Philosophische Fragen in schwierigen Zeiten (Teil 2 von 3)
Martin Stephan (Chefredakteur "Wahrer Wohlstand") in Investoren Wissen
vom 18. Juni 2009, 16:00 Uhr
ENL5454
(Fortsetzung des Artikels von gestern)
Ferner werden in EU-Europa immer mehr Entscheidungen durch Brüssel diktiert und müssen folglich von den Landesparlamenten nur noch umgesetzt werden. Zwar ist das Europa-Parlament inhomogen und ein Sammelsurium an einzelnen Polit-Richtungen, aber immerhin von den EU-Bürgern frei gewählt. Allerdings übertragen die schwankenden politischen Mehrheiten dann die Durchführung Ihrer Ideen den EU-Kommissaren – die zudem auch selbst aktiv werden dürfen, falls sie vermeintliche Verstöße gegen EU-Recht entdeckt haben.
De facto geht damit die Entscheidungsgewalt nur allzu häufig von der mächtigen EU-Kommission aus, einer Truppe von ernannten (nicht von der Bevölkerung gewählten!) Polit-Lobbyisten, die in ihren Heimatländern zumeist politisch ausrangiert wurden. Das lässt natürlich einige Schlüsse auf die Qualität der geleisteten politischen Arbeit zu.
Merke: Weder in den Landesparlamenten noch auf europäischer Ebene geht die Macht vom Volke aus.
Der Bürger wird lediglich benutzt, um angebliche politische Freiheit zu alimentieren. Erfolgreiche politische Arbeit, die auch Chancen auf sichtbare Erfolge hat, wird fast ausschließlich auf kommunaler Ebene, häufig sogar parteiübergreifend geleistet. Leider bzw. politisch gewollt besitzen die Kommunen in der Mehrzahl nur sehr begrenzte (zugeteilte) Mittel, so dass ihr Erfolg nur punktuell den Bürgern zu Gute kommt, aber immerhin …
Ohne Kredite der Geschäftsbanken stehen die Räder still
Auf wirtschaftlicher Ebene liegen die größten Wissensdefizite der Bevölkerung in Bezug auf die Geldgenerierung vor.
Die aktuelle Krise macht es aber für alle deutlich, die es sehen wollen: Die Politik hat keine andere Wahl, als Billionen an Euro und Dollar bereitzustellen, um der gebeutelten Branche wieder auf die Beine zu helfen. Denn ohne den Geldfluss der Banken dreht sich im Kapitalismus kein Rad mehr.
Es gelten aber noch andere Zusammenhänge:
So gibt es einen direkten Zusammenhang zwischen der Bereitschaft der Banken, Unternehmen Kredite zu geben, und der Höhe der Arbeitslosigkeit. Wann immer Kreditgeld als Schmiermittel der Wirtschaft knapp wird, steigen die Arbeitslosenzahlen proportional an. Zu berücksichtigen ist allerdings, dass die Beschäftigung ein nachgelagertes Ereignis ist, also etwas Zeit benötigt, um sichtbar zu werden.
Auch wenn es niemand zu gibt: Deutschland steht vor Massenentlassungen
Dieses Phänomen sorgt gegenwärtig dafür, dass die aktuelle Lage in Deutschland deutlich besser wahrgenommen wird, als sie tatsächlich ist.
So vermeldete die Agentur für Arbeit noch im Oktober 2008 – also bereits mitten in der Krise – die geringste Arbeitslosenrate innerhalb dieses Aufschwungzyklus’. Folglich fiel auch das Weihnachtsgeschäft längst nicht so schlecht aus wie befürchtet. Noch immer gibt es erst sehr begrenzt Entlassungen, vielmehr flüchten sich Arbeitgeber und Gewerkschaften in das Konstrukt der Kurzarbeit und beugen so Entlassungen vor.
Doch dieses Modell läuft langsam aus, die Entscheidung rückt näher. Verbände, „Wirtschaftsweise“ und die stets optimistische Regierung machen derzeit Hoffnung, dass es aus der Kurzarbeit wieder in die Vollbeschäftigung gehen wird. Nehmen Sie mich hier beim Wort, wenn ich Ihnen sage, dass dies nicht der Fall sein wird. Deutschland steht vor Massenentlassungen, da die Krise noch lange nicht überwunden ist – wobei sich die Situation verschärfen wird, denn schon bald werden nicht nur die Kurzarbeiter nicht mehr arbeiten, sondern neue Gewinneinbrüche bei Unternehmen werden zudem nicht länger über den Umweg des gescheiterten Modells der Kurzarbeit für die Beschäftigten abgewickelt – es wird sofort zu Entlassungen kommen.
(Fortsetzung und letzter Teil des Kommentars in der morgigen Ausgabe von Investoren Wissen)
ANMERKUNG DER REDAKTION:
Martin Stephan ist Chefredakteur des Börsendiensts "Wahrer Wohlstand", der sich durch seine sichere Anlagestrategie und schonungslos offene und ehrliche Berichterstattung auszeichnet. Die Empfehlungen von "Wahrer Wohlstand" decken ein breites Spektrum krisensicherer als auch spekulativerer Investments ab. Darüber hinaus bietet Herr Stephan immer wieder auch Absicherungsstrategien und -investments zur Sicherung des eigenen Vermögens in der Krise an. Mehr zu "Wahrer Wohlstand" erfahren Sie hier...