Plant Deutschland den Euro-Ausstieg?
Alexander Hahn in Investoren Wissen
vom 28. Mai 2010, 16:00 Uhr
ENL5454
es scheint so, als müsse man, wenn man umfassend zu brennenden Themen informiert werden möchte, immer mehr auf ausländische Medien ausweichen, da die deutsche Medienlandschaft immer weiter durchsetzt zu sein scheint von Hofberichterstattern und "Journalisten", welche es oftmals nicht wagen, die wirklich unbequemen Fragen zu stellen.
Wir hatten die Ihnen sicher noch bekannte Situation, in der auf einer Pressekonferenz mit Frau Merkel ausgerechnet ein holländischer Journalist die Fragen stellen musste, die man von jedem etwas kritischen deutschen Journalisten berechtigterweise hätte erwarten können (das nur als ein Beispiel von vielen).
Wir hatten diese Situation auch bereits 2008. In ausländischen Medien war im Vergleich zu deutschen Medien relativ klar zu lesen, wie es wirklich um die Lage steht. Nachträglich stellte sich heraus, dass die Chefredakteure der überregionalen Medien seitens des Kanzleramts instruiert waren, entsprechend "beruhigend" zu berichten und "keine Panik zu verursachen". In anderen Worten: Man nahm es nicht so genau mit der Wahrheit und dem, was man wirklich wusste und machte sich lieber bei der Obrigkeit beliebt.
Nun waren (wie u.a. auch von meinem Kollegen Martin Stephan letzte Woche bereits berichtet) erneut die Chefredakteure der wichtigsten überregionalen Medien wieder bei Frau Merkel im Kanzleramt im entsprechend geschlossenen Zirkel versammelt. Und wieder hört man als Medienkonsument so gut wie kaum etwas über einige wirklich wichtige Themen.
Ein aktuelles Beispiel: Während in den Medien hierzulande u.a. immer wieder von der "Euroverteidigung" und sonstigen politischen Phantasien zu lesen ist. scheint es sich doch in ausländischen Medien in mancherlei Hinsicht etwas freier zu sprechen.
Olaf Henkel, ehemaliger BDI-Präsident und seines Zeichens natürlich mit entsprechend guten Kontakten in die Politik und Wirtschaft, äußerte sich etwa in den englischsprachigen Medien (hier gegenüber Bloomberg im TV-Interview), dass es durchaus eine Reihe an einflussreichen Leuten in der BRD gäbe, welche "in geschlossenen Kreisen und ohne öffentliche Debatte" ernsthaft über den Austritt Deutschlands aus dem Euro nachdenken. (Es gäbe auch durchaus einige Punkte, welche diese Variante unterstützen würden)
Nachdem ja die entsprechenden Köpfe der überregionalen Medienlandschaft ihr "Briefing" hinter verschlossenen Türen im Kanzleramt hatten, dürften diese sicher auch einige Punkte diesbzgl. und hinsichtlich weiterer Themen wissen.
Stattdessen erscheinen wider besseren Wissens in den eigenen Redaktionen Artikel wie z.B. dieser, welche Menschen, die der staatlichen Märchenstunde berechtigerweise schon lange nicht trauen, als unzurechnungsfähige Sektenanhänger darstellen. Man mag hierbei natürlich zu dem im Artikel benannten Goldautor und manch einer Hysterie und Hype stehen, wie man möchte. Darum geht es mir hier auch gar nicht. Fakt ist viel mehr, dass sich wieder von der Stoßrichtung her das gleiche Bild abzuzeichnen scheint wie auch vor der Krise, die 2007 an die Oberfläche kam. Bereits damals galt: Wer an dem zweifelt, was als offizielle Wahrheit gilt, wird besonders von den "Qualitätsmedien" bevorzugt als tendentiell unzurechnungsfähig dargestellt, sogar bis in den Verlauf der Krise hinein, während der eigene Chefredakteur sich von der Kanzlerin hinter verschlossener Tür entsprechend informieren lässt und wohl recht gut weiß, was wirklich los ist. Experten, die damals schon warnten, waren "profilneurotische Alarmisten", "Untergangspropheten", "Panikstifter", ...
