Plan B
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 31. Dezember 2008, 07:30 Uhr
ENL5454
Das Schlimmste liegt hinter uns. Zumindest in der nördlichen Hemisphere. Vor Weihnachten war die Welt am weitesten von der Sonne weggekippt und ließ die nördlichen Breitengerade über weite Teile des Tages in der Dunkelheit.
Hier in Paris ist es um vier Uhr nachmittags praktisch dunkel... und um neun Uhr morgens ist es immer noch dunkel.
Aber die Erde dreht sich weiter. Es geht immer weiter rund herum. Sie scheint nie zu stoppen. Oh... mir wird schwindelig.
Und wenn es auch heute noch dunkel und kalt ist... so wird es bald wieder sonnig und warm sein. Von jetzt an wird die Sonne mit jedem Tag etwas länger am Himmel stehen. Nach und nach werden wir wieder stärker in der Gunst der Sonne stehen.
Aber ich kann mich nicht erinnern, je so viele Vorahnungen in der Weihnachtssaison gesehen zu haben. Die Unternehmen überall auf der Welt melden Konkurs an. Die Menschen verlieren ihre Arbeitsplätze. Banken nehmen Immobilien in den Besitz zurück. Die Preise werden gesenkt.
Erst kürzlich habe ich mich an Elizabeth gewandt: Wir werden im nächsten Jahr zu Plan B übergehen müssen."
Plan B?"
Ja, wir müssen unsere Ausgaben zurückfahren. Plan A wäre gewesen, so weiter zu machen wie bisher. Plan B ist der, bei dem du einige deiner Pferde loswerden musst. Und dann gibt es noch Plan C..."
Plan C?"
Ja, im Falle von Plan C werden wir die Pferde essen müssen."
In Kalifornien hat die Arbeitslosigkeit den höchsten Wert in 14 Jahren erreicht - mit 8,4%. Die Absätze der Automobilbranche in Europa sind eingebrochen. HSBC sagt, man würde mehr Geld brauchen. Louis Vuitton hat einen neuen Vorzeigeladen in Tokio abgesagt. Der Verkehr am Flughafen Gatwick in London ist im Vergleich zum Vorjahr um 13% eingebrochen.
Das sind die Schagzeilen eines einzigen Tages der vergangenen Woche. Jeden Tag das Gleiche - noch mehr Rückschläge... mehr Pleiten... mehr Probleme.
Ähnliche Nachrichten vom Dow, von Öl, den Schatzanleihen. Die Leute sind eifrig darum bemüht, ihr Geld in die Schatzbriefe zu stecken - sogar zu diesen winzigen Erträgen. Sie sagen, dass sie damit vielleicht kein Geld machen, aber wenigstens auch kein Geld verlieren.
(Ich sage voraus, dass sie einen großen Teil ihres Geldes verlieren werden... wann es soweit ist, kann ich nicht sagen.)
Und ich will eine weitere Vermutung wagen. Wenn es in Paris und in New York wieder warm sein wird, dann wird die Finanzkrise immer noch gegenwärtig sein. Das ist richtig. Marktzyklen dauern länger als die Zyklen des Planeten. Der Bullenmarkt bei Aktien hat angefangen, als es sonnig und warm war, im August 1982. Seither hat die Erde 26 Mal ihren Weg um die Sonne zurückgelegt... und der Dow ist um das 20-fache gestiegen.
Sie glauben doch nicht, dass ein so großer, über Generationen andauernder Bullenmarkt in einem einzigen Jahr korrigiert wird, oder? Sie glauben doch auch nicht, dass die Korrektur den Dow um nur ungefähr 45% senken wird, oder? Sie glauben doch nicht, dass die Leute bei Plan A bleiben können, oder?
Ich glaube das alles nicht. Das Schlimmste liegt immer noch vor uns.
Und das ist der Grund dafür:
Als der Boom begann, waren die Leute sehr langsam, als es darum ging, dahinter zu kommen. Sie erinnerten sich an die siebziger Jahre und sie waren beunruhigt. Als der Dow von 800 Punkten auf 1.800 Punkte stieg, da dachten sie, sie sähen hinter jeder Straßenecke den Crash. Und dann hat der Dow im Oktober 1987 2.700 Punkte erreicht und ist eingebrochen - um 507 Punkte innerhalb eines einzigen Tages. Die Anleger dachten, der Bullenmarkt sei damit vorbei. Stattdessen hat er sich weiter fortgesetzt.
