Platin Nachfrage stark - Angebot wächst nur langsam
Andreas Lambrou in Rohstoff Daily zum Thema Rohstoffe
vom 19. Juni 2006 20:45 Uhr
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Liebe Leser, Gold hat mit 578 US-Dollar je Unze jetzt 22 % vom Hoch korrigiert, Silber liegt mit 10,13 US-Dollar je Unze 33 % unter seinem Höchststand und Palladium notiert bei 302 US-Dollar je Unze 27 % tiefer. Interessant finde ich die Korrektur beim Platin, dieses handelt aktuell bei 1136 US-Dollar je Unze nur 16 % unter seinem Hoch. Damit haben die Platinpreise im Vergleich am wenigsten eingebüsst.
Auf Sicht der letzten 2 Jahre sieht man allerdings, dass die Platinpreise sich ziemlich analog zum Goldpreis entwickelt haben (+35 % seit Frühjahr 2005). Der Grund für das relativ bessere abschneiden des Platins liegt in der konzentrierten Platinfördernden Industrie.
Südafrika dominiert die Förderung
Südafrika besitzt einen Anteil an der weltweiten Platinförderung in Höhe von 77 Prozent. Das ist ähnlich hoch wie zum Beispiel die Elfenbeinküste in der Kakaoproduktion. Geht die Produktion zurück oder verschlechtern sich die Aussichten für die zukünftige Förderfähigkeit dann steigen logischerweise die Preise und genau das ist hier passiert.
Platinmarkt verharrt im Defizit
Seit 1998 wird weniger Platin gefördert als verbraucht. In 2005 lag die Nachfrage zum Beispiel bei 6,7 Millionen Unzen, während das Angebot lediglich bei 6,63 Millionen Unzen lag.
Autoabgaskatalysatoren sind der Hauptabsatzmarkt
3,8 Millionen Unzen Platin wurden 2005 in der Produktion von Autoabgaskatalysatoren verbraucht. Die Hauptnachfrage stammte dabei aus Europa, wo 1,96 Millionen Unzen in der Katalysatorproduktion verbraucht wurden. Dies lag 9 % höher als im Vorjahr. Auch in diesem Jahr wird eine starke Nachfragesteigerung erwartet. Ab Oktober 2006 muss beispielsweise von jedem produzierten Auto die neue Euro 4 Abgasnorm erfüllt werden. In den USA, wo die Dieselverbreitung noch nicht so gross ist, wurden im letzten Jahr zwar nur 820.000 Unzen Platin verbraucht aber auch hier werden ab 2007 neue Abgasvorschriften bei den grossen Diesel-LKWs die Nachfrage weiter antreiben
Der China Faktor
China besitzt immer noch wenig Autos. Dennoch lässt sich bereits eine signifikante Zunahme der Nachfrage nach Platin beobachten. Im letzten Jahr von 75.000 Unzen auf 110.000 Unzen. Das ist zwar nicht besonders viel aber der prozentuale Anstieg ist mit einem Zuwachs von 47 % doch recht beachtlich wie ich finde.
Das Angebot steigt geringer als erwartet
Bislang konnten die südafrikanischen Produzenten nicht einmal ihre moderaten Expansionspläne erreichen. Die Förderkosten in Südafrika sind noch zu hoch um eine aggressive Expansion tragen zu können. Der zweitgrösste Platinproduzent Südafrikas versucht sein Glück deshalb lieber in Zimbabwe zu finden. Dort soll die Förderung von zurzeit rund 100.000 Unzen jährlich in den nächsten 10 Jahren auf über 1 Million Unzen pro Jahr zunehmen. Theoretisch dürfte dies ausreichen, um die erwartete Nachfragesteigerung zu decken. Das ganze hat nur einen Haken. Zimbabwe ist politisch sehr instabil. Das Land befindet sich in der Hyperinflation, der Staatschef ist korrupt und die weissen Bauern wurden in den letzten Jahren in Scharen von ihrem Land vertrieben. Jetzt soll die Minenindustrie ebenfalls verstaatlicht werden und mindestens 51 % jedes einzelnen Minenprojekts sollen in die Staatshand übergeben werden. Für mich bleibt es deshalb höchst fraglich, ob Südafrikas Minenkonzerne tatsächlich ihre geplanten über 2 Milliarden US-Dollar umfassenden Investitionen realisieren können.
Fazit
Die Angebotslage bei Platin bleibt schwierig. Kurzfristig erholen sich die Gewinne im südafrikanischen Minensektor wieder etwas, nachdem der südafrikanische Wechselkurs (Rand) gegenüber dem US-Dollar im letzten Jahr um rund 15 % nachgegeben hat. Trotzdem liegt der Rand immer noch rund 40 % höher als noch vor 4 Jahren. Dies erhöht logischerweise die Produktionskosten. Auf der Nachfrageseite handelt es sich bei Platin sicher um einen klaren Wachstumsmarkt. Ich denke deshalb, dass die Platinpreise ihren Boden spätestens bei rund 1000 US-Dollar je Unze finden sollten.
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