Perfekte Finanzmärkte?
unserem Korrespondenten Bill Bonner in Investors Daily
vom 26. März 2003 18:00 Uhr
ENL5454
Haben die Investoren am Freitag Recht gehabt ... oder am Montag?
Letzte Woche sind die amerikanischen Truppen vorgerückt ... und die Aktienkurse stiegen. Die Leute sagen, dass sie den Krieg hassen, aber so lange es für die US-Truppen gut lief, stiegen die Aktienkurse. Dann plötzlich begannen die Leute, die eigentlich getötet werden sollten, sich zu verteidigen ... und wupps ... fiel der Dow Jones direkt um 300 Punkte.
Das passierte am Montag. Die Investoren verfielen in Panik. Letzte Woche gab es Kaufpanik. Sie hatten Angst, dass sie die Nachkriegsrally verpassen würden. Aber am Montag fragten sie sich, ob die Vorkriegsrally bereits zu Ende war.
Laut Universitätsprofessoren hatten die Investoren sowohl am Freitag als auch am Montag Recht; denn die Theorie der perfekten Finanzmärkte geht davon aus, dass der Markt immer Recht hat; er reflektiert den Willen der Mehrheit ... die Wählerstimmen der Kleinanleger. Alan Greenspan sagte im Juni 1999:
"Spekulationsblasen nimmt man erst wahr, wenn sie geplatzt sind. Um eine entstehende Spekulationsblase erkennen zu können, braucht man die Einschätzung, dass Hunderttausende Investoren falsch liegen."
Laut der Theorie der Finanzmärkte können die Märkte und damit die Mehrheit nicht falsch liegen. In offenen Märkten eines demokratischen politischen Systems gibt es keine höhere Autorität als die Mehrheit. Wenn die Mehrheit denkt, dass ein Krieg ehrenhaft ist, dann muss das so sein. Und wenn die Mehrheit glaubt, dass ein Dollar Gewinn mehr wert wird, wenn Saddam Hussein getötet wird, dann muss das wohl auch so sein. Das Problem ist, dass derzeit etwas offensichtlich falsch läuft, und die Mehrheit ändert sich! Was könnte falsch sein an einer Nachkriegsrally?
Was ist das Wort, das die Stabilität der US-Währung bedroht? Schulden! Und zwar Hypotheken, Kreditkartenschulden, Staatsschulden.
"Mein Instinkt, der durch 50 Jahre Erfahrung im Finanzsektor verfeinert worden ist, sagt mir, dass wir erst im dritten Akt eines Dramas mit 5 Akten von Shakespeare sind, das ein schlimmes Ende hat." So Leon Levy in seinem Werk "The Mind of Wall Street". Die Aktienkurse mögen zwar deutlich gefallen sein, aber weder die Konsumenten noch die Investoren haben bereits das Damoklesschwert der Schulden realisiert, das über der Finanzwelt hängt."
Aber könnten die Konsumenten nicht einfach weiter fleißig einkaufen, egal, auch wenn in den USA 20 Billionen Dollar Schulden (!) bestehen? Und könnten die Anleger nicht einfach Aktien kaufen, was einen neuen Bullenmarkt begründen könnte – egal, wie hoch die Schulden sind? Und wenn sich alle gegenseitig versichern, dass die amerikanischen Truppen im Irak die Welt zu einem besseren Platz machen werden – wird das dann nicht wirklich der Fall sein?
Ach, wenn das nur so wäre! Ich war aber nicht bei der Schöpfung der Welt dabei ... und keiner hat mich nach meiner Meinung gefragt, wie ich die Welt geschaffen hätte. Vielleicht würde ich dann Folgendes vorschlagen: Eine Welt, in der die Mehrheit das bekommt, was sie sich wünscht – und nicht das, was sie verdient hat.
Hm ... aber das ist nicht der Weg, wie die Dinge normalerweise funktionieren. Und solange ich es nicht geschafft habe, in die Zukunft zu schauen, empfehle ich Ihnen weiterhin Vorsicht.