugel verwiesen. Der Vertical Count gibt an, wie weit die Kugel geschätzt fliegen wird; der Horizontal Count gibt an, wie stark die Treibladung, die hinter dem Abschuss steht, ist.
Wie wird ein horizontales Preisziel berechnet?
Betrachten wir zur Veranschaulichung den Chart des amerikanischen ETFs "EEM". Dieser ETF von ishares bildet die Kursbewegungen des MSCI Emerging Markets Index in der Währung US-Dollar 1:1 nach.
Abb.: Aktueller P&F Chart des US-ETFs "EEM"
Berechnung des Horizontal Count:
Achten Sie bitte auf das gelbe Rechteck. Wie Sie sehen, konsolidierte der ETF im Juni und Juli im Bereich zwischen $34 und $31. Ende Juni gelang EEM dann der Ausbruch bei $35. Ein neues Kaufsignal wurde generiert und der Kurs stieg bis auf $38.
Um nun ein horizontales Preisziel zu ermitteln, gehen Sie wie folgt vor:
- Zählen Sie die Anzahl der Säulen am breitesten Punkt der Konsolidierungsformation (in unserem Beispiel innerhalb des gelben Rechtecks). In unserem Fall wären dies 5 Säulen.
- Multiplizieren Sie diese Zahl mit der Anzahl Boxen, die benötigt wird, um ein Reversal im Chart auszulösen (standardmäßig sind dies 3 Boxen in einem P&F-Chart, doch es gibt auch Charts mit anderen Werten, je nach Empfindlichkeit, die Sie einstellen)
- Das Ergebnis wird mit der Boxgröße multipliziert. Bei dem obigen Chart beträgt die Boxgröße eins (die Boxgröße ist nichts anderes als die Skalierung des Charts).
- Addieren Sie das Ergebnis der Multiplikation zu dem niedrigsten Kurswert der Formation (in unserem Beispiel $31)
- Das Ergebnis ist der Horizontal Count
Zur Verdeutlichung rechne ich Ihnen noch einmal den Horizontal Count für EEM vor:
5 * 3 * 1 = 15
$31 + $15 = $46
Somit beträgt der Horizontal Count für EEM $46.
Übung macht den Meister:
Zur weiteren Vertiefung und Selbstkontrolle habe ich eine kleine Übungsaufgabe zum Horizontal Count für Sie erstellt:
Wie groß ist der Horizontal Count des Kurses von Bank of America (BAC) im folgenden Chart? (Nutzen Sie das gelb umrandeten Rechteck zur Berechnung)
Abb.: Aktueller P&F Chart zu "Bank of America"
Lösung:
Der Horizontal Count für BAC beträgt $21.5, denn es gilt:
7 (Anzahl der Säulen am breitesten Punkt) * 3 * 0.5 (Boxengröße) = 10.5
$11 (niedrigster Kurswert der Formation ) + $10.5 (obiges Ergebnis) = $21.5
Preisziele sind nützlich, aber...
Die Preisziele, die Sie unter Zuhilfenahme des Vertical und des Horizontal Counts errechnen können, sind gute Indizien für den möglichen, weiteren Chartverlauf. Sehen Sie die errechneten Preisziele aber bitte als i-Tüpfelchen Ihrer vorangegangenen Analyse eines entsprechenden Werts an. Denken Sie immer daran, dass Kursziele nie einen Absolutheitsanspruch haben und es kein Gesetz gibt, was den Markt zwingt, genau nach diesen Rechenformeln zu verfahren.
Beste Grüße,
Alexander Hahn
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Rainer Wönkhaus (16.09. 2009 17:08 Uhr):
Sehr geehrter Herr Hahn, das war wieder ein sehr guter Beitrag. Vielleicht könnten Sie sich in Zukunft auf diese Art von Beiträgen beschränken, anstatt immer wieder auf negative Nachrichten und Berichterstattungen hinzuweisen. Sie mögen sicher in der Sache Recht haben, aber es ist frustrierend, immer wieder an diese Dinge erinnert zu werden. Sie sollte dies in Zukunft auf ein geringeres Maß beschränken. Nehmen Sie sich ein Beispiel an Ihrem Kollegen Tom Firley. Mit freundlichen Grüßen Rainer Wönkhaus
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