Phily Fed Index weist auf Seitwärtsbewegung der US-Indizes hin!
Jochen Steffens in Investors Daily
vom 19. Oktober 2007 18:00 Uhr
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Gestern um 18:00 Uhr wurde der Phily Fed Index veröffentlicht. Dieser Index, der von der Philadelphia Federal Reserve Bank erhoben wird, ist ebenfalls ein Index des verarbeitenden Gewerbes. Zur Erhebung werden ca. 100-125 Unternehmen mit mind. 100 Mitarbeitern befragt.
Und dort gab es gestern eine Entwicklung, die alle Alarmglocken klingeln lassen sollte!
Es ist nicht, dass der Philadelphia-Fed-Index im Oktober unerwartet stark von zuvor 10,9 Punkte auf nunmehr 6,8 gesunken ist. Diese Fluktuation ist vergleichsweise harmlos. Nein, wichtig ist, dass der Unterindex für die bezahlten Preise im Oktober auf plus 40,3 nach zuvor 23,1 Punkte gestiegen ist und sich somit fast verdoppelte. Der Index für die erzielten Preise lag bei 12,4 nach zuvor 3,3 Punkten.
Es verdichtet sich demnach immer mehr, dass hier Inflation im Anmarsch ist! Wie ich schon mehrfach erläutert habe, führen Inflationsszenarien gerne zu Seitwärtsbewegungen. Dazu gleich mehr.
Mich wundert, dass der Markt bisher nicht so recht anerkennen will, dass größere Inflationsgefahren auf uns zukommen. Sonst reagiert er doch auf das böse „I-Wort“ immer höchst hysterisch. Das liegt wahrscheinlich daran, dass die Verbraucherpreise, aber auch die "bezahlten Preise" des ISM-Index des verarbeitenden Gewerbes bisher noch nicht weit genug ausgeschlagen sind. Vielleicht erinnern Sie sich, im ISM-Index des verarbeitenden Gewerbes war bisher ein Preisanstieg nicht zu erkennen gewesen.
Betrachtet man allerdings die neuesten Entwicklungen der regionalen Erhebungen, dann muss man einfach damit rechnen, dass auch der ISM-Index bei seiner nächsten Veröffentlichung einen deutlicheren Anstieg ausweisen wird. Damit dürfte dann aber immer fraglicher werden, ob die deflationären Momente, von der auch die Fed im Beige Book gesprochen hat, noch lange die Inflationsfaktoren kompensieren können.
Eine These überprüft!
Mich hat interessiert, welche Wirkung ein starker Preisanstieg bei den bezahlten Preisen des Phily Fed auf die weiter Entwicklung hat und bin dabei auf ganz beachtliche Zusammenhänge gestoßen.
Dazu habe ich einmal weit zurückgeschaut:
Das ist der Phily Fed seit 1968 (ältere Zahlen liegen nicht vor). Die rote Linie ist der Index der bezahlten Preise, die schwarze der Gesamtindex. Zwei markante Linien fallen bei den bezahlten Preisen auf: Die 40 Punkte Marke und die 60 Punkte Marke.
Nahezu immer, wenn die bezahlten Preise über 40 Punkte angestiegen sind, folgt eine Schwäche-Phase im Phily Fed (Werte unter 0). Werte unter 0 weisen auf eine Abschwächung der Wirtschaft (in der Region) hin.
Sehr schön ist auch die lange Inflationsphase im Zuge der Ölkrisen in den 70ern zu erkennen. Der Unterindex der bezahlten Preise erreicht in dieser Zeit häufiger Werte über 60 Punkte. Offenbar ist das die entscheidende Marke, die uns ein Ausufern der Inflation anzeigt.
Werte über 40 weisen auf eine Seitwärtsbewegung hin
Doch noch etwas anderes höchst interessantes ist zu beobachten:
Als die bezahlten Preise von Februar 2004 bis Februar 2005 über 40 Punkte standen, sank der Gesamtindex lediglich auf den Null-Punkt und fiel damit nicht, wie in den anderen Fällen, deutlich in den Minusbereich.
