Pierre und Pierre
Investors Daily
vom 12. Juli 2005 18:00 Uhr
ENL5454
Ich bin einfach nur ein bescheidener amerikanischer Schriftsteller mit einer Schwäche für die alten französischen 'Pierres', sagte ich zu einem Bauern. Irgendwann hat einer der Pierres den Witz verstanden.
Das Mittagessen war von einem Pierre organisiert worden, um mir einen anderen Pierre vorzustellen. Die beiden Pierres werden mit mir Geschäfte machen. Sie ziehen Limousin-Rinder auf meiner Farm in der Normandie auf. Was die Bauern wissen wollten war, was ich dort zu suchen habe. An dieser Stelle kamen die anderen "pierres" ins Spiel. Zusätzlich zum Vornamen, Peter auf Deutsch, bedeutet das Wort "pierre" auch noch "Stein". Christus hat sich der gleichen Doppeldeutigkeit in einer Version eines französischen Gospels bedient, als er sagte: "Auf diesem "pierre" will ich meine Kirche gründen." Petrus hat getan, was man ihm gesagt hat.
Es sieht so aus, als könnte ich an keinem Haufen Steine (pierres) vorbeigehen, ohne ihn besitzen zu wollen und so bin ich zum Besitzer einer riesigen Steinruine auf dem Land in der Normandie geworden, modrig und im Inneren von einem holzfressenden Pilz befallen. Und auf diese Weise bin ich auch zu einem Experten für französische Renovierungsprojekte geworden.
Das MoneyWeek Magazin hat mich nach meinen Ansichten zu französischen Chateaux befragt. Ich lebe schon seit einem Jahrzehnt unter den Franzosen. Ich habe viel über ihre Art und ihre Art zu wohnen gelernt.
Ich habe mich daran erinnert, wie ich mein erstes Chateau in den frühen Jahren der Clinton Regierung gekauft habe. "Im Sommer regnet es nie", sagte einer der Pierres, "und, nein, es regnet nicht durch das Dach." An einem Tag mitten im Juli fand ich heraus, dass er gleich zweimal gelogen hatte. Aber das war nur der Anfang des Abenteuers. Nichts ist in Frankreich jemals so gerade, wie man es sich als Angelsachse vorstellt. Weder die Leute, noch die Gesetze, noch die Wände im Chateau. Alles hat immer ein bisschen Spiel.
Ich begann meine Beratungen zu den Chateaux mit Erklärungen über meine Suche nach dem ersten Chateau. Ich hatte mir Dutzende davon angesehen, viele davon waren im Besitz von Engländern. Die meisten litten unter den gleichen Problemen – die Besitzer hatten etwas angefangen, es dann aber nicht durchgezogen. Einige wenige Zimmer waren renoviert. Andere waren wie gehabt. Die Dächer waren immer noch undicht. Das Heizungssystem knackte. Der Putz war brüchig. Und schließlich hatten die Besitzer ihre Sachen zusammengepackt und das Chateau verlassen.
"Als ich hier ankam", sagte ein älterer Engländer, der noch nicht das Weite gesucht hatte, "war das Chateau in Ruinen. Aber ich war in guter Verfassung, sowohl finanziell als auch physisch. Jetzt ist das Chateau in guter Verfassung und ich bin ruiniert. Man kann die Dinge zum Laufen bringen, aber es kostet einen viel Geld.
Chateaux sind relativ günstig zu kaufen, aber es ist sehr teuer, sie zu renovieren und am Laufen zu halten. Meine Erfahrungen sind, dass es ungefähr das Doppelte der Kaufsumme kostet, sie zu renovieren. Verglichen mit den Preisen in England bekommt man hier aber immer noch viel für sein Geld. Ein renoviertes Gebäude kann man für ein Drittel oder die Hälfte von dem kaufen, was etwas Gleichwertiges in England kosten würde.
Ein Käufer muss aber auch die nichtfinanziellen Kosten bedenken. Ein Chateau zu renovieren kostet viel Zeit. Daran zerbricht oft nicht nur das Portemonnaie, sondern auch die Nerven und manchmal die Ehe. Es gibt all diese Pierres, mit denen man zu tun bekommt. Und die Sprache. Und die Regierung. Und die Gemeinschaft. Und die Reisen hin und her. Und das Gefühl der Entfremdung. All das zusammengenommen zerbricht die Käufer.