Pleite und in Ungnade
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 10. Oktober 2011, 07:30 Uhr
ENL5454
In der Theorie spielt es keine Rolle, wer die Schulden hat. Schulden sind Schulden. Das ist ein Anspruch auf Zahlungen. Auf derzeitigen Reichtum oder auf zukünftige Zahlungen. Wenn die Wachstumsraten zurückgehen, dann wird die Schuldenlast schwerer. Wachstum würde die Schulden leichter und kleiner erscheinen lassen. Ohne Wachstum allerdings müssen die Schulden vom derzeitigen Reichtum abgezogen werden....und nicht vom zukünftigen Reichtum.
Über das Abschreiben von Schulden
Und genau darum geht es beim Abschreiben von Schulden. Der Schuldner räumt ein, dass er nicht zahlen kann. Der Gläubiger räumt ein, dass er ein Idiot gewesen ist...
Viele Ökonomen haben falsche Vorstellungen von Schulden. Jede Schuld sei auch ein Guthaben, sagen sie. Deshalb solle man sich keine Sorgen machen.
Aber was ist, wenn die Schulden "faul" werden? Der Gläubiger hat Geld geliehen. Der Schuldner nahm das Geld, um Dinge zu kaufen....und diese zu nutzen. Dann hat der Schuldner diese Dinge nicht mehr...die Schulden kann er nicht zurückzahlen...und der Gläubiger realisiert, dass es um sein eigenes Geld geht. Der Kredit löst sich in Luft auf...die Schulden verschwinden...die Dinge, die mit dem Geld gekauft worden waren, sind auch weg...und der Schuldner ist Pleite und in Ungnade.
Japanische Verhältnisse für die USA und Europa
Nun, wenn sich so ein Schuldner dann umbringt, dann würde er die Sache erheblich zu ernst nehmen. Aber manchmal beschäftigen sich die Leute mehr mit Geld, als sie sollten. Hey, hört doch mal zu...das ist doch nur ein Spiel! Es soll doch Spaß machen...
Und nebenbei gesagt, die Japaner haben dieses Spiel für zwei Jahrzehnte gespielt. Anstatt dass die Schuldner einräumten, dass sie nicht zahlen konnten, hat die japanische Zentralbank jedem Geld geliehen...und eine Menge hat die Regierung ausgegeben. Dies hielt die Wirtschaft am Laufen.
Meiner Einschätzung nach werden Europa und Amerika das auch tun. Sie werden dann den Weg gehen, den die Japaner gegangen sind.
Die Sparer werden verlieren
Aber Moment...was passierte mit all dem Geld, das die japanischen Sparer ihrer Regierung geliehen haben? Wie werden sie das zurückerhalten? Hält die japanische Regierung die Handgranate immer noch in der Hand....und werden diese armen Mama und Papa-Sparer einräumen müssen, dass sie Idioten gewesen sind?
Ja...natürlich. Aber darüber werde ich mir später erst Sorgen machen...
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Mr Bankokratie (10.10. 2011 14:40 Uhr):
Genau das ist es: Die Kohle der Privatleute ist unwiderbringlich verloren, sobald das Nachschieben neuer Schulden nicht mehr funktioniert... kann noch dauern, vorher zerreißt es das Lohn/Preisgefüge.
Antworten - Kommentar von Reinhard Hinz (10.10. 2011 19:23 Uhr):
Sie vergessen regelmäßig zu erwähnen, dass das Geld, welches der Staat nicht (mehr) hat, nicht weg ist. Es befindet sich -zumindest in den USA- im Besitz der Superreichen, deren Steuerlast unter den neoliberalen Präsidenten um unvorstellbare Summen gesunken ist. Von dort fließt es nicht zurück in den Wirtschaftskreislauf, sondern an die Finanzmärkte. Oder die Produktion wird nach Asien verlagert. Der ach so wunderbare Steve Jobs sorgte z.B. dafür, dass kein einziges Apple-Erzeugnis mehr in den USA produziert wird und so seinen Reichtum noch vergrößerte.Die Betrogenen gehen nun auch dort auf die Straße und benennen die Fakten. Das zeigt, dass überall dort, wo extreme soziale Ungleichheit herrscht, die Verhältnisse labil werden und schließlich kippen. R. Hinz
Antworten - Kommentar von ratragon (11.10. 2011 04:09 Uhr):
Bill, zu der Schuldenfrage und das unmögliche Zurückzahlen bei zu hohen Schulden interessiert mich folgendes Szenario, welches ich immer und immer wieder in Gedanken durchspiele. Folgendes also: Der Schuldner kann seine Schulden nicht zurückzahlen, der Gläubiger will aber sein Geld zurück. Das Land hat bisher auf Preisstabilität geachtet. Dann bietet sich, zwar nicht oft wiederholbar, aber zumindest für das erste Mal eine Lösung an: Die Zentralbank kauft alle Schuldpapiere auf, sodass der Gläubiger sein Geld zurückbekommen hat. Die Zentralbank druckt einfach so viele Banknoten, wie sie braucht, um die Schuldpapiere vollständig zu kaufen. Dann sagt sie dem Schuldner, dass er die Schulden nicht zurückzahlen braucht. Die Zentralbank nimmt dann ein Feuerzeug und verbrennt die Schuldenpapiere. Fertig. Der Schuldner hat keine Schulden mehr und der Gläubiger kann wieder sein Geld woanders investieren. --- Natülich hat sich nun die Geldmenge erhöht, aber weil wir doch bisher Preisstabilität hatten gibt es wahrscheinlich eine erhöhte Inflation, aber vorerst wohl nur überschaubar, weil bisher ja Preisstabilität bestand. ... Und zukünftig darf man nicht mehr so viele Schulden machen, wie nun hier in Deutschland auch in die Verfassung eingearbeitet wurde, die sogenannte Schuldenbremse. Wenn 3 Billionen Euro Schulden zurückgezahlt werden müssen, in Europa, dann eben auf diesem Wege. Nur alle europäischen Parlamente müssen zukünftig in ihrer Verfassung vor Schuldenerlass der Schuldenbremse zustimmen. Das ist ein Weg. Die Inflation wird nicht gleich ausufern. Zudem kann die Zentralbank dann die Daumenschrauben anziehen und im Nachhinein die Inflation wieder moderat bekämpfen. --- Bill, was halten Sie davon, von dieser Lösung?
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