Popcornsaison
unserem Korrespondenten Bill Bonner in Investors Daily
vom 19. Januar 2006 18:00 Uhr
ENL5454
*** Argentinien ist nach den USA der wichtigste Maisexporteur und der drittwichtigste Sojaexporteur. Wenn die Dürreperiode der letzten Zeit in Argentinien weiter andauert, erklärt Rohstoffexperte Kevin Kerr, dann wird eine Rally bei Getreide immer wahrscheinlicher. Allein auf der Basis von Angst.
"Der Regen hat nicht ausgereicht, um die Ernten in Südamerika davor zu schützen, ernstlich davon betroffen zu sein", fährt Kerr fort. " Manche Experten gehen davon aus, dass die Anbauregionen in Argentinien in den vergangenen Monaten nur ein Drittel des üblichen Niederschlags erhalten haben."
"In Argentinien rechnet man für dieses Jahr mit einer Produktion von 17,3 Millionen Tonnen Mais. Das ist laut Bloomberg ein Rückgang um 11 %."
"Meine Quellen in den Gräben an Chicagos Börse werden zunehmend bullish. Und sie sagen, dass auch die Manager der Hedge Fonds und die großen Spekulanten angefangen haben, bullish auf Mais zu reagieren. Ich habe in meinem eigenen Newsletter schon oft erwähnt, dass einer der neuen Faktoren, die die Nachfrage nach Mais beeinflussen, Ethanol auf Maisbasis ist. Die Futures auf dieses Ethanol sind seit ihrer Einführung im März an der Handelsbörse in Chicago um 69 % gestiegen."
*** Ich habe mein Appartement in Paris aufgegeben. Es machte einfach keinen Sinn, weiter die Miete in einer Stadt zu bezahlen, wenn man in einer anderen Stadt lebt. Also bin ich am Abend meines letzten Aufenthalts in Paris nicht nach Hause gefahren, sondern habe die Nacht in einer kleinen Mietwohnung im Herzen des Quartier Latin verbracht. Wie sehr hätte ich diese Wohnung vor 20 oder 30 Jahren geliebt.
Wenn ich sie mir damals nur hätte leisten können. Das Apartment liegt nur wenige Schritte entfernt von der Pont des Arts. Auf der gegenüberliegenden Seite des Flusses ist der Louvre. Es ist die Sorte von romantischem Fleckchen Erde, von dem viele Leute träumen, mit Balken an den Decken und einem altertümlichen, gemauerten Kamin. Ich habe selber davon geträumt ... von den Cafés und Brasserien ... den Spaziergängen entlang der Seine ...
... aber jetzt scheint die Romantik verloren. Mir fällt auf, dass die Farbe von den Wänden platzt, dass sich jemand um die Sanitärinstallationen kümmern sollte und dass auf dem Teppich Flecken sind. "Wir sollten die Wohnung loswerden", sage ich zu meiner Frau Elizabeth.
Kurz darauf spazierte ich durch London. Ich kam an dem Harley Davidson Händler in der Fulham Road vorbei. Ich wurde von dem glitzernden Chrom angezogen wie ein Kätzchen von einer Schüssel Milch. Vor vielen Jahren besaß ich ein Motorrad – eine BSA. Den meisten Lesern wird dieser Name nichts mehr sagen. BSA war ein Motorrad, das in Großbritannien hergestellt wurde und das jetzt schon seit bestimmt Jahrzehnten nicht mehr gebaut wird. So viele Jahre lang – vermutlich von 19 bis 39 – habe ich davon geträumt, eine Harley zukaufen, konnte es mir aber nie leisten. Mir gefiel ganz einfach die Vorstellung mit einem solchen großen Bike durch die Gegend zu fahren, den Wind in den Haaren, die Fliegen zwischen den Zähnen.
Heute könnte ich mir jedes der angebotenen Motorräder leisten. Aber der Reiz ist nicht mehr da. Ich denke an das kalte Wetter, den feuchten Sitz ... und die idiotischen Autofahrer. Und von Wind in den Haaren kann auch nicht mehr die Rede sein!
Ich erinnere mich an meine alte Tante Jaqueline. Ihr Leben lang hat sie davon geträumt, in Frankreich zu leben, in dem Land ihrer Vorfahren. Sie saß auf der Veranda ihres Hauses in Maryland, blickte über die Tabakfelder und erzählte mir von ihren Besuchen in Frankreich. Sie liebte diese ferne Gegend. Aber als sie schließlich mit uns nach Frankreich kam, um dort zu leben, da war sie schon 80 Jahre alt. Es war zu spät. Sie hatte schon vergessen, warum sie die Gegend so sehr liebte. Der Reiz war verloren.
Ich weiß nicht, was man daraus lernen soll. Es waren wohl einfach nur meine Gedanken an einem Morgen, an dem ich die Rue Mazarine hinunterspazierte.