Pferde, Inkas und sehr viel Öde
Von Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 18. Mai 2006 07:30 Uhr
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Ich bin mal wieder auf Reisen – diesmal in Südamerika, wo ich mit einem Teil meiner Familie per Pferd die Gegend erkundete.
Ich fühlte mich, als hätte ich keine Pause gehabt, aber dennoch konnte ich mich glücklich schätzen. Die Pferde hatten noch nicht einmal Wasser bekommen.
Nach einer schnellen Mahlzeit, bestehend aus Würstchen, Rotwein und Keksen, machten wir uns wieder auf dem Weg durch das Tal, Jorge zeigte uns den Weg. Wir ritten in einer Reihe entlang den Ufern des Rio, einem kleinen, ruhig fließenden Strom von nicht einmal drei Metern Breite. Auf unserem Weg aus dem Tal mussten wir den Strom immer wieder überqueren.
Mein Sohn Edward, der fast nie aufhört zu reden, jauchzte jedes Mal, wenn es ins Wasser ging. Normalerweise planschten wir nur durch den flachen Strom, aber gelegentlich versanken die Pferde bis zu ihren Bäuchen. Auf beiden Seiten des Tals gab es felsige Hügel, die sich steil neben der Straße auftürmten. Hier wuchs nichts außer Kakteen. Unten im Tal wuchsen knorrige alte Guebrachobäume in der Nähe des Stroms, zusammen mit dicken Büschen aus Pampagras. Und wenn das Tal breiter wurde, dann füllten grüne Alfalfafelder die Fläche.
„Es erinnert mich an Santa Fe, in Neu Mexiko – zumindest muss es vor 500 Jahren dort so ausgesehen haben“, sagte meine Frau Elizabeth. „Hier ist es jedoch wesentlich hübscher.“
Es war ein sehr schmales Tal. An manchen Punkten lagen zwischen den beiden Grenzen der Vegetation weniger als 15 Meter. Und dann plötzlich weitete sich das Tal wieder zu großen Feldern von Alfalfa.
„Wie kriegt ihr denn die Traktoren hierhin, um die Felder zu bearbeiten?“ fragte ich mich laut in Richtung Jorge.
„Wir verwenden keine Traktoren. Das wird alles per Hand gemacht und dann laden wir das Heu auf einen Pferdewagen. Und der große, graue Percheron, auf dem Henry reitet, zieht es dann den Fluss runter und wir schichten es dort für den Winter auf“, antwortet Jorge.
Wir waren seit einer Stunde geritten. Der Strom war kleiner und kleiner geworden. Jetzt war er nur noch einen halben Meter breit und an den Ufern gab es kaum noch Gras oder Bäume. Dann verließ Jorge den Strom ganz. Ohne erkennbaren Beweggrund zwang ich das Pferd das Ufer hoch. Jetzt würden die Pferde arbeiten müssen, denn der Berg war steil und steinig.
Jeder Schritt musste bedacht werden – die Pferde wollten weder auf scharfe Steine noch auf eine Kaktuspflanze treten. Ich fragte mich, wie es ihnen gelingt, gleichzeitig die Kontrolle über vier Füße zu behalten. Zuerst war es einfach nur eine Sache der Neugierde. Aber schon bald wurde es ein Frage um Leben und Tod, als wir an Höhe gewannen und ich mich bald darauf vor die Frage gestellt sah, wie sie den Weg entlang der Kante einer Klippe finden würden. Ein einziger Fehler wäre sowohl für den Reiter als auch für das Pferd tödlich gewesen. Die unfähigen und achtlosen Pferde müssen schon vor Jahrhunderten aus dem Genpool entfernt worden sein, argumentierte ich und dankte der natürlichen Auswahl.
Dennoch blieben Fragen offen. Vielleicht laufen diese peruanischen Pferde ja auf sicherem Fuße, aber was war mit dem Percheron, auf dem Henry ritt? In den sanften Hügeln von La Perche, in Frankreich, wurden diejenigen Pferde ausgesondert, die zu schwach waren, einen Pflug oder Wagen zu ziehen. – oder einen Ritter in der Schlacht zu tragen. Es gab dort für die Natur keine Möglichkeit zu entscheiden, ob ein Pferd in der Lage sein würde, einen Bergpfad in den Anden zu meistern.
An einem bestimmten Punkt schien der kleine Pfad selbst dem Wunsch nachgegeben zu haben, sich in die Schlucht zu stürzen. Es war nichts mehr davon übrig, außer einiger loser Steine und einem Abhang von 70 Metern. Dennoch zögerten weder Reiter noch Pferde, und wir kamen ohne Todesopfer durch.
