Philadelphia-Fed-Index: Trendwende in diesem Jahr
Andreas Wolf in DAX Daily
vom 16. Januar 2009, 08:00 Uhr
ENL5462
Liebe DaxDaily Leser,
nachdem in den letzten Zügen des Jahres 2008 lange genug vom wirtschaftlichen Absturz im Jahr 2009 gewarnt wurde, ist es mit Sicherheit ganz hilfreich, sich an den harten Fakten der US-Konjunktur, an der letztendlich noch immer die Gesundung der Weltwirtschaft hängt, zu orientieren. Ein weithin beachteter Vorläufer für die Entwicklung der US-Wirtschaft ist der Philadelphia-Fed-Index. Er beschreibt schwerpunktmäßig die Entwicklung des verarbeitenden Gewerbes im Großraum Philadelphia anhand der Aktivität der Industrie. Der Index, der von der Federal Reserve in New York ermittelt wird, gilt als zuverlässiger Indikator für die Entwicklung des ISM-Index, der die Stimmung der Einkaufsmanager in den USA wiedergibt. Im 40-Jahres-Chart erkennt man, dass der Index während der Rezessionsphasen 1973 bis 75, 1980-1982 und 1990-1992 tiefer notierte als aktuell. Mit der Wahl Barrack Obamas zum neuen US-Präsidenten setzte in dem Konjunktur-Barometer eine Trendwende ein, die sich mit den Zahlen von gestern bestätigte. Verbesserte sich der Index im November von -40 auf -36 Punkte, so sprang er im Dezember weiter auf -26 Punkte nach oben.
Von einer tatsächlichen Trendwende zu sprechen wäre vermutlich zu früh, denn die zu beobachtende Entwicklung dürfte zunächst eindeutig auf den Wechsel in der Chefetage des Weißen Hauses zurück zu führen sein. Dennoch gibt es Parallelen zu den letzten Rezessionsphasen, insbesondere zu 1975. Zwar hat der Philadelphia-Fed-Index den Tiefpunkt der damaligen Rezession im Bereich um -60 Punkte bisher nicht erreicht (genauso wie 1980 und 1991), aber selbst der kommende Präsident erwartet zunächst noch eine Verschlechterung der Situation bevor es zu einer durchgreifenden Wende kommt. Die politische Ausganglage ähnelt im Übrigen jener der vergangenen Tiefpunkte durchaus. 1975 musste Gerald Ford die Scherben des zurück getretenen Richard Nixon als US-Präsident kitten und 1981 verabreichte Ronald Reagan dem Land erst einmal bittere Medizin, um die Hinterlassenschaft Jimmy Carters zu beseitigen. Beide Jahre entwickelten sich an den Aktienmärkten jeweils als Trendwendejahre, die nach dem Erreichen eines Baisse-Tiefpunktes eine starke Erholung folgen ließen.
Sicher ist aber damit natürlich auch, dass der US-Aktienmarkt sich vor den europäischen Aktienmärkten erholen wird. Das klassische Muster der vergangenen Jahrzehnte wird deshalb auch diesmal wieder greifen. Das Leiden der US-Börsen könnte demnach schon in diesem Sommer zu Ende gehen, während der DAX noch durch die Bundestagswahl Ende September diesen Jahres belastet werden wird. Sein Startsignal dürfte dann im letzten Quartal 2009 folgen, denn dann wissen auch die ausländischen Investoren mit welchen politischen Verhältnissen sie in Deutschland zu rechnen haben. Wann der US-Markt hingegen sein Jahrestief sehen könnte, bleibt fraglich. Der Blick auf den Philadelphia-Fed-Index sollte aber dabei helfen. Die kurzfristige Verbesserung der Aktivitäten in der Industrieproduktion wird unter dem Eindruck der aktuellen Nachrichten in den Januar-Zahlen wieder korrigiert werden. Ein kritischer Punkt für die Industrie dürfte zudem noch die weitere Entwicklung in der Automobilindustrie sein. Spätestens im April oder Mai wird sich zeigen, ob die Obama-Regierung gewillt ist, drei Fässer ohne Boden weiter durchzuschleppen oder eine alternative Lösung bevorzugt. Das dürfte dann der Zeitpunkt sein, der eine fundamentale Wende im Philadelphia-Fed-Index herbeiführen könnte.
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