Pläne zur Rettung der Wirtschaft
unserem Korrespondenten Bill Bonner in Investors Daily
vom 21. November 2002 18:00 Uhr
ENL5454
Gegen Ende des letzten Jahrtausends hatte die amerikanische Wirtschaft den Zustand fast vollständiger Perfektion erreicht. Jeder war auf den amerikanischen dynamischen Kapitalismus neidisch. Soweit man sehen konnte, wurde alles immer besser, ohne Unterbrechung – dank der neuen Technologien, dank Kaufen und Liegenlassen und dank der erleuchteten Führung der amerikanischen Zentralbank.
Aber jetzt, kaum zwei Jahre später, merken wir, dass doch irgendwas schief gelaufen sein muss. Jetzt scheint jeder der Ansicht zu sein, dass man den Kapitalismus irgendwie wieder verbessern muss.
Präsident Bush könnte das tun, das schrieb jedenfalls David Ignatius in der Wochenendausgabe des International Herald Tribune. Ignatius meint, dass Bush dass auch schon längst getan hätte, wenn ihm nicht diese Leute von der Demokratischen Partei dazwischengefunkt hätten.
Und vorgestern hat Alan Greenspan gesagt, dass er die Dinge wieder richten könnte. Natürlich, er hat die Zinsen schon 12 Mal gesenkt. Es stimmt auch, dass der Zinssatz für Interbanken-Tagesgeld bei 1,25 % liegt, und damit 2,35 % unter der Inflationsrate. Banken können sich damit zu real negativen Zinsen Geld leihen. Und es stimmt auch, Greenspan gab das zu, dass trotz seiner Anstrengungen der letzten zwei Jahre die Investitionen der Firmen schwach bleiben. Derzeit gibt es eine Situation, in der "fast jeder nichts macht".
Aber das bedeutet nicht, dass er nichts mehr machen kann, meint Greenspan, der bestbekannteste öffentliche Angestellte seit Pontius Pilatus.
Und jetzt kommt auch noch John Crudele von der New York Post ins Spiel. Wenn dieser Mann sein Gehirn noch nicht vollständig verloren hat, dann hat er es bestimmt am falschen Platz. Er bietet seinen eigenen Plan, um die Wirtschaft wieder auf den richtigen Weg zu bringen.
Wie?
Er will den Leuten erlauben, aus Altersvorsorgefonds und Pensionsfonds Geld rauszuziehen, das sie dann in den Konsum stecken können, und das soll keine steuerlichen Benachteiligungen nach sich ziehen.
Das wirkliche Problem in Amerika ist, dass in der Vergangenheit zuviel konsumiert wurde. Heute haben die Konsumenten deshalb zu viele Schulden und nicht genug Ersparnisse.
Aber man solle sich keine Sorgen um Morgen machen, so Crudele, "wenn Amerika heute mit Problemen konfrontiert ist." Crudele glaubt, dass die wirkliche Arbeitslosenrate bei 10 % liegt – "wenn man die Leute, die sich offiziell gar nicht registrieren lassen, weil sie zu entmutigt sind, mit einbezieht." Und er glaubt, dass die Nation mehr Konsumausgaben braucht. Um sicher zu gehen, dass diese Ausgaben auch effektiv sind, schlägt er vor, dass der Kongress den Leuten sagen sollte, was sie kaufen können.
Zum Beispiel – so Crudele in seinen Halluzinationen – könnten die Leute dazu ermutigt werden, mehr in die Luftfahrtindustrie zu investieren ... wenn dieser Industriezweig versprechen würde, mehr Jobs zu schaffen.
Fast alle amerikanischen Fluggesellschaften leiden darunter, dass ihre Ausgaben im Verhältnis zu den Umsätzen zu hoch sind. Was daran gut wäre, wenn die Ausgaben durch noch mehr Personal weiter steigen würden – das erklärt Crudele nicht. Aber das ist das Gute an so einem Plan, der "die Wirtschaft retten" soll. Oder sogar den Planeten. Man kann die Details anderen überlassen.
Das wirkliche Problem solcher Vorschläge ist, dass die Autoren nicht die Genialität des Kapitalismus verstehen – oder anerkennen. Nur weil die Leute nicht reich werden, muss mit dem Kapitalismus nicht etwas falsch sein.
Aber die Größe des Kapitalismus ist nicht, dass er Leute reich macht, sondern dass er sie bescheiden macht.
Natürlich passiert das nicht über Nacht ... und niemals ohne Schmerzen. Erwachsene weigern sich zu lernen, wie 9jährige. Statt aus ihren Fehlern zu lernen, hangeln sie sich von einer Illusion zur nächsten, bis schließlich der Wahnsinn – und ihr Geld – weg sind.
"Die Investoren sind davon überzeugt, dass die Politik alle Probleme lösen kann", so Stephen Roach, "von Deflation über Spekulationsblasen bis hin zu geopolitischen Bedrohungen (Irak und Terrorismus)."
Auch diese Illusion wird zerstreut werden – früher oder später. Aber machen Sie sich keine Sorgen. Die Entwicklung hin zu Bescheidenheit ist nichts Schlechtes für eine Nation. Im Gegenteil, diese Entwicklung ist moralisch sehr gut, und sie ist unterhaltend.