Positive Überraschung ALCOA
Michael Vaupel in Traders Daily
vom 8. Oktober 2009, 12:00 Uhr
ENL5454
*** Großes Thema an den Märkten weltweit heute:
Der Beginn der amerikanischen „earnings season" - Verkündigung nicht der frohen Botschaft, sondern der neuen Quartalszahlen.
Das bedeutet: In den nächsten Tagen und Wochen wird es an den Aktienmärkten verstärkt den „Glücksfaktor" Quartalszahlen geben.
Es wird negative und positive Überraschungen geben, mit entsprechenden Beeinflussungen des Gesamtmarktes (Dow Jones, Nasdaq, DAX...)
Zu Beginn gab es eine positive Überraschung - entsprechend steigen gerade die Kurse weltweit.
Es ging nämlich gestern Abend los mit einem Schwergewicht namens Alcoa - seines Zeichens weltgrößter Aluminium-Hersteller (auch ein schöner Beruf) und als solcher ein wichtiger Indikator für den Zustand der „Real-Wirtschaft".
Und gepriesen sei Alcoa:
Nach drei Quartalen mit Verlusten - im Vorquartal waren es minus 454 Mio. Dollar bzw. minus 57 Cents je Aktie - konnte das Management nun schwarze Zahlen vermelden.
Unter dem Strich blieb ein Nettogewinn von 77 Mio. Dollar oder 8 Cents je Aktie. Das war nicht nur eine deutliche Verbesserung, sondern lag auch deutlich über den Erwartungen der Analystenzunft, welche im Durchschnitt mit einem Verlust pro Aktie von 9 Cents gerechnet hatte.
Fazit: „Besser als erwartet" - und Pawlowscher-Reflex-mäßig lässt dies die Massen Aktien kaufen.
*** Meine Einschätzung:
1. Konkret in Bezug auf Alcoa.
Da würde ich Alcoa trotz der guten Zahlen derzeit ganz bestimmt nicht kaufen. Begründung - ich zitiere aus meinem aktuellen Rohstoff Signale-Strategiepapier: „Die weltweite Nachfrage nach Aluminium ist zwischen Januar und August um 17% gesunken - gleichzeitig ist das Angebot gestiegen."
So etwas ist tendenziell preisdrückend, und deshalb halte ich einen im laufenden Quartal zurückgehenden Aluminiumpreis für durchaus wahrscheinlich. Natürlich nicht gut für einen Produzenten von Aluminium. Zudem betont selbst der Vorstandsvorsitzende von Alcoa (Klaus Kleinfeld, kennen wir doch - genau, bis 2007 war er bei Siemens) das Risiko steigender Energiepreise. Und die Aluminiumherstellung ist SEHR energieintensiv.
2. Gesamtmarkt (Aktien)
Bei DAX, Nasdaq und DAX bin ich überhaupt nicht investiert. Wenn ich es wäre, würde ich solche festen Tage wie heute zum Ausstieg nutzen. (Und wenn Sie unbedingt diese Bereiche abdecken möchten, dann ein bisschen traden und bei einer „negativen Überraschung" eines anderen Schwergewichts in fallende Kurse hinein zurückkaufen und die Differenz einstreichen.)
Ansonsten bleibe ich derzeit dabei: Bei Rohstoffen long, insbesondere die Edelmetalle haben in den letzten Wochen viel Freude bereitet. Für die nächsten Wochen gehört Mais zu meinen Favoriten. Und statt Alcoa zu kaufen könnte vielmehr ein Short-Zertifikat auf Aluminium interessant sein (das verwandelt einen fallenden Aluminiumpreis in Gewinne).
Mit herzlichem Gruß,
Ihr
Michael Vaupel
PostScriptum: Da ich morgen ganztägig bei einer Verlagsveranstaltung bin, fällt mein Beitrag hier im Trader´s Daily aus. Bis Montag dann!