Aber an den Börsen (S&P500) folgte trotzdem von Anfang 2004 eine leicht abwärtsgerichtete Seitwärtsbewegung und der der Ausbruch gelang erst im November 2004.
Aus diesem Grund habe ich untersucht, ob auch in den anderen Phase der Markt seitwärts gelaufen ist, wenn der Index der bezahlten Preise über 40 Punkte angestiegen ist.
Auflistung der Phasen in denen der Index der bezahlten Preise über 40 Punkte lag
Im Februar 2000 näherten sich die "bezahlten Preise" der 40-Punkte-Marke. Ob man die nachfolgende Krise an den Finanzmärkten in diesen Zusammenhang bringen kann, sei mal dahingestellt. Zumindest aber folgte ab Februar 2000 bis August 2000 im S&P500 eine Seitwärtsbewegung.
August 1994 bis März 1995. Das Hoch lag in dieser Zeit bei 55,4. Der Phily Fed rutschte anschließend auf minus 19,7 Punkte im Juli 1995.
Von Februar 1995 bis Februar 1995 gab es eine Seitwärtsbewegung im S&P500
September 1987 bis Juli 1989. Das Hoch lag bei 61,5 Punkten.
Im September 1987 gab es den bekannten Börsencrash. Tatsächlich wurde erst im Juli 1989 das Hoch vor diesem Crash überboten. Auch das passt perfekt.
Davor in den 70ern bis November 1981 gab es die große Inflationsphase in den USA, die unter anderem durch die Ölkrisen bedingt war. In dieser Zeit lief der S&P500 20 Jahre seitwärts und konnte tatsächlich erst um 1981 herum diese Seitwärtsbewegung verlassen, der eigentliche Ausbruch kam allerdings erst Ende 1982.
Es scheint also tatsächlich ein Zusammenhang zwischen Inflation und Seitwärtsbewegungen an den Börsen zu erkennen sein. Zumal dieser Zusammenhang auch aus fundamentaler Sicht Sinn macht.
Die entscheidende 40-Punkte-Marke
Wichtiger ist jedoch, dass die 40-Punkte-Marke im Phily Fed offenbar tatsächlich die markante Marke darstellt, an der es für die Märkte kritisch wird. Steuern wir also aktuell auch wieder auf eine mehrmonatige Seitwärtsbewegung zu?
Es wird davon abhängen, ob sich die Fed traut, die Zinsen weiter zu senken. Das könnte den Markt noch eine Weile beflügeln, birgt aber die Gefahr, dass der Dollar weiter abwertet und es insgesamt zu einer Verschärfung der Inflationsrisiken kommt. Es wäre ein sprichwörtlicher Bärendienst, denn offensichtlich ist es wichtiger eine Inflation zu bekämpfen, als eine Rezession zu verhindern. Das war zumindest das, was Ben Bernanke in seiner Zeit als Professor beständig vertreten hat.
Ölpreis könnte bald sinken
Die Fed könnte allerdings ein wenig „Luft“ in ihren Zinsentscheidungen dadurch erhalten, dass der Ölpreis deutlicher sinkt. Wir wissen, dass das 4. Quartal aus saisonaler Sicht das schwächste für den Ölpreis ist. Dazu nächste Woche mehr...
Zu einem ganz anderem Thema:
Gerüchte zur Abgeltungssteuer!
Am Montag habe ich eventuell einen Knaller für Sie. Ich warte nur noch auf eine Bestätigung seitens bestimmter Quellen. Bisher handelt es sich nur um ein Gerücht (!!!), das sich jedoch in Bankenkreisen schon weit verbreitet hat. Gemeinhin gebe ich nicht viel auf Börsengerüchte. Aber es kann sein, dass die Regierung beschließen wird, den Stichtag für die Abgeltungssteuer auf Ende Oktober / Anfang November diesen Jahres (2007) vorzuverlegen. Genaueres dazu hoffentlich am Montag.
Viele Grüße
und ein erholsames Wochenende
Ihr
Jochen Steffens