Bis Dezember 1996 hatte der Dow 6.437 Punkte erreicht. Alan Greenspan, der zu Beginn seiner Karriere genauso ahnungslos war wie zu Ende seiner Karriere, bezeichnete es als das Ergebnis einer irrationalen Überschwänglichkeit."
Aber der Boom setzte sich weiter fort. Und nach und nach haben die Leute angefangen zu akzeptieren, dass Aktien auf lange Sicht" immer steigen würden und dass Häuser immer weiter im Wert steigen würden. Ach ja, auch einen Arbeitsplatz wird es immer geben... genauso wie Kredite. Am Anfang des Booms hatten die Leute ungefähr 10% ihres Einkommens gespart. Aber als ihr Vertrauen in den Boom wuchs, sanken diese Ersparnisse. Es gab keine Notwendigkeit mehr, Geld für Schlechtwetterzeiten zu sparen - denn es regnete nie.
Und wenn sie Geld brauchen würden, dann konnten sie sich immer noch an die Ersparnisse eines anderen wenden. Geld zu lagern fing an so altmodisch zu wirken, wie das Einmachen von Tomaten. Warum sollte man sich die Mühe machen? Man kann frische Tomaten jederzeit im Supermarkt bekommen. Und bis vor Kurzem konnte man noch all das Geld, das man brauchte, aus den Kreditkarten und über eine Belastung des Eigenkapitalanteils des eigenen Hauses bekommen.
Die Sparrate fiel auf Null.
Und dann hat es natürlich angefangen zu regnen. Und jetzt wird der Mangel an Ersparnissen zu einer ernsten Krise auf Haushaltsniveau. Es gibt sie nicht mehr, die lächelnden Gesichter in den Abteilungen für Kredite auf das Eigenkapital des eigenen Hauses. Und mit der Post kommen auch keine neuen Kreditkarten mehr an.
Ein wenig Einsicht von der Durham University in Großbritannien. Einige mögen davon ausgegangen sein, dass die Leute während der Blasenepoche ihre Kredite für außergewöhnliche Ausgaben verwendet haben... indem sie z.B. ihre Häuser angebaut haben oder eine Reise unternahmen, wie man sie nur einmal im Leben macht. Wenn es so wäre, dann könnten sie jetzt einfach auf diese zusätzlichen Ausgaben verzichten. Ihr Leben wäre vielleicht nicht mehr so lustig... aber zumindest wären sie noch solvent.
Aber so ist es nicht. Es stellt sich heraus, dass die Leute sich daran gewöhnt haben, von der Abschöpfung des Eigenkapitals ihrer Häuser zu leben. Sie haben sich auf dieses Geld verlassen, um die Lücken in ihren Haushaltsbudgets zu stopfen.
James Saft: "Es scheint sogar so zu sein, dass die Leute in Großbritannien während der Boomzeiten ihre Häuser nicht belastet haben, um einen neuen BMW zu kaufen, oder um für eine Ferienreise zu bezahlen, sondern eher, um ihre Haushalte in harten Zeiten in Gang zu halten."
Um es kurz zu machen, haben sie diese Kredite anstelle von Ersparnissen verwendet - z.B. wenn sie krank wurden, oder wenn sie ihren Arbeitsplatz verloren haben, oder wenn es eine andere Krise gab.
Und jetzt kommt eine weitere Krise - die weltweite Finanzkrise - und sie müssen zu Plan B übergehen. Aber wie? Sie haben keine Ersparnisse. Sie können kein Geld mehr leihen. Was werden sie tun, wenn sie ihre Stelle verlieren?
Man kann immer noch irgendwo Buletten braten", war der ärmere Cousin der Redewendung die sagte, dass Aktien langfristig immer steigen". Diese beiden Phantasien waren von einem Boom abhängig. Der Boom ist nun nicht mehr da... und genauso wenig die Stellen... schon bald werden sie einen wahnsinnigen Blick in den Augen haben... und ein Schlachtmesser in ihren Händen. Sehen Sie sich um!"
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