Persönliche Erklärung des Bundestagsabgeordneten Frank Schäffler
Alexander Hahn in Investoren Wissen
vom 21. Mai 2010, 16:00 Uhr
ENL5454
wie Sie wissen, verfolge ich schon länger einen "einsamen" Herren in Berlin, der mit Sachverstand versuchte, gegen die Ignoranz und Unkenntnis der trägen und unfähigen Politikermasse in Berlin in puncto Finanzdingen vorzugehen. Sie ahnen es schon, die Rede ist wieder einmal von Herrn Schäffler.
Wie auch bei den letzten Artikeln geht es mir keinesfalls darum, hier irgendeine Wahlwerbung für irgendeine Partei zu machen (denn ich halte von allen, aktuell im Bundestag vertrenenen Parteien so gut wie nichts).
Viel mehr möchte ich Ihnen zeigen, dass es doch noch letzte Stimmen der Vernunft gibt.
Lesen Sie daher heute die persönliche Erklärung des Bundestagsabgeordneten Frank Schäffler vom 21.05.10 zum "Euro-Rettungspaket", welches heute im Bundestag und Bundesrat verabschiedet wurde. Herr Schäffler ist nach Billigung des Gesetz von seinem Posten als FDP-Obmann im Bundestag-Finanzausschuss zurückgetreten.
Persönliche Erklärung des Bundestagsabgeordneten Frank Schäffler am 21. Mai 2010 - Erklärung gemäß Paragraph 31 GO des Deutschen Bundestages
Wir entscheiden gleich über das sogenannte Euro-Stabilisierungsgesetz. Dieses Gesetz ist einmalig in der deutschen Geschichte. Diese Einmaligkeit veranlasst mich, von meinem parlamentarischen Recht Gebrauch zu machen, mein Abstimmungsverhalten vor dem Deutschen Bundestag zu begründen.
Ich werde dem vorliegenden Gesetzentwurf nicht zustimmen. Denn dieses Gesetz ist kein Rettungspaket für den Euro und Europa.
Das vereinte Europa ist von seinen Gründungsvätern Konrad Adenauer, Robert Schumann, Jean Monnet, Alcide De Gasperi und anderen als ein Hort der Freiheit gegen alle Formen von Diktatur, Unfreiheit und Planwirtschaft erträumt worden. Das heutige Europa ist auf dem Weg in die monetäre Planwirtschaft und den politischen Zentralismus.
Die Gründungsväter Europas wollten ein Europa des Rechts und der Rechtsstaatlichkeit. Die heutigen Regierungen des Euro-Raums, die EU-Kommission und die EZB verabreden sich hingegen zum kollektiven Rechtsbruch, obwohl die EU-Kommission als Hüterin der Verträge und die nationalen Regierungen zum Schutz des Rechts verpflichtet sind.
Es gibt Alternativen zum derzeitigen planwirtschaftlichen und rechtswidrigen Handeln der europäischen Regierungen und der EU-Kommission.
Planwirtschaft und Rechtsbruch sind nicht alternativlos. Wir müssen uns jedoch trauen, die Alternativen zu bedenken, zu wählen und anschließend mutig umzusetzen. Vor allem müssen wir anfangen, die heute wieder vielfach geschürte Angst vor der Freiheit zu bekämpfen. Dieser Kampf beginnt mit einem freien Denken: Wir müssen uns trauen, die Ursachen unserer Finanz- und Überschuldungskrise zu benennen.
Die Hauptursache unserer Finanz- und Überschuldungskrise von Staaten und Banken liegt in der Geld- und Kreditschöpfung aus dem Nichts und der Möglichkeit, staatliches ungedecktes Zwangspapiergeld unbegrenzt vermehren zu können. Ohne diese Alchemie des Geldes hätte kein weltweites Schneeballsystem aus ungedeckten zukünftigen Zahlungsverpflichtungen entstehen können.
Dieses Schneeballsystem ist nur möglich, weil der Staat aus Gründen der leichteren Finanzierung von Staatsausgaben den Banken Privilegien verliehen hat, die gegen die Grundprinzipien jeder marktwirtschaftlichen Ordnung verstoßen. Zum einen handelt es sich um das Teilreserveprivileg, mit dem die Geschäftspraktik der Geld- und Kreditschöpfung legalisiert worden ist.
Zum anderen wurde durch die Gründung von Zentralbanken der Zusammenhang von Haftung und Entscheidung für den Bankensektor außer Kraft gesetzt. Zentralbanken wird die Hauptaufgabe zugewiesen, als Kreditgeber letzter Hand die Insolvenz von Banken zu verhindern. Eine Marktwirtschaft ohne Insolvenzrichter ist jedoch keine Marktwirtschaft. Zudem zerstören Zentralbanken durch ihre Zinspolitik das Preissystem von Gesellschaften. Deshalb wird diese Art der Marktwirtschaft ständig von Krisen (boom and bust) heimgesucht. Die marktwirtschaftlichen Selbstreinigungs- und Lenkungskräfte sind durch staatlichen Zwang im höchst wichtigen Finanzbereich weitgehend außer Kraft gesetzt.
Die Vorschläge für neue Finanzmarktsteuern sind deshalb ein Ablenkungsmanöver, das vom eigentlichen Problem unserer Geldordnung ablenken soll.
Darüber hinaus führt dieses Geldsystem fast zwangsläufig zur Überschuldung von Staaten und Banken, die sich in diesem Prozess gegenseitig decken, stützen und erpressen. Die Erpressung lautet: Werden die Zahlungen für uns eingestellt, fällt das gesamte Finanzsystem zusammen.
Ich stimme dem vorliegenden Gesetz nicht zu.
Dieses Gesetz verstößt gegen europäisches Recht. Die Institutionen, die zum Schutz des Rechts verpflichtet sind, erfüllen ihre Aufgabe nicht.
Zweitens wird durch diesen Rechtsbruch nicht der Euro gerettet, sondern zerstört.
Und drittens wird die Überschuldungskrise von Staaten und Banken durch dieses sogenannte Rettungspaket nicht entschärft, sondern verschärft.
Durch diese Maßnahmen lösen wir unsere derzeitigen Probleme nicht. Was wir zur Lösung unser derzeitigen Probleme in Europa brauchen, ist eine neue Geldordnung, eine marktwirtschaftliche Geldordnung und nicht Planwirtschaft.
Deshalb sage ich: Nein!
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Hans Martin Stoenner (21.05. 2010 18:06 Uhr):
Freiheit Gleichheit Brüderlichkeit sind drei wichtige Grundwerte. Leider lassen sie sich nicht zugleich und schrankenlos realisieren, weil sie sich gegenseitig ausschließen. Gleichheit macht Brüderlichkeit überflüssig. Gleichheit läßt sich nur in totaler Unfreiheit verwirklichen (Diktatur). Gleichmacherei führt zu Mittelmäßigkeit. Brüderlichkeit macht nur Sinn, wenn es "starke Schultern" gibt; diese gibt es nur in einem freien Umfeld. Totale Freiheit führt zu Raubrittertum. Totale Unfreiheit zu Sozialismus (Diktatur, Planwirtschaft usw.), aber nicht zwangsläufig zu Gleichheit (Bonzentum). Totale Unfreiheit führt zu Revolutionen und zu Extremismus. Wie kann man diese unvereinbaren Grundwerte trotzdem erhalten: Gleichheit - vor einem gerechten Gesetz, welches für alle gilt. Brüderlichkeit - wenn man die natürliche Ungleichheit zulässt und soziales Verhalten dafür einfordert. Freiheit - wenn man Spielregeln aufstellt, innerhalb derer man sich frei entscheiden kann. Kapitalismus ist nicht gleich Marktwirtschaft. Kapitalismus ist eine bewährte Form des Tauschverkehrs, um Handel auf den Märkten zu erleichtern. „Soziale Marktwirtschaft“ ist nicht gleich „Freie Marktwirtschaft“. Marktwirtschaft benötigt gesetzliche Regeln. Die Regeln dürfen nicht von den Akteuren auf dem Markt nach Gusto festgelegt werden. (Freiwillige Selbstverpflichtungen taugen nichts, es sei denn, sie werden in Gesetze überführt.)
Antworten - Kommentar von Christian von Sommoggy (22.05. 2010 11:04 Uhr):
Ich bin ganz der Meinung des Abgeordneten.Es ist auch kein Einzelfall daß von der Politik ständig gegen die von ihr selbst aufgestellten Gesttze versößt.Nur was kann man dagegen tun???
Antworten - Kommentar von Peter Velling Schürmann (22.05. 2010 11:12 Uhr):
Ich habe alle Hochantung vor Herrn Schäffler. Wenigstens Einer, der etwas von der Wirtschaft versteht. Aber: Was können wir von einer Bundeskanzlerin erwarten, die den größen Teil ihres Lebens im Kommunismus, d.h. einer Planwirtschaft verbracht hat. Die ersten 30 Lebensjahre waren garantiert prägend für Angela Merkel, auch wenn sie offiziell für eine Marktwirtschaft eintritt.
Antworten- Antwort von Alexander Hahn (23.05. 2010 18:03 Uhr):
Das befürchte ich leider auch, was Frau Merkel angeht, wenn ich mich auch gerne irren würde. Beste Grüße Alexander Hahn
- Antwort von Alexander Hahn (23.05. 2010 18:03 Uhr):
- Kommentar von Mühlbauer (23.05. 2010 08:51 Uhr):
Endlich mal ein Abgeordenter der seinem Gewissen bzw. dem Wählerwunsch folgt und nicht der Idiotie seiner Kollegen folgt.Wahrscheinlich wird er für seine Offenheit bei der nächsten Aufstellung für die Wahlen keinen guten Listenplatz mehr erhalten . Wir werden nur noch regiert von Lobbysten und ..............?
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