Pleite eines Hedge-Fonds belastet Märkte
Jochen Steffens in Investors Daily zum Thema Fonds
vom 13. März 2008 18:00 Uhr
ENL5454
Es ist furchtbar – kaum schaffen es die Indizes, sich wieder ein wenig aufzuraffen, kommt irgendwer von hinten und tritt ihnen in die Kniekehle.
Ein weiterer Hedge-Fond ist pleite
Es bahnte sich schon seit einiger Zeit an, doch jetzt ist es amtlich: Der auf der Kanalinsel Guernsey ansässige und in Amsterdam gelistete Hypothekenfonds Carlyle Capital Corp Ltd., (CCC) eine Tochter der US-Beteiligungsfirma Carlyle Group, ist mit dem Versuch gescheitert, sich mit seinen Gläubigern zu einigen. Die entsprechenden Verhandlungen sind am Mittwochabend ohne Ergebnis beendet worden. Die Mutter, Carlyle Group, ist die, am investierten Kapital gemessen, zweitgrößte Private-Equity-Gesellschaft nach Blackstone.
Unter den Gläubigern des Fonds finden sich so illustre Namen wie die Bank of America, Bear Stearns, BNP Paribas, Citigroup, Credit Suisse, Deutsche Bank, J.P. Morgan Chase und UBS. Somit hat diese Pleite auch direkte Auswirkungen auf die Finanzbranche, die heute damit zu den Verlierern gehört. CCC sei mit 16,6 Mrd. US-Dollar ihres 21,7 Mrd. US-Dollars umfassenden Gesamtportfolios in Verzug geraten.
Nur gute Ratings ...
Und das Absurde dabei ist, Carlyle Capital Corp hatte ihr Geld nahezu ausschließlich in Immobilienanleihen investiert, die mit dem besten Rating, dem Tripple-A-Rating, ausgestattet war. Gestolpert ist dieser Hedge-Fonds letzten Endes daran, dass er in typischer Hedge-Fonds Manier zu einem großen Teil fremdfinanziert war. So soll nur ein Dreißigstel (!!!) der investierten Summe aus Eigenkapital bestanden haben! Nicht unüblich bei Hedge-Fonds.
Ich hatte schon vor einer Weile davor gewarnt, dass die Schwierigkeiten auf dem Kreditmarkt durchaus auch noch zu einer Pleite bei den Hedgefonds führen könnten. Hier haben wir ein nun ein direktes Opfer.
Aber was macht man nun mit dem Markt?
Es macht eigentlich fast keinen Sinn mehr, Prognose zu erstellen. Wenn ich gestern noch schrieb, dass ein Abverkauf dieser Short-Squeeze ein sehr schlechtes Zeichen sei, so muss ich heute schon wieder hinzufügen: Unter normalen Bedingungen.
Diese Nachricht und deren Auswirkungen haben natürlich alles wieder durcheinander gebracht. Die Anschlusskäufe, die so ein wichtiges Signal gewesen wären, konnten gar nicht kommen. Da diese aber aufgrund dieser Nachricht ausgeblieben sind, kann man diesen Umstand nun ebenfalls nicht wirklich werten, selbst wenn sich ein neues Tief ausbildet. Es ist schon verrückt.
Ein Hauch von Resignation...
Übrig bleibt nichts anderes, als schulterzuckend zuzuschauen, seine Positionsgrößen mit weiter fallenden Kursen zu verringern, ohne den Fuß ganz aus dem Markt zu nehmen und zu hoffen, dass dieser Spuk bald vorbei geht. Das hat, wie gesagt, nichts mehr mit Prognosen und charttechnischen Analysen zu tun, nichts mehr mit Wirtschaftsdaten und deren mittel- und langfristigen Auswirkungen. Solche "Schock-Nachrichten" sind und bleiben nicht vorhersehbar, die Börse wird damit zu einem Glücksspiel, zumindest auf der kurzfristigeren Zeitebene.
Übertraden Sie nicht den Markt
Das einzig Beruhigende ist, dass meistens im Anschluss an solche Phasen auch wieder längere Phasen auftauchen, in denen man sehr, sehr gut Geld verdienen kann. Ich habe schon gestern meinen Lesern des Target-Traders geschrieben, dass man unbedingt darauf achten muss, in dieser aktuellen Situation nichts mit der Brechstange erzwingen zu wollen. Zu oft versuchen Trader, mit aller Gewalt in so einer Krise Geld zu verdienen. Letzten Endes führt das in den meisten Fällen dazu, dass sie dann, wenn sich der Markt endlich beruhigt hat, entweder kein Geld mehr haben, um von der dann startenden Erholung/Rallye zu profitieren oder aber emotional derart angeschlagen sind, dass sie sich nicht mehr trauen zu investieren.
Nur Männer?
Zum Schluss noch etwas zum Schmunzeln in diesen düsteren Zeiten:
Oh, oh! Ich hatte am Dienstag, wie Sie sich vielleicht erinnern, folgendes geschrieben:
„Meine Herren, die Nerven der Anleger werden aber zurzeit aufs Äußerste strapaziert.“
Prompt erhielt ich folgende erboste Mail:
Hallo Herr Steffens,
bezugnehmend auf obigen Artikel, verfügen Sie offenbar nicht über die notwendige Phantasie, sich vorstellen zu können, dass keineswegs nur "Herren" Börseninformationen lesen.
Ihre Anrede, bei der die gesamte weibliche Leserschaft vollständig ignoriert wurde, ist wirklich ein ausgesprochen bösartiger Griff in die altbekannte Macho-Kiste!
Solch überhebliche Methoden können nicht widerspruchslos hingenommen werden.
E.M.
Ich war ehrlich sehr überrascht, eine solche Mail zu erhalten. Da ich nicht weiß, ob auch andere diesen Ausdruck falsch verstanden haben, folgender Hinweis.
„Meine Herren...“ war keineswegs eine Anrede, es war ein Ausruf der Verwunderung, Überraschung, beziehungsweise der Verzweiflung, so wie man als Mutter oder Vater mit dem Ausruf auf den Lippen „Mein Gott, wie sieht es denn hier aus...“ sicherlich auch nicht in Gottes Kinderzimmer steht.
Viele Grüße
Ihr
Jochen Steffens