Praktischer Handel: Worauf zu achten ist
Andreas Wolf in DAX Daily
vom 9. April 2009, 08:00 Uhr
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Liebe DaxDaily Leser,
in den vergangenen Ausgaben habe ich mehrfach auf die sehr schwankungsanfälligen US-Futures hingewiesen, die den DAX in Baisse-Zeiten noch viel stärker beeinflussen als in stabilen Aufwärtstrends. Der Mittwoch zeigte einmal mehr, wie wichtig der Blick auf diesen einen Indikator zur Einschätzung des Marktes ist. Es gibt aber noch eine Reihe anderer Faktoren, auf die Anleger bei der Auswahl eines günstigen Einstiegszeitpunktes für eine Positionierung achten sollten. Zunächst einmal sollte die in Erwägung gezogene Positionierung auf ihre saisonale Verträglichkeit geprüft werden. Zyklische Aktie werden ganz gerne, wie aktuell zu beobachten, im Frühjahr gehandelt, da die Nachrichtenlage noch viel mit Hoffnung bestückt ist. Je weiter das Jahr in seinem Verlauf fortgeschritten ist, desto eher werden, auch in Hausse-Zeiten, konservativere Aktie wie Versorger oder Nahrungsmittelaktien bevorzugt. Als selbstverständlich muss gelten, dass eine Positionierung gegen den vorherrschenden, mittel- bis langfristigen Trend nur für sehr schnell reagierende Investoren zu empfehlen ist. Außerdem sollte die Verfassung des Rentenmarkts als Gegenspieler zu den Aktienmärkten im Auge behalten werden. Der Talfahrt der Aktienmärkte im vergangenen Jahr stand nicht umsonst die Rallye am Rentenmarkt gegenüber. Das war in der Endphase der Aktienmarktrallye im Jahr 2007 nicht so, denn in dieser Phase stiegen fast alle Märkte, auch Rohstoffe, einheitlich an. Generell ist anzumerken, dass der Blick auf „klassische Börsenregeln" kritisch sein muss. Denn wenn sich die Mehrheit der Marktteilnehmer nach den gleichen Weisheiten richtet, verlieren sie am Ende ihre Wirkungskraft.
Stimmungsindikatoren individuell betrachten
Ein Warnzeichen für Anleger sollten die sogenannten Stimmungsindikatoren sein. Es gibt zwar professionelle Erhebungen von diversen Marktforschern, am besten lässt sich eine Einschätzung aber nach individuellen Kriterien vornehmen. Wenn die meisten Informations- und Börsendienste sprachlich in dasselbe Horn blasen, sich langsam auch Boulevardmedien wieder einmal mit der Börse beschäftigen, ist ein Wendepunkt meistens nicht mehr weit. Und auch wenn Analystenkommentare nach dem Debakel der Branche während der Internetkrise um die Jahrtausendwende mittlerweile nicht mehr soviel Beachtung finden, so können sie auch sehr gut als Indikation für die nähere Zukunft dienen. Wurde vor dem Crash des vergangenen Jahres kaum ein Kursziel nach unten angepasst und eine nachhaltige Verkaufsempfehlung ausgesprochen, findet nun ein Wettbewerb um die Rücknahme der Kursziele statt. Selten richtet sich die Börse aber nach den Ist-Ergebnissen des laufenden Quartals, sondern fast immer nach den Vielleicht-Ergebnissen des kommenden Vierteljahres. Nur wer also eine Fundamental-Kaufentscheidung für mehrere Jahre trifft, dürfte mit Analysteneinschätzungen etwas anfangen können.
Währungen und Rohstoffe messen zusätzlichen Unsicherheitsgrad an den Aktienmärkten
Neben dem bereits auch mehrfach erwähnten VDAX, der die Höhe der Schwankungen des DAX in den kommenden 30 Tagen in Prozent angibt, sollte vor einem Investment auch ein Blick auf die Situation von Währungen und Rohstoffen nicht ausbleiben. Gerade im ersten Halbjahr 2008 haben heftige Schwankungen beider Anlageklassen für eine zunehmende Nervosität an den Aktienmärkten gesorgt. Sowohl Währungen als auch Rohstoffe wechseln zwischen längeren Phasen weniger heftiger Aktivität und plötzlich auftretenden, stärkeren Kursbewegungen. Meistens zeichnen sich größere Schwankungen aber schon im Vorfeld ab, denn wenn sich die Nachrichtenlage lange an Öl- oder Goldpreisen bzw. Wechselkursen orientiert, sind Verwerfungen an den Aktienmärkten nicht mehr weit . Je weniger äußere Faktoren auf die Preisbildung an den Aktienmärkten einwirken (zum Beispiel Kriegsgefahr, instabile Regierungen), desto stabiler verläuft der vorherrschende Trend an den Börsen.
Technische Indikation unverzichtbar
Um den Einstiegszeitpunkt nicht nur dem Zufall zu überlassen, bietet die Technische Analyse die richtigen Hilfsmittel. Am Anlagezeitraum orientiert sich der Einsatz verschiedener Indikatoren wie MACD, RSI, Momentum oder Stochastik. Wie eingangs schon erwähnt sind Trendlinien, Verläufe der kurz- bis mittelfristigen gleitenden Durchschnittslinien und möglicherweise ausgebildet Chart-Formationen (wie z.B. Schulter-Kopf-Schulter) bei der Wahl des Investitionszeitpunktes zu berücksichtigen. Um aus der Kombination verschiedener technischer Indikatoren ein brauchbares Bild zu erhalten, muss allerdings auch ein gewisses Maß an Handelserfahrung vorhanden sein, denn manche Kombinationen erscheinen auf den ersten Blick stabiler, als sie am Ende sind. Je größer und bekannter ein Basiswert am Markt ist und je offensichtlicher so manche Formation sich darstellt, desto unwahrscheinlicher wird eine Auflösung in die erwartete Richtung. Der bereits entstandene Herdentrieb verhindert in der Regel eine Fortsetzung des bestehenden Trends. Stärkere Kursbewegungen entstehen heutzutage aus vermeintlich unscheinbaren Kerzenformationen, die sich kaum noch in irgendwelchen Trader-Büchern finden. So hat die Mehrzahl der Investoren wohl zur Handelseröffnung am Mittwoch auch kaum auf einen freundlichen Handelsverlauf beim DAX gesetzt. Die technische Analyse ist wie auch andere Analysemethoden von Fehlern nicht frei, vor allem weil sie von Menschen interpretiert wird, aber sie kann die Anzahl der Fehlinvestitionen verringern helfen.