Ob auch dieses Mal erneut die bösen "Verschwörungstheoretiker" und "Sektierer" wieder mal richtig liegen werden und es dann laut den gleichen Medien natürlich "niemand hätte vorhersehen" können, wie 2007 auch? Man darf hier sicherlich gespannt sein, wie sich manch ein Massenmedium dann aus der Situation wird herauswinden wollen.
Ich kann Ihnen an dieser Stelle in Ihrem eigenen Interesse nur raten: Verlassen Sie sich nicht auf die deutsche Medienlandschaft. Informieren Sie sich auf jeden Fall auch im Ausland und abseits der "Qualitätsmedien" der Republik und machen Sie sich stets Ihr eigenes Bild von der Lage.
Beste Grüße
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Raymond EGGER (28.05. 2010 17:16 Uhr):
Lieber Herr Hahn Leider muss ich Ihnen recht geben, denn bei uns in der Schweiz ist es dasselbe. Diese Krankheit trägt folgender Name: "Desinformation" und diese wird hemmungslos angewendet... Solange wir solche Journalisten wie Sie haben, dürfen wir hoffen... Herzliche Grüsse Raymond Egger
Antworten - Kommentar von Stefan Schacht (28.05. 2010 17:39 Uhr):
Sie haben ja Recht, Herr Hahn, aber (1) wo auf der Welt sind die Medien besser als hierzulande? (2) Möchten Sie wirklich, dass den deutschen Massen reiner Wein eingeschenkt wird? Wir wissen es doch besser und brauchen die Medien nicht. Also kann es nur in unserem Interesse sein, den Informationsvorsprung zu bewahren und in Ruhe unsere Vorkehrungen zu treffen.
Antworten - Kommentar von Tommy Rasmussen (29.05. 2010 07:54 Uhr):
Regierung will Spekulation auf Euro verbieten Die Regierung plant einen umfassenden Eingriff in die Finanzmärkte. Nicht nur die Spekulation auf sinkende Kurse bei Staatsanleihen und Aktien soll verboten werden, sondern auch auf den Euro. Bei Zuwiderhandlung drohen drakonische Strafen. Dieser komische Jurist Schäuble kennt wirklich nur Verbote. Von den Märkten, die sich meist ausserhalb von Deutschland befinden hat er sichtbar keine Ahnung und er lässt sich auch nicht beraten. Es ist, als würde er den Euro-Absturz herbeireglementieren wollen. Dieser Wunsch wird ihm bald von den Fondmanagern in New York, London, Zürich, Tokio erfüllt werden.
Antworten - Kommentar von Dr Gunther Kümel (29.05. 2010 09:59 Uhr):
Sehr geehrter Herr Hahn, Wieder bewähren Sie sich als der (der einzige?), der mutige, klare Worte spricht! Es wäre ja nur zum Nutzen der BRD, wenn der unendliche Geldabfluß endlich gestoppt werden könnte, den der Euro für die Nettozahler bedeutet. Aber es scheint mir, als wären Sie immer noch viel zu optimistisch, was den Informationsgehalt von Meldungen der Medien betrifft. Nicht alleine in der BRD ist die Medienwelt gleichgeschaltet, sondern weltweit. Ein "neutrales" Beispiel: Während selbst in den USA nur noch eine kleine Minderheit an die offizielle Version der 9/11-Darstellung glaubt, steht in allen großen Zeitungen immer nur dasselbe, und die TV-Stationen beten den gleichen Sermon. Sollte dies vielleicht daran liegen, daß die Medien nicht so sehr die Botschaft ihrer Regierungen verkünden, sondern im ganz speziellen Interesse ihrer (wenigen!) Eigentümer handeln??
Antworten - Kommentar von Margot Knipe (29.05. 2010 15:35 Uhr):
Da haben Sie recht! Leider ist es jetzt schon wie in der damaligen DDR, es wird nur das veröffentlicht, womit auch der Staat einverstanden ist. Es gibt soviel Unaufrichtigkeit und kaum einer hat dann noch den Durchblick. Schade, dass so viele Menschen nur an sich selbst denken. Das machen uns ja die regierenden Politiker vieler Länder vor, sie wirtschaften nur in die eigene Tasche und kümmern sich nicht wirklich um das Volk. Danke, dass Sie noch so viel Mut haben und ehrlich sind!
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