Politspiele
Miriam Kraus in Rohstoff Daily zum Thema Kapitalschutz
vom 8. November 2011, 20:30 Uhr
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Im Moment sonnt sich die Politik ja in der ganz großen Aufmerksamkeit. Ob Plaudereien am G20-Gipfel, die Regierungskrise in Italien oder die griechische Komödie - derzeit ist großes Polittheater angesagt, auf das sogar fast minutiös die Märkte reagieren.
Griechenland...
Papandreou aus Griechenland - irgendwie erinnert er mich an eine Figur aus einer griechischen Tragödie (ich weiß nur noch nicht welche). Na ja, jetzt ist er ja bald kein Häuptling mehr. Vielleicht hat er das für sein Land getan, vielleicht aber auch nur um sich selbst aus der Schusslinie zu nehmen. Egal! Die Übergangsregierung wartet - und alle anderen warten darauf, dass diese so schnell wie möglich alle vorgegebenen Sparbeschlüsse umsetzt, damit die nächste Finanztranche nach Hellas fließen kann.
Sollte eigentlich klappen, aber der große Wurf wird's wahrscheinlich trotzdem nicht, weil die Griechen-"Volksvertreter" doch nur alle auf die angekündigten Neuwahlen im Februar schielen werden. Armer Loukas Papademos, ehemaliges EZB-Mitglied, der als neuer Vorsitzender der Übergangsregierung gehandelt wird. Er (oder auch jeder andere) wird's vermutlich nicht einfach haben...aber sei's drum, gegenüber letzter Woche, scheint Griechenland heute ja schon fast ruhig. Was nicht heißen muss, dass das auch morgen noch so sein wird.
Italien...
Und weil Griechenland alleine auf Dauer langweilig wird, rückt stattdessen Italien immer mehr in den Fokus. Der Markt treibt die Zinsen auf italienische Anleihen immer weiter nach oben - zuletzt stiegen die Zinsen auf 10-jährige Papiere auf 6,7%.
Italien soll sparen, verliert sich aber wieder einmal in einer Regierungskrise. Da hilft es auch nicht, dass jetzt der IWF und die EU den Italienern auf die Sparfinger schauen sollen - die EZB ist mit ihren Anleihenkäufen sowieso schon dabei. Im Gegenteil: damit hat Italien jetzt faktisch auch schon die Troika im Land. Wie weit kann man eigentlich noch sinken?! ;-)
Das lustige an der Italien-Situation ist aktuell eigentlich nur, dass langsam der Eindruck entsteht, als sei das Schicksal des Landes einzig und allein von Berlusconi abhängig. Oder um es anders zu sagen: die meisten würden sich wohl freuen, wenn der Häuptling endlich seinen Platz frei macht. So auch seine Mitpolitiker in Rom, die ihm bei einer lächerlichen Abstimmung einen Tritt in den Allerwertesten verpasst haben. Nun fragt sich jeder: kann der Silvio so eigentlich noch regieren?
Gute Frage und in der Regel müsste man sagen: Nein! Aber Italien war da schon immer ein bisschen anders. Regierungskrisen sind dort ja nichts Neues und auch der Silvio hat schon mehr als einmal im Parlament einen Tritt bekommen, schaffte es aber jedes Mal dann doch noch seine Leute wieder in die Schranken zu verweisen.
Aber im Grunde ist das ganze Geplänkel um den amtierenden Häuptling der Italiener ziemlich sinnlos. Denn auch wenn er abtreten sollte, ist das keine Garantie dafür, dass hernach eine stabile Regierung entsteht. Im Gegenteil: vermutlich würden sich die italienischen Volksvertreter nach einem Rücktritt des derben Häuptlings erst einmal in langen Wahlkämpfen verheddern.
Aber na ja, Italiens Innenpolitik war schon immer leicht sonderbar und kompliziert.
Nicht, dass dieser Hinweis Italien jetzt helfen könnte...denn es ist genauso wie bei der italienischen Schuldenquote. Die ist auch schon seit Jahren so hoch, was bislang aus bestimmten positiven Gründen (geringe Verschuldung und eine hohe Sparquote der Haushalte, sowie eine im Vergleich geringere Außneverschuldung) egal war. Doch jetzt ist es eben nicht mehr egal. Das ist wie in Griechenland - da wusste man auch schon, spätestens seit 2004, als es auch Eurostat bestätigte, dass die Griechen ihre Schulden immer zu gering ausgewiesen haben.
Und irgendwann kommt eben immer der Punkt, an dem die Kontrollen strenger vorgenommen werden. Irgendwann kommt immer der Punkt, an dem das, was man vorher noch durchgehen ließ, plötzlich eben nicht mehr wohlwollend durchgewunken wird.
An diesem Punkt befindet sich, nach Griechenland und den anderen, nun eben auch Italien. Doch wenn diese Entwicklung voranschreitet, dann wird es nicht mehr ewig dauern, bis auch Frankreich und am dicken Ende auch Deutschland mit der Realität umgehen werden müssen.
Frankreich...
Ach ja und apropos Frankreich: Derweil üben sich die Franzosen in Geradlinigkeit und wollen jetzt doch mal ernsthaft sparen. Ausgabenkürzungen und Steueranhebungen (obwohl man die MwSt erst vor kurzem noch gesenkt hatte). Na ja, schon angemessen, wenn sogar die Rating-Heinis Frankreichs Triple-A in Frage stellen. Ob's was bringt? Man wird sehen, könnte aber schwierig werden, bei den schwachen Wachstumsaussichten.
Alles in allem, bei den Häuptlingen herrscht auch weiterhin das Chaos...und warum auch nicht? Schließlich muss der Bürger ja auch mal was zu lachen haben!
Zum zweiten Teil von: Von Staaten und Banken
Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Klaus Fleischmann (09.11. 2011 14:40 Uhr):
Bei der Freude über Berlusconis Rücktrittsankündigung wurde m.E. unterschlagen, dass er vorher nicht nur das Sparpaket verabschieden lassen will, sondern auch noch eine Generalamnestie für Ex-Ministerpräsidenten... ;-)
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