"Politischer Damm gegen die Deflationsgefahr"
Mr N. N., Kapitalschutz Akte vom 02.07.2009 07:30
ENL5292
Die Aussichten am Arbeitsmarkt sind düster", betont das Vorstandsmitglied des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB), Claus Matecki, und spricht von einem ausgedehnten Niedriglohnsektor in Deutschland. Gegenwärtig sei bereits jeder dritte Beschäftigte atypisch tätig. Sprich befristet angestellt, im Mini-, Midi-, Ein-Euro-Job oder als Zeitarbeiter beschäftigt.
Steigender Druck auf Löhne und Preise
Dadurch würde der Druck auf Löhne und Preise massiv steigen. Matecki zufolge gilt es nun zu verhindern, dass Betriebe mit Lohnkürzungen die Krise managen. Dies hätte fatale Folgen, zumal die eingesparten Arbeitskosten von heute die leeren Auftragsbücher von morgen seien. Am Ende des Tages würde diese Entwicklung zu einer Abwärtsspirale bei den Preisen führen, bei der schlussendlich alle verlieren werden. Anders formuliert, die Wirtschaft gleitet in die Deflation ab.
Ja, liebe Leserin, lieber Leser, Herr Matecki fordert gar einen politischen Damm gegen die Deflationsgefahr". Ob dieser aber dem Krisen-Tsunami standhalten wird, ist mehr als fraglich.
Deflationsgefahr trotz Liquiditätsflut
Ähnlich skeptisch ist auch der Wirtschaftsweise Bofinger. Der Professor für Volkswirtschaftslehre an der Universität Würzburg fürchtet trotz der immensen Liquiditätsflut eine Deflation zehn mal mehr als Inflation". Aktuell müsse niemand Inflation befürchten, weil angesichts der Lage am Arbeitsmarkt die Bereitschaft zur Lohnzurückhaltung groß sei und zudem die Probleme im Bankensektor nicht gelöst seien. Daher werde auch die Inflationsrate noch längere Zeit gen Null tendieren.
Kreditvergabe als Schlüsselfaktor
Spielraum für Preis- und Lohnsteigerungen gebe es erst wieder, wenn die von der EZB geschaffene zusätzliche Liquidität tatsächlich in Form von Krediten bei Unternehmen und Privatpersonen ankomme. Fakt ist jedoch, dass im Mai im Euroraum bspw. die Konsumentenkredite im Jahresvergleich um 0,6 Prozent gesunken sind. BASF-Chef Hambrecht betonte erst jüngst wieder, daß es eine Kreditklemme gebe und es speziell für kleine und mittlere Unternehmen außerordentlich schwierig sei, Kredite zu bekommen.
Containerfrachtpreise im freien Fall
Die deflationären Tendenzen kann man im übrigen gegenwärtig auch sehr schön anhand des HARPEX (Charterraten-Index) erkennen. Jedenfalls ist der Containerfrachtkostenindex um sage und schreibe 85 Prozent auf ein historisches Tief zusammengebrochen. Es wäre wahrlich sehr vermessen, in diesem Kontext das Wort Erholung" auch nur im Hinterkopf zu haben.
Während die Sirenenschar der Berufsoptimisten nahezu täglich das Ende der Krise ausruft und bereits grüne Knospen erkennen will, dominieren wohl wie böse Zungen meinen eher die Algen an den Schiffsrümpfen das Szenario.
Noch schärfer formuliert, was wir bisher erleben durften war nur Prolog des Dramas. Wehe, wehe, wer jetzt schon das Ende sieht.
Oder, positiver formuliert, das Game Over" ist noch nicht gekommen.
Das dicke Ende kommt erst noch!
Griechenland war nur die Blaupause für weitere Bankrotte mitten in der EU. Das Problem:
Deutsche Banken sind Hauptgläubiger in Griechenland! Darunter so „solide" Adressen wie die Hypo Real Estate (!) und mehrere Landesbanken.
Das nächste Land hat bislang noch keiner auf dem Radar (kein PIIGS-Land!). Obwohl seine Staatsanleihen „auf einem Bett aus Nitroglycerin" ruhen.
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