Präsident Obama - Idealer Kurzfrist-Trader? (Teil 2)
Alexander Hahn in Investoren Wissen
vom 5. Februar 2009, 16:00 Uhr
ENL5454
(Fortsetzung des Gast-Artikels vom Dienstag)
Sagen wir, Sie kaufen 10.000 Anteile der XYZ AG für 75 USD die Aktie. Das ist eine Menge Geld für die Meisten von uns. Wenn XYZ eine Woche direkt nach dem Kauf auf 69 USD fallen würde, hätten Sie einen Buchverlust von 60.000 USD.
Wie würden Sie sich fühlen? Es mag dazu führen, dass Sie sich an den Kauf Ihres letzten Autos erinnern und diesen doch nicht mehr so günstig finden. Vielleicht führt es dazu, dass Sie sich zwei Mal überlegen, ob Ihre Kinder auf eine private Schule gehen werden. Sie mögen sich vielleicht auch fragen, warum Ihre Frau gerade dort drüben sitzt und Rabattcoupons aus der Sonntagszeitung ausschneidet.
Um es kurz zu machen, vielleicht sind Sie aufgewühlt, nervös oder wütend. Sechzigtausend Dollar in einer Woche verschwinden zu sehen... das ist eine Menge Geld.
Aber zunächst einmal, Sie haben gar nichts verloren, so lange Sie nicht in Panik verfallen und verkaufen. Letztlich ist die Aktie gerade einmal 8% gefallen.
Eine Person mit nervösem Temperament jedoch beginnt sich sofort alle möglichen negativen Möglichkeiten auszumalen. Die Aktie kommt vielleicht nie wieder auf die alten Level zurück. Der Markt kommt vielleicht nie wieder zurück. Die Firma hat vielleicht schlechte Fundamentaldaten (Und in der Tat mag sie die haben, aber das ist etwas, was Sie vorher überprüfen sollten und nicht erst nach dem Kauf der Aktie).
Wenn Sie eine einzelne Aktie für 75 US-Dollar gekauft hätten und den gleichen Rückgang erleben würden, dann, schätze ich, wäre Ihre Reaktion etwas anders (etwa: "Was gibt es heute Abend zu essen?").
Warum ist Ihre Reaktion diesmal anders? Letztlich ist doch der prozentuale Verlust identisch.
Der Unterschied - aufgrund der Menge des eingesetzten Geldes - liegt in der Reaktion Ihres Nervensystems auf die Neuigkeiten. Und wenn Ihre nächste Entscheidung durch Emotionen bestimmt wird, sind die Chancen hoch, dass Sie diese bereuen werden.
Ein Trader mit gutem Temperament betrachtet alles pragmatisch, realistisch und emotionslos.
Er erinnert sich daran, dass Aktien selten in einer direkten Linie sich nach oben bewegen. Er ruft sich immer wieder ins Gedächtnis, dass es oftmals keine Korrelation zwischen den kurzfristigen Fluktuationen einer Aktie und dem zugrundeliegenden Geschäftsmodell gibt. Er weiß, dass Bärenmärkte manchmal wild und gnadenlos sind und nutzt daher Trailing-Stops um sein eingesetztes Kapital und seine Profite zu schützen. Und er versteht, dass Investoren, welche sich an eine bewährte Disziplin halten, anstatt all die verschiedenen Arten sich auszumalen, wie der Himmel auf die Erde fallen könnte, langfristig besser fahren.
Um es kurz zu machen: Ein starker Magen, nicht ein großes Gehirn, ist es, was einen erfolgreichen Trader ausmacht. Und meine Wette ist, dass Präsident Obama ein guter Trader wäre.
Aber nun hoffe ich erst einmal, dass er sich an seinen jetztigen Job hält.
Gutes Investieren,
Alexander Green
KOMMENTAR ZUM ARTIKEL VON HERR GREEN:
Hier gibt es meinerseits nicht viel hinzuzufügen. Herr Green spricht eine Reihe von zentralen Punkten an, die für erfolgreiches Trading wichtig sind. Besonders gut finde ich hierbei den Hinweis darauf, dass Trading keine Frage der akademischen Intelligenz ist sondern der nervlichen Belastbarkeit. Ob Herr Obama sich hierfür eignet, vermag ich aus verschiedenen Gründen nicht zu beurteilen.