Portugal, Irland, Italien, Ungarn…
Henrik Voigt in DAX Daily
vom 9. Februar 2012, 08:30 Uhr
ENL5454
während fast täglich Meldungen über eine angeblich gefundene Lösung" für Griechenland in den Medien die Runde machen (die ebenso oft wieder kassiert werden), steht mit Portugal bereits er nächste Pleitekandidat in den Startlöchern. Zinsen um die 19 % für portugiesische Staatsanleihen zeigen deutlich, wohin die Reise mittelfristig gehen wird. Solche Zinslasten kann auf Dauer kein Land tragen. Die Aufkäufe der EZB bleiben in diesem Fall offenbar wirkungslos. Vielleicht werden aber auch bewusst die kleineren Volkswirtschaften Europas bereits fallen gelassen, weil das Geld ohnehin nicht einmal für die Stützung der großen Staaten wie Italien oder Spanien reicht.
Inzwischen wird gemeldet, dass die portugiesische Regierung Berater bezüglich eines Schuldenschnitts konsultiert haben soll und es wachsen die Befürchtungen, das Rettungspaket für Portugal im Wert von 78 Milliarden Euro sei für 2012 nicht mehr ausreichend. Die Investoren gehen bereits von einer 70-prozentigen Wahrscheinlichkeit einer Pleite Portugals aus. Das griechische Beispiel wird hier Schule machen. Und Portugal wird wohl nicht das letzte Euroland sein, was eines Tages sagt: Nö, zahlen wir nicht mehr zurück."
Hier einige Stimmen aus der Presse zur Situation:
Investoren verlieren zunehmend das Vertrauen in die Bonität Portugals. Die Renditen für 10-jährige Staatsanleihen notieren auf Rekordhoch (14,61 Prozent). 5-jährige Papiere rentieren sogar mit über 19 Prozent. Nach Angaben eines Händlers kauft die EZB zur Stabilisierung portugiesische Staatsanleihen.
Der Chef des portugiesischen Industrieverbandes, Antonio Saraiva, fordert weitere Mittel für das hochverschuldete Land aus dem Rettungspaket von EU und IWF. "Es fehlen 30 Milliarden Euro", sagte er zu Reuters. "Ich wage zu sagen, dass wir eine Kreditklemme haben", ergänzt er.
Das Institut für Weltwirtschaft (IfW) geht davon aus, dass Irland, Italien und Ungarn einem Schuldenschnitt nur entgehen können, wenn sie eine hohe gesamtwirtschaftliche Wachstumsrate erzielen. Die Ökonomen gehen im Fall Portugals davon aus, dass ein Schuldenschnitt um 30-50 Prozent unausweichlich ist.
EU-Währungskommissar Olli Rehn schließt eine Beteiligung des privaten Sektors an einem Schuldenschnitt eines anderen Eurolands aus. Griechenland bleibt Einzelfall. Verhandlungen zwischen Griechenland und den privaten Gläubigern kurz vor dem Abschluss.
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Immerhin ist Portugal bis 2014 durchfinanziert. Akut ist das Problem also noch nicht. Gelöst aber auch nicht. Es wird uns also noch einige Jahre begleiten. Wie auch die restlichen 10 Billionen Dollar (kein Druckfehler), die die OECD-Staaten angehäuft haben und von denen in diesem Jahr ein erheblicher Teil zur Restrukturierung ansteht.
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Hartmut Fischer (09.02. 2012 11:59 Uhr):
Das Schuldenproblem und die "Rettungsversuche" durch Gelddruckerei und somit weitere Verschuldung wird uns so lange "begleiten", bis eine Endabrechnug mit Währungsreform und den damit zu realisierenden Enteignungen der Bürger unvermeidlich wird. Der Endeffekt ist ein Transfer in Billionenhöhe aus im wesentlichen Deutschland zu unseren Paras... - äh Partnern, der allerdings weitestgehend schon stattgefunden hat und dessen Verschleierung das ganze Euro-Affentheater einzig dient. Mal sehen, was passiert, wenn die Deutschen das realisieren. Es lebe der real existierende demokratische Sozialismus des Euro-Systems und der PIIGS !
Antworten - Kommentar von Albert Karl (09.02. 2012 12:01 Uhr):
Ich wiederhole nochmals meine Frage: Warum gewähren die Notenbanken bzw. EZB diesen Schwachländern nicht direkt das zur Stabilisierung des Landes nötige Geld mit einem Zinssatz zu 1%, wie man es ja auch den Banken in den Rachen wirft, demit die ihre Bilanzen besser ausweisen können? Ein Zweites: Es ist doch nicht einzusehen, dass wir Steuerzahler auch hier u.U. wieder zur Kasse gebeten werden, während die spekulativ getriebenen Renditen für 10-jährige Staatsanleihen auf Rekordhoch mit 15 Prozent notieren. Hier sind eindeutig und ausschließlich die Banken gefordert, diese Mittel zu überlebensfähigen Zinsen zur Verfügung zu stellen.
Antworten- Antwort von Hartmut Fischer (10.02. 2012 08:52 Uhr):
Dies ist der EZB zwecks Garantie "freier" Finanzmärkte verboten, dient aber aufgrund der inzwischen im Rahmen der "Finanzkrise" stattgefundenen umfassenden Vertrags -und Rechtsbrüche einschließlich unseres Grundgesetzes (Verbot der Subventionierung fremder Staaten) lediglich noch zur Aufrechterhaltung des Scheins. (Notenbanken sind allerdings ohnehin finanzielle Zentralverwaltungsbürokratien und damit marktwidrige Institutionen mit den entsprechenden Ergebnissen) Faktisch leben wir aufgrund der Verschuldungsorgien unserer politischen Systeme schon seit längerem in einer Banken- und Eurosozialistischen Finanz- und Schuldendiktatur, und das wird sich kaum jemals noch ändern, da wir alle zur Lösung unserer Probleme immer nach dem Staat rufen. Es lebe der "demokratische" Sozialismus!
- Antwort von Hartmut Fischer (10.02. 2012 08:52 Uhr):