Perfektion in der Elektronikindustrie
Jürgen Nowacki in Investoren Wissen
vom 8. August 2011, 16:00 Uhr
ENL5454
In Perfektion finden wir diese Art des Zusammenspiels in der Elektronikindustrie.
Unternehmen wie Dell, Lenovo und Apple, die uns in der Öffentlichkeit als Gegner in einem hart umkämpften Markt erscheinen, lassen häufig bei derselben Supply Chain Company fertigen.
Der Outsourcing-Spezialist Flextronics zum Beispiel (s. Chart) fertigt nicht nur Marken-IT-Produkte im Auftragswert von 30 Milliarden US-Dollar im Jahr, sondern stellt auch im Hintergrund den technischen Kundendienst und die Garantieabwicklung im Namen des Auftraggebers zur Verfügung. Diese Unternehmen bieten einen perfekten Electronic Management Service (EMS). Also angenommen, Sie rufen bei Ihren Laptophersteller an, weil Sie ein technisches Problem haben. Mit großer Wahrscheinlichkeit sprechen Sie in diesem Fall am Telefon nicht mit einem Mitarbeiter dieses Herstellers, sondern mit einem Callcenter von Flextronics in Deutschland, Osteuropa, Asien oder den USA.
Die EMS-Branche soll allein in Europa 180.000 Menschen beschäftigen und 1.340 Unternehmen mit 1.460 Produktionsstätten umfassen. Ein Großteil dieser Unternehmen ist mittelständisch geprägt und arbeitet häufig als Zulieferer am gleichen Produktionsstandort wie der Auftraggeber oder ganz in der Nähe davon. Konzerne wie Flextronics haben sich sogar noch weiter entwickelt und sind zu Produktions- und Logistikspezialisten geworden, die nicht mehr nur im IT-Sektor tätig sind. Branchen wie CleanTech (Fotovoltaik-Module), Automotive (BMW, Daimler, Porsche, VW und viele andere), die medizinische Industrie (Insulin Management System OmniPod) und andere lassen bei Firmen wie Flextronics arbeiten.
Man bezahlt nur, was man nutzt - Outsourcing ist grenzenlos
Wir stellen immer wieder überrascht fest, dass der Anteil neuer Arbeitsplätze im Dienstleistungssektor schneller wächst als im verarbeitenden Gewerbe. Die Ursache dafür liegt in der eingangs geschilderten Arbeitsteilung. Neue Geschäftsideen lassen sich vor allem bei zunehmender Spezialisierung finden, aber auch dort, wo bereits vorhandene, alte Organisationsstrukturen mit neuen Dienstleistungen kombinieren werden. Maschinen werden nicht mehr gekauft, sondern gemietet (Leasing), Verwaltungsgebäude werden verkauft und zurückgemietet (sale and lease back) oder mit einem Hotelmanagementsystem verknüpft und effizienter genutzt. Stellen Sie sich vor, Ihr Unternehmen hat 200 Mitarbeiter, davon 40 Mitarbeiter im Außendienst. Benötigen die Außendienstmitarbeiter wirklich komplett eingerichtete Büros? Mit einem Hotelmanagementsystem bekommt der Außendienstmitarbeiter immer dann (s)ein Büro in der Firmenzentrale, wenn er es benötigt - vorausgesetzt, er hat sich im Buchungssystem angemeldet. So einfach ist das und für Kunden absolut unsichtbar.
Fazit: Vor allem börsennotierte Unternehmen sind einem ständigen Wettbewerb ausgesetzt, in dem es darum geht, den eigenen Unternehmenswert nach außen hin sichtbar zu steigern. Unternehmen, die diesem Shareholder-Value-Ansatz folgen, entdecken zunehmend, welche versteckten Reserven sich durch Outsourcing freilegen lassen. Aktionäre sollten also beim Lesen von Geschäftsberichten hinterfragen, welche Outsourcing-Strategien das Unternehmen verfolgt, um den Unternehmenswert und somit den Kurs seiner Aktien zu steigern.
Viel Erfolg am Markt wünscht Ihnen
Jürgen Nowacki
Coach Trading & Sales
Zum ersten Teil von: Supply Chain Companies, Meister der Logistik