Populistische, aber wirtschaftlich schädliche Maßnahmen der US-Administration
Sean Corrigan in Investors Daily
vom 04. September 2003 18:00 Uhr
ENL5454
"Politiker und Lobbyisten, die die Interessen der amerikanischen Arbeiter in einigen Industriezweigen vertreten, haben versucht, die Aufmerksamkeit der Präsidentschaftskandidaten auf die chinesische Währung zu lenken."
"Ihr Argument ist – China hat den Yuan manipuliert, um in niedrig bewertet zu halten. Chinas Ziel sei angeblich, den chinesischen Exporteuren zu helfen, deren billige Produkte viele amerikanische Arbeiter arbeitslos gemacht haben. Die Kritiker, die glauben, dass China den Wert des Yuan manipuliert, nehmen an, dass jede Währung der Welt frei am Markt floaten sollte, (aber) diese Annahme selbst ist porös."
- China Daily Editorial -
Am Dienstag zeigte sich US-Präsident Bush, Gottes gesalbter Verteidiger der Zivilisation, in einer schamlosen Propaganda-Pose: Er sprach vor Industriearbeiten im Mittleren Westen – mit einer Gewerkschaftsmütze auf dem Kopf und einer Bomberjacke. Währenddessen weilte sein Finanzminister John Snow in China, und dort provozierte er hochgezogene Augenbrauen, als er mit seinen asiatischen Gastgebern über den Wert ihrer Währungen sprach. Gähn ...
Haben wir das alles nicht schon vorher einmal gesehen? Das ist derselbe alte Protektionismus, auf den politisch fähige, aber wirtschaftlich unwissende und moralisch bankrotte Bürokraten normalerweise zurückgreifen, wenn es im eigenen Land Probleme gibt.
Derselbe weinerliche Ton findet sich auch in einem Artikel der Washington Post, wo die Tatsache beklagt wird, dass die Regierungen der Welt nicht bereitwillig ihre Söhne in den Nach-Eroberungs-Irak schicken wollen. Nun, "quelle surprise!" wie diese französischen Feinde der Freiheit sagen würden.
Die Implikationen dieser neuen erhöhten Betonung der Ausländer durch die US-Administration könnten weitreichend sein.
Zunächst einmal gibt es nichts, das sowohl für die wirtschaftliche Erholung als auch für die persönliche Freiheit so nachteilig ist wie die Doktrin, die Bush mit diesen Worten zusammengefasst hat: "Wir haben eine Verantwortung dafür, dass sich die Regierung bewegen muss, wenn jemand einen Schaden erleidet."
Eine feine Aussage, kein Zweifel. Aber in der Praxis bedeutet das, dass man von den Erfolgreichen Geld nimmt und das unter den Verlierern verteilt, und zwar immer mit einem Ohr darauf gerichtet, wir den größten politischen Lärm macht. Welche kurzfristigen Effekte protektionistische Maßnahmen auch bringen – man kann sicher sein, dass sie langfristig sowohl für private Unternehmen als auch für privates Kapital von Nachteil sein werden.
So wie die ausgabefreudigen Könige des Mittelalters die venezianischen Banker oder die jüdischen Geldverleiher für ihre eigenen Fehler verantwortlich machten, so bestehen jetzt internationale Bedenken, dass die größten Gläubiger Amerikas bei den amerikanischen Wahlen keine Stimme haben. Seitdem die Spekulationsblase im Jahr 1995 begann sind insgesamt fast 4,1 Billionen Dollar in die USA geflossen. Das sind fast 70 % der 6 Billionen Dollar, die in den letzten 50 Jahren in die USA geflossen sind – eine Tatsache, die die Finanzminister und Investment-Komitees rund um die Welt einen Moment nachdenken lassen sollte.
Wir sind konfrontiert mit der Aussicht auf Handelsbarrieren, die vom größten Markt der Welt – gleichzeitig dem weltweit größten Schuldner – errichtet werden. Da die internationalen Beziehungen wegen des kriegerischen Attitüde der derzeitigen US-Administration schon stark strapaziert sind, gibt es die klare Gefahr, dass eine Serie von eskalierenden Handelsstreitigkeiten den "Freihandel" beseitigen könnte, um existierende finanzielle Bürden, die durch das Platzen der Blase verursacht wurden, scheinbar bewältigen zu können. Es sollte erkannt werden, dass das ein Schlüsselfehler unter einer ganzen Reihe von politischen Fehlern war, die zum Börsencrash von 1929 und der Weltwirtschaftskrise führten.
Wenn die USA deutlich über ihre Verhältnisse leben, dann werden sie vielleicht eine größere Anpassung ihrer Währung erhalten, als sie gerade erhandeln wollen. Viele im Westen – nicht nur in den USA – haben lange zu gut auf Kosten von einfach neu gedrucktem Geld gelebt. Wir werden alle entweder heldenhafte Produktionsbemühungen durchführen müssen, um die Balance wiederherzustellen, oder wir werden erkennen müssen, dass wir nicht so reich sind, wie wir derzeit glauben. Eine drastische Anpassung der Währungsparitäten könnte ein Teil davon sein.
Allerdings: Wenn eine größere Korrektur des US-Dollar plötzlich stattfindet und sie nicht durch größere Sparsamkeit in den USA selbst zusammenfällt – was leider der Fall sein wird –, dann werden die Importpreise deutlich steigen und die Kurse am Anleihenmarkt werden weiter fallen. Die Ausländer, die ihr Kapital aus den USA abziehen und es zurück nach Hause bringen, werden Salz in die Wunden reiben, die der eigenen Dummheit der Fed zu verdanken sind.
Es ist schwer, die Risiken zu übertreiben, die mit einem Anwachsen der politischen Xenophobie Hand in Hand gehen werden. Es ist ziemlich unwahrscheinlich, dass Alan Greenspan das tun wird, was man unter diesen Umständen tun sollte; nämlich das notwendige Abführmittel zu geben, damit das Gift so schnell wie möglich ausgeschieden wird. Stattdessen wird er weiterhin den Markt bekämpfen, indem er die Kreditexpansion fortführen wird, und wir werden deshalb mit der realen Gefahr einer vernichtenden galoppierenden Inflation konfrontiert werden.