Plunge Protection Team - ein Nachtrag
Ronald Gehrt, Kapitalschutz Akte vom 31.10.2007 07:30
ENL5292
Zahlreiche Leser haben mich darüber informiert, dass meine Zweifel, ob eine derart beeinflussende Spinne im Netz der angeblich freien Finanzmärkte wirklich so in dieser Form existiert, recht blauäugig gewesen sind. Dabei dachte ich immer, ich sehe die Dinge schon düster genug, aber nein:
Das „Plunge Protection Team“ gibt es wirklich. Und, wie mir ein Investmentbanker versicherte, es tritt auch in Aktion, wenn es als nötig erachtet wird.
Hierzu ein Artikel, den mein Freund Axel Retz bereits 2003 veröffentlichte:
Plunge Protection: No Fall Street, please!
Am 23. Februar 1997 erschien in der Washington Post ein Artikel über ein angebliches “Task Force”-Team der US-Regierung und der Federal Reserve, das an den Aktienmärkten im Falle kritischer Zuspitzungen intervenieren und Kursstürze wie am 19. Oktober 1987 verhindern solle. Die von der Zeitung als Plunge Protection Team bezeichnete „Working Group on Financial Markets“ fußt auf der Executive Order 12631 der Reagan-Administration. Das Team setzt sich zusammen aus US-Notenbankchef, Finanzminister, dem Chef der Wertpapieraufsichtsbehörde SEC und dem Vorsitzenden der Commodity Futures Trading Commission bzw. ihren jeweiligen Stellvertretern. Paragraph 2 dieser Executive Order definiert Zweck und Funktion des Teams:
„Recognizing the goals of enhancing the integrity, efficiency, orderliness and competitiveness of the Nation’s financial markets and maintaining investors confidence“. Auf gut deutsch in etwa: „Als Ziel zu erkennen, die Integrität, Effizienz, Regelmäßigkeit und Wettbewerbsfähigkeit der nationalen Finanzmärkte zu verbessern und das Vertrauen der Anleger aufrecht zu erhalten“.
Seit der Verabschiedung dieser Executive Order wurde und wird viel darüber spekuliert, ob diese „Task Force“ über hebelstarke Indexderivate immer dann mit manipulativen Stützungskäufen in den Markt geht, wenn aus der Wall Street eine „Fall Street“ zu werden droht. Verfechter dieser Theorie gehen davon aus, dass die US-Notenbank, wenn ihre Zinswaffen nicht wirken, über den Umweg einiger eingeweihter Großbanken direkt an der Börse interveniere, wenn Dow und S&P 500 so stark unter Druck kommen, dass die Gefahr einer Panik besteht.
Letztlich würde das bedeuten, dass die bedeutendste Notenbank der Welt eine vom Kollaps bedrohte Wall Street mit der „Herz-Lungen-Maschine“ ihrer Notenpresse künstlich am Leben erhält.
In der Konsequenz wäre das in zweierlei Hinsicht fatal: Denn erstens trübt ein System, in dem die Investoren darauf vertrauen können, dass sie im „Fall des Falles“ von der Notenbank herausgehauen werden, den Blick der Anleger für die bestehenden Risiken und bringt sie in Abhängigkeit von einem „Protektor“, auf dessen Handeln sie keinerlei Einfluss haben.
Und zweitens lassen sich, um das Bild der Herz-Lungen-Maschine Notenpresse aufzugreifen, Leberzirrhose, Extrasystolen, entgleister Elektrolythaushalt, Nierenversagen und Fieber auf Dauer nicht kaschieren, geschweige denn therapieren, indem man die „Fieberthermometer“ Dow Jones und S&P 500 manipuliert.“
Dazu als Ergänzung ein Zitat von George Soros:
„Die Beteiligten sind nicht in der Lage, einen Boom an der Entwicklung zu hindern, selbst wenn sie erkennen, dass er ungesund ist und zwangsläufig zum Zusammenbruch führen muss. Das Beste, was ein Beteiligter tun kann ist, zur rechten Zeit aufzuhören, ein Beteiligter zu sein.“
Das dicke Ende kommt erst noch!
Griechenland war nur die Blaupause für weitere Bankrotte mitten in der EU. Das Problem:
Deutsche Banken sind Hauptgläubiger in Griechenland! Darunter so „solide" Adressen wie die Hypo Real Estate (!) und mehrere Landesbanken.
Das nächste Land hat bislang noch keiner auf dem Radar (kein PIIGS-Land!). Obwohl seine Staatsanleihen „auf einem Bett aus Nitroglycerin" ruhen.
Griechenland war nur das Vorspiel. Klicken Sie hier.ähnliche Beiträge:
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