Performance über alles?
Alexander Hahn in Investoren Wissen
vom 30. März 2010, 16:00 Uhr
ENL5462
schauen Sie sich bitte die folgende Performance eines bekannteren US-Börsenbriefes an.
2006 - 42%
2007 - 63%
2008 - 33%
2009 - 92%
Würden Sie diesen Brief abonnieren? Klar, bei dieser Performance, oder nicht? All in? Immerhin wären bei investierten $10.000 ab Beginn der Performancemessung 2006 bis heute (Gewinn jeweils reinvestiert) über $59,105 geworden.
Welche Strategie liegt dieser hervorragenden Performance zu Grunde? Der Börsenbrief nutzt sog. „non-directional“ Strategien um in jeder Marktlage eine Rendite zu erzielen. Ganz konkret geht es darum, dass ein Basiswert (z.B. Aktie, Index etc.) innerhalb einer prognostizierten Trading Range bleibt und diese nicht verlässt und man dadurch jeden Monat ein kleines Einkommen generiert. Diese Optionsstrategie (in diesem Fall) nennt man „Iron Condor“ und der besagte Börsendienst hat diese sehr aggressiv auf diverse USD-Indizes angewendet und so die obige Performance erzielt. Im Schnitt erwirtschaftete der Brief pro Monat zwischen 3% bis 10% Rendite. Allerdings musste er, um diesen Performance zu erzielen, immer nahezu 100% des Kapitals riskieren. An der Börse sagt man dazu „There is no free lunch“ was sinngemäß bedeutet, dass man an der Börse nichts geschenkt bekommt. Hohe Performance bedeutet meistens auch ein hohes Risiko...
Und genau das ist dem US-Börsenbrief nun zum Verhängnis geworden. Dieser setzte im März 2009 u.a. darauf, dass der Russell 2000 Index die 680 Punkte nicht erreicht. Durch den fulminanten Anstieg der US-Märkte ging jedoch diese Prognose stark in die Hose. Doch kein Problem, schließlich lassen sich Iron Condors mit kleinen Verlusten z.B. einmalig vertikal rollen. Problematisch wird es nur, wenn auch der zweite Versuch fehl schlägt und der Trade ein zweites Mal gerollt werden muss (und man mit allem Kapital bereits "gesetzt" ist). So geschehen bei der Strategie des US-Börsenbriefes. Auch der gerollte Iron Condor kam unter Druck, da der Russell 2000 auch die 690 Punkte erreichte...
Das Ende vom Lied? Dem Börsenbrief ist seine Strategie buchstäblich um die Ohren geflogen. Er forderte die Abonnenten sogar auf, zusätzliche Gelder zu mobilisieren um ein drittes Mal den Iron Condor zu rollen und damit den Verlust etwas zu begrenzen. Wie viel genau der Brief im Monat März verloren hat, kann ich Ihnen z.Z. noch nicht sagen, da laut einem Bekannten, welcher Abonnent dieses Briefes war (mein Beileid, Marc) die Redaktion seit Tagen nicht mehr zu erreichen ist. Die letzte Wochenausgabe fiel komplett flach. Auf Anrufe und E-Mails wird anscheinend nicht reagiert. Und auch die Performance, mit welcher auf der Homepage immer kräftig geworben wurde, ist bis dato nicht aktualisiert worden.
Ich denke, dass beschriebene (reale Beispiel) zeigt sehr gut, dass Rendite alleine nicht alles ist. Was bringt es Ihnen, wenn Sie innerhalb von 4 Jahren eine Rendite von 500% erwirtschaften, um dann innerhalb eines Monats das eigene Portfolio zu sprengen?
Beste Grüße
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