Polen und Tschechien - die ungleichen Nachbarn
Daniela Knauer in Devisen-Monitor zum Thema Devisen & Devisenhandel
vom 27. März 2007 08:30 Uhr
ENL5454
Heute bleibt die Börse frei von Notenbanksitzungen, doch am Mittwoch geht es weiter mit Polen, am Donnerstag folgt dann die tschechische Leitzinsentscheidung. Auch für diese beiden Länder wird der Zinssatz unverändert erwartet, in Polen liegt er bei 4,0%, in Tschechien bei 2,5%.
Die Aufwertungsspekulation im Zloty ist beendet
Der polnische Zloty war in den letzten Jahren eine wunderbare Anlagewährung, besonders 2004 wies er einen sehr stabilen Trend auf. Seit die europäische Zentralbank jedoch 2006 begonnen hat, die Leitzinsen zu erhöhen, ist das Wechselkursverhältnis in eine volatile Seitwärtsbewegung eingeschwenkt.
Diese jüngste Seitwärtsbewegung spiegelt auch die Unsicherheit wider, ob Polen den Euro einführen wird. Denn im Gegensatz zu den meisten östlichen Beitrittsländern ist in Polen nicht sicher, ob die Bevölkerung das wirkklich unterstützt. Erst eine Volksabstimmung, voraussichtlich im Jahr 2009, soll über die endgültige Entscheidung der Einführung Klarheit schaffen. Mit einer Inflationsrate von 1,5% im Jahr 2006 ist Polen aktuell eines der preisstabilsten Länder Europas. Daher sehe ich in nächster Zeit auch keinen Grund für weitere Zinsanhebungen. Ganz im Gegenteil, sollte sich die Wirtschaft abschwächen, hat Polen Zinssenkungsspielraum. Insofern lohnt es sich, den polnischen Zloty in nächster Zeit genauer zu verfolgen. Wenn der kurzfristige Abwärtstrend gebrochen wird, ist hier ein Ziel von 4,30 durchaus realistisch.
Tschechien: Zinsgefälle zum Euro
Auch in Tschechien lag die Inflationsrate mit 1,5% zuletzt deutlich unter dem EU-Durchschnitt von 2,1%. Ein starkes Wirtschaftswachstum (2006: 6%) sorgte seit 2004 für einen stabilen Trend gegenüber dem Euro. Doch wie beim Zloty schwächte sich dieser auch bei der Krone in jüngster Zeit deutlich ab und schwenkte in eine volatile Seitwärtsbewegung ein.
Dazu trägt die zurückhaltende Zinspolitik der tschechischen Notenbank bei, die mit 2,5% weiterhin ein deutliches Zinsgefälle zum Euro aufrecht erhalten will. Nach dem letzten kurzfristigen Einbruch, bei dem die tschechische Krone durch die Aufwertung der slowakischen Krone mitgerissen wurde, sollte sich der Wechselkurs wieder stabilisieren. Auch bei der Tschechen-Krone halte ich einen Ausbruch nach oben im Laufe dieses Jahres für möglich, denn die Zinsdifferenz spricht klar gegen die Krone. Der erwartete Beitritt zum Euro 2012 sollte einer neuen Abschwächung vorerst nicht im Wege stehen.
Damit wünsche ich Ihnen eine erfolgreiche Woche, bis nächsten Montag
Daniela Knauer
PS: Die gestern beschriebene Unterstüzung im EUR/USD bei 1,3260 hat heute wunderbar gehalten. Dank der äußerst schwachen US-Neubauverkäufe (848.000 statt erwarteten 997.000) geriet der US-Dollar bereits wieder unter Druck und lief bis zum nächsten Widerstand bei 1,3340. Es wird spannend, ob jetzt ein neuer Anlauf auf das Hoch bei 1,34 erfolgreicher sein wird oder wir vorerst in der engen Range 1,3260 bis 1,3340 gefangen bleiben.