„Schaut“, sagte Francisco, der sich im Sattel umdrehte, als wir die Ebene erreicht hatten
Ich hatte mich so sehr auf den Pfad konzentriert, dass ich kaum einmal den Kopf gehoben hatte. Jetzt erkannte ich, dass ich mich mitten in einer Region aus eingebrochenen Steinmauern befand – ganze Hektar weit.
„Los Indios“, erklärte Jorge.
„Was für Indios?“, fragte Henry.
„Nun,… meine Vorfahren“, sagte Jorge.
Ich habe ihnen Jorge schon beschrieben, aber im Reiseführer steht noch mehr über ihn:
„Die Einheimischen aus dem Calchaquies Tal sind sehr angenehm und freundlich, mit breiten Gesichtern und außergewöhnlich weißen Zähnen. Sie sind Nachfahren eines lokalen Stammes, der seine Wurzen möglicherweise bei den Völkern Patagoniens hat und die zu Vasallen eines Inka Imperiums wurden, ehe die spanischen Invasoren kamen.“
Laut der politisch korrekten Geschichte wurde Amerika nicht von Kolumbus „entdeckt“, sondern von Fremden „überfallen“ die verschiedene aufgeklärte und viel versprechende Zivilisationen auslöschten. Ein Buch, das ich mir in einem Buchladen in Buenos Aires angesehen habe, schrieb, dass die Azteken, die die Herzen ihrer Kinder und Kriegsgefangenen herausrissen, „sowohl Alt als auch Jung akzeptierten… und in Einklang mit der Natur lebten.“ Sie sehen also, es gibt zu jeder Geschichte zwei Seiten – normalerweise sind sie beide absurd.
„Das waren Terrassengärten“, erklärte Francisco, „sie haben ihre Ernte hier angebaut.“
Wir sahen uns um. Abgesehen von den Steinhaufen, die in groben Halbkreisen herumlagen, gab es hier nichts außer hochgelegene, ausgetrocknete Erde. Die einzige Vegetation, die bereit schien, das zu billigen, waren Kakteen – und auch die waren klein. Die majestätischen „Cardone“-Kakteen wachsen in geringerer Höhe, hier oben waren sie meist klein, drückten sich an den Boden, mit scharfen Nadeln, die aus flachem, grünen Fruchtfleisch kamen, das wie Bootspaddel geformt war.
Warum sollte jemand an einem solchen Ort leben wollen? Warum sollte man diese kahlen Berge hochsteigen, wenn das Land weiter unten so viel reicher und einladender ist?
„Ein Team von Archäologen ist hier gewesen und hat es sich angesehen“, erklärte Jorge, „aber sie wissen immer noch nicht viel.“
Während wir uns in den indianischen Ruinen umsahen, entdeckte ich auf einem nahe gelegenen Berg etwas, das wie eine grüne, fruchtbare und einladende Oase aussah. Dort, vor dem Hintergrund weiterer grauer Felsen, waren eine grüne Wiese und große Bäume.
„Dort lebt einer meiner Cousins“, sagte Jorge, „ich sehe ihn nicht besonders häufig.“
Ich war überrascht, dass er ihn überhaupt gelegentlich sieht.
„Gibt es einen Weg dort hinauf“, fragte der Autor dieser Zeilen.
„Ja sicher, es gibt einen kleinen Pfad. Natürlich nicht so gut wie dieser, aber man kommt dorthin“, sagte Jorge.
Jorge machte ein jaulendes Geräusch in höchster Stimmlage „Oooo-ooohh“
Er erklärte: „Ich rufe ihn. Wir haben keine Zeit, den ganzen Weg rauf zu reiten, aber in diesen Bergen werden Geräusche sehr weit getragen. Er wird mich hören und rauskommen. Abgesehen davon sollte ich ihn auch fragen, wie es ihm geht.“
„Warum?“, fragte ich.
„Er stirbt“, antwortete Jorge.
„Oh, … war er beim Arzt? Was hat er denn?“ fragte ich.
„Beim Arzt? Er hat in seinem ganzen Leben noch keinen Arzt gesehen. Er ist einfach bereit zu sterben. Er ist 95 Jahre alt – zumindest irgendwas in der Richtung“, erklärte Jorge.
Jorge jaulte noch einige Male, aber von der anderen Seite des Tals kam kein Lebenszeichen.