Plunge Protection Team?
Axel Retz, DAX Daily vom 28.08.2007 08:30
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Henrik Voigt
ENL5286
Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,
bald hat man den Eindruck, dass es an den Börsen zugeht wie im Sommerschlussverkauf: Die alten Ladenhüter der Optimisten und der Pessimisten liegen auf riesigen Wühltischen, auch für den skurrilsten Geschmack ist noch etwas dabei.
In dieses Bild passt die zuletzt aufkommende Nachricht, dass irgendwelche Adressen für Milliarden von US-Dollar Verkaufspositionen auf den S&P 500 gekauft haben sollen, die mit einer Septemberlaufzeit und einem Basispreis von 700 ausgestattet seien. Und schon keimen Gerüchte auf, dass es sich dabei um Drahtzieher eines neuen Terroranschlags handeln müsse, die sich in Kenntnis ihrer Absichten hier am Markt positionieren.
Ganz von der Hand zu weisen sind derartige Überlegungen natürlich nicht; vor dem 11. September 2001 waren schließlich ebenfalls derartige Trades in Versicherungsaktien durchgeführt worden.
Der jetzt veröffentlichte Artikel ist in weiten Passagen allerdings dermaßen dilettantisch verfasst, das er kaum ernst zu nehmen ist. Fest steht nur, dass die milliardeschwere Putposition genau am Kurstief der vorletzten Woche gekauft wurde, was nicht gerade für ein glückliches Händchen spricht.
In der gestrigen Financial Times fand sich ein Artikel, den ich ebenfalls bemerkenswert fand. Berichtet wird dort vom „Plunge Protection Team" der US-Regierung, das die Finanzmärkte vor einem möglichen Absturz schützen soll. Und die FTD rückt dieses Team in die Nähe von Verschwörungstheorien.
Schon im März 2003 beschrieb in meinem Kapitalschutz-Brief, was es mit dem Plunge Protection Team auf sich hat:
„Am 23. Februar 1977 erschien in der Washington Post ein Artikel über ein angebliches Task Force"-Team der US-Regierung und der Federal Reserve, das an den Aktienmärkten im Falle kritischer Zuspitzungen intervenieren und Kursstürze wie am 19. Oktober 1987 verhindern sollte.
Die von der Zeitung als Plunge Protection Team bezeichnete „Working Group on Financial Markets" fußt auf der Executive Order 12631 der Reagan-Administration. Das Team setzt sich zusammen aus US-Notenbankchef, Finanzminister, dem Chef der Finanzaufsichtsbehörde SEC und dem Vorsitzenden der Commodity Futures Trading Commission bzw. ihren Stellvertretern."
Das Plunge Protection Team ist also Fakt und hat mit Verschwörungstheorien rein gar nichts zu tun. Dass seine Interventionen am Markt nicht an die große Glocke gehängt werden können, liegt auf der Hand.
Und auf der Hand liegt auch, dass sich die fundamentalen Probleme, die an der Wall Street zu Kursverlusten führen, nicht dadurch aus der Welt schaffen lassen, dass man die „Fieberkurve" der Aktienindizes künstlich nach oben manipuliert.
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