Philosophische Vorurteile
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 19. August 2008, 00:00 Uhr
ENL5454
Aber ja, wir haben uns vor zwei Jahren getroffen", sagte ein neuer Freund vergangene Woche bei einer Party. Sie haben gesagt, ich soll Gold kaufen. Zu diesem Zeitpunkt dachte ich, das sei ein wenig exzentrisch... Gold zu kaufen, meine ich. Aber dann ist der Preis gestiegen... und ich habe an Sie gedacht."
Nun", sagte ich, jetzt steigt Gold nicht mehr. Aber ich habe es noch nicht aufgegeben. Noch nicht. Die meisten Analysten gehen davon aus, dass die Krise im Finanzsektor so ziemlich hinter uns liegt. Sie gehen davon aus, dass sie das Schlimmste schon gesehen haben. Sie gehen nicht davon aus, dass es zu weiteren großen Bankenpleiten kommen wird. Und sie denken, dass der Dollar zurückkommt. Sie rechnen damit, dass die Inflationsrate moderat bleiben wird. Sie halten Ausschau nach einer großen, weichen Landung für die gesamte Weltwirtschaft."
Aber die Finanzanalyse ist, zumindest auf diesem Makroniveau, weitestgehend Betrug. Es ist unmöglich all die verschiedenen Einflüsse zu berücksichtigen - viele davon sind ausschließlich psychologisch oder emotional - und so zu einem logischen Urteil über das zu gelangen, was passieren wird. Man kann sich ein Urteil bilden, aber das Urteil ist normalerweise von einer Art philosophischem Vorurteil geleitet.
Sagen wir beispielsweise, dass es einem nicht gefällt, dass all die Asse an der Wall Street so gewaltige Prämien dafür erhalten, dass sie etwas tun, von dem man weiß, dass es überwiegend ein großer Wirbel ist, der nur dazu dient, die kleinen Leute am Markt zu beeindrucken. Und dann ist man sicher, dass sie früher oder später auf die eine oder andere Weise das bekommen werden, was sie verdient haben. Also blickt man sich um und versucht eine Rechtfertigung für den eigenen Standpunkt zu finden. Und es gibt so viele Fakten und Theorien, dass man immer das findet, wonach man gerade sucht."
Wissen Sie, an den Finanzmärkten ist es sehr lange sehr gut gelaufen. Große Aktienmarktindizes sind gegenüber ihren Spitzenwerten um 15% gefallen. Und keine der großen Ökonomien befindet sich - zumindest vorerst - in einer Rezession. Die Arbeitslosigkeit in den Vereinigten Staaten ist immer noch nicht auf 6% gestiegen. Gold ist noch nicht höher als vor 28 Jahren - nominell. Die Leute verleihen immer noch Geld an den größten Schuldner der Welt - die Vereinigten Staaten - und das mit 3,94% über 10 Jahre. Und der Dollar wird immer noch für einen Wertbehalter gehalten, selbst wenn Billionen davon in den Schatzkammern der Zentralbanken liegen... und der wackelige Turm der dollarbasierten Kredite schon bis zur Sonne wächst."
Aber die Investoren reden so, als sei es das Ende der Welt. Das ist es nicht. Es ist nur der Anfang einer großen Korrektur... und vielleicht ist es erst der Anfang des Anfangs."
Und wenn es vorbei ist, dann werden die Leute mehr als Erträge von 10% haben wollen, wenn sie Geld an die Regierung verleihen. Das weltweite Geldsystem wird vermutlich eingebrochen sein und durch etwas anderes ersetzt. Aktien werden vermutlich für KGVs unter 8 verkauft. Zehn Prozent der amerikanischen Bevölkerung wird vermutlich pleite sein - das sind 30 Millionen Leute. Und Gold wird vermutlich für mehr als 2.000 Dollar pro Unze verkauft werden."
Natürlich kann zwischen jetzt und dann alles passieren", musste ich zugeben